Der Besuch eines Konzerts ist in Pandemie-Zeiten ein besonderes Vergnügen. Desinfiziert und mit Masken versehen wird man höchstpersönlich an seinen Platz geleitet. Niemand Größeres sitzt vor einem, der den Blick zur Bühne versperrt, denn nur jede zweite Sitzreihe ist besetzt.

Als Zuhörer mag man sich schnell an diese neue Situation gewöhnen. Schwieriger ist es wohl für Musiker und Veranstalter, die ein spärlicher besetztes Auditorium nicht als Desinteresse an ihrem Programm verstehen dürfen. Darauf wies Rainer Kober am Samstagabend zu Beginn des ersten von vier Konzerten in der Wintersaison des VHS-Musikrings im Kreiskulturraum hin.

Beim Kegeln geschrieben

Das Coburger Kammertrio in der exquisiten Besetzung Klarinette, Viola und Klavier spielte selten zu hörende Werke von Schumann, Bruch und Beethoven. Seit zehn Jahren pflegen Edgar Eichstädter, Soloklarinettist im Orchester des Landestheaters Coburg und Dozent an der Berufsfachschule für Musik in Kronach, Andreas Hilf, Bratschist im Coburger Orchester, und der Pianisten Antonio Grimaldi Musik für diese Triobesetzung, die landläufig an Mozarts "Kegelstatt-Trio" festgemacht wird. Eine eher leichte Musik, die Mozart beiläufig bei Treffen beim Billardspielen, Kegeln und eben bei Musik geschrieben hat, was weitere Werke in dieser Besetzung nicht als oberflächlich verunglimpfen soll.

Der Klang des Coburger Kammertrios ist eher dezent. Vor allem durch die fast durchgehend zurückhaltende Spielweise von Grimaldi am Klavier, der Viola und Klarinette den musikalischen Raum überlässt. Dazu pflegt Edgar Eichstädter einen ungewöhnlich warmen Ton mit der Klarinette, der selbst in den kritischen hohen Lagen nicht spitz wird. Andreas Hilf ergänzt diesen Klangcharakter in weiterer Alt-Lage mit einer ebenfalls zurückhaltenden aber nicht näselnder Viola.

Der Rhein als Bezugspunkt

Alles zusammen der passende "Sound" für ein klassisch-romantisches Programm. Der Bezugspunkt der einzelnen Werke des Kronacher Konzert war der Rhein. Von Max Bruch spielte das Trio drei der acht Stücke opus 83, die einst in Bonn aufgeführt worden waren. Von Ludwig van Beethoven, in Bonn geboren, erklang das "Grand Trio opus 38", und vom Wahl-Düsseldorfer Robert Schumann stammten die "Märchenerzählungen opus 132". Schumann schrieb sie in nur drei Tagen. Sie waren am Ende seiner Schaffenszeit wohl keine großartiger musikalischer Wurf, eher schon eine Reminiszenz an die vielen kleinen Stücke, die Schumann Zeit seines Lebens im Selbstverständnis der Romantik um fantastische und geheimnisvolle Charaktere geschrieben hat. Eine Art Feenmusik im ersten Satz, polternde, fast schrille Töne im zweiten. Lyrisch und zart wogend folgt der dritte Satz, ehe das Werk kraftvoll endet.

Nur noch wenig bekannt ist Max Bruch als Komponist für Kammermusik. Im Wesentlichen hat sich aus seinem durchaus umfangreichen Schaffen vor allem das 2. Violinkonzert über die Zeiten etabliert. Bruch schrieb Musik im Stil der Romantik und blieb bis zuletzt dieser Klangwelt treu - auch mit den Stücken für Klarinette, Bratsche und Klavier aus dem Jahr 1910, einer Zeit, als sich der Aufbruch in die Moderne bereits in den Konzertsälen zu etablieren begann. Es sind die breiten Harmonien und wogenden Modulationen, die Bruch in der kleinen Triobesetzung ausbreitet, und in die er selbst eine "rumänische Melodie" adaptiert und romantisiert - ganz anders als später Bela Bartok, der sich eher an trockener Sprödheit in den osteuropäischen Volksliedern orientierte.

Symphonie zu dritt

Schließlich Beethovens Klaviertrio opus 38: Es basiert auf dessen Septett in Es-Dur aus dem Jahr 1799, das er kurz darauf als Trio arrangiert hat. Selbst in dieser kleineren Besetzung verliert das Stück nicht den symphonischen Charakter des Septetts. Der Klavierpart übernimmt in der Triofassung weitgehend die Streicherstimmen, wird also komplexer. Viola und Klarinette gestalten die wesentlichen Themen in dem sechssätzigen Stück, mit dem das Kammertrio dem Jubilar seine Reverenz erwies.