Wenn Steffen Lipfert (FW) am 1. Mai zum ersten Mal als neuer Bürgermeister das Pretzfelder Rathaus betritt, wird er keinem die Hand zur Begrüßung schütteln können. "Das ist natürlich schon eine besondere Situation", sagt Lipfert, der seinen Bürgermeisterposten in der Stichwahl gewonnen hatte. "Wenn man als Bürgermeisterkandidat antritt, muss man mit allem rechnen", betont er im Gespräch mit dem Fränkischen Tag, "und wenn man dann Bürgermeister ist, sowieso."

Die Wahl hatte Lipfert nie als Selbstläufer angesehen, kein Wunder, hatten ihn von seinem Stichwahlkonkurrenten Christian Meyer (WIR) bei der ersten Wahl nur 53 Stimmen getrennt. "Aus diesem Grund musste man realistisch sein und alle Optionen in Betracht ziehen", erklärt er.

Auch die Tatsache, dass seine Amtszeit nach sechs Jahren vorbei sein könnte und er dann in seinen alten Beruf zurückkehren müsste, kennt Lipfert. Obwohl er jetzt nicht daran denken möchte, was wäre, wenn die Bürgermeisterzeit vorbei ist, ist er trotzdem abgesichert. Da er im öffentlichen Dienst angestellt war, besteht für ihn immer die Option, dass er wieder einsteigen darf.

Erfahrung in kommunaler Arbeit

Steffen Lipfert war vor seiner Wahl zum Bürgermeister beim Wasserzweckverband Eggolsheimer Gruppe Geschäftsleiter. Davor hatte er als Bauamtsleiter in Ebermannstadt ebenfalls in einer Kommune im Landkreis Forchheim gearbeitet. Daher kennt Lipfert die Arbeit in den Rathäusern sehr gut. Trotzdem sieht er in der aktuellen Lage natürlich besondere Herausforderungen. "Wie es nach Corona aussieht, das ist schwer zu sagen", sagt er, "auch wann es vorbei ist, weiß momentan ja niemand." Sicher ist er aber, dass es schwierig werden wird, Prioritäten zu setzen.

"Wir wissen einfach noch nicht, wie sich die Gewerbesteuer entwickeln wird und wie dann die finanzielle Lage von Pretzfeld sein wird." Er wirbt daher für Verständnis, sollten nicht alle Dinge, die man sich im Wahlkampf vorgenommen hatte, umgesetzt werden können.

Trotzdem hat Lipfert einige Sachen auf seiner Agenda, die er angehen möchte. Zum einen spricht er von den Plänen, die aus dem ISEK-Prozess auf die Kommune warten, zum anderen betont er aber auch die Herausforderung, die gemeinsam mit anderen Kommunen in der Region geteilt wird: der demografische Wandel. Außerdem möchte er, dass seine Heimat auch für junge Familien als Wohn- und Lebensort attraktiv ist.

In Pretzfeld verwurzelt

Die Familie von Steffen Lipfert ist tief in Pretzfeld verwurzelt. Seine beiden Töchter (11 und 13 Jahre) spielen im Musikverein, er selbst ist in der Pfarrgemeinde und der Jagdgenossenschaft aktiv. Seinen Hobbies möchte er auch als Bürgermeister treu bleiben, betont Lipfert, der selbst jahrelang im Musikverein Trompete gespielt hat. Besonders engagiert ist der passionierte Jäger als Hegeringleiter. Zur Jagdhündin hat er im vergangenen Jahr auch die zweijährige Deutsch-Kurzhaar Hündin Centa ausgebildet. "Meine Hobbies haben bisher Spaß gemacht, deshalb will ich sie auch weitermachen", sagt er.

Miteinander Möglichkeiten nutzen

Über seine Amtsvorgängerin Rose Stark (Ökologen) spricht Lipfert nicht schlecht. Jede Zeit habe seine eigenen Aufgaben. Er wolle nun getreu seinem Wahlspruch "Mehr Miteinander - Mehr Möglichkeiten" besonders bei größeren Projekten mehr Bürgerbeteiligungen forcieren. Die sei ebenso wie das wachsende Umweltbewusstsein in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.

Ein kleines Versprechen für die Zukunft oder vielleicht auch ein kleiner Seitenhieb ist ihm dann aber doch noch zu entlocken. "Ein Bierfass kann ich anstechen, ohne nass zu werden", so Lipfert, "hoffentlich klappt das dann aber auch, wenn es drauf ankommt." Das kann Pretzfelds neuer Bürgermeister dann aber wohl erst beim Kirschenfest 2021 unter Beweis stellen.