Kronach — Maximilian von Welsch wurde am 23. Februar 1671 in Kronach geboren. Doch weiß man mit dem, dessen Name in Kronach eine Schule und eine Straße ziert, nach dem in etlichen Städten Straßen und in Mainz ein Platz benannt ist, in seiner Geburtsstadt noch etwas anzufangen? Diese Frage stellte Dirk Eilers vor einigen Wochen in der Jahreshauptversammlung des Vereins "1000 Jahre Kronach". Und diese waren angetan von den folgenden Ausführungen.

Tatsächlich sind in Deutschland, so führte Eilers aus, vor allem im mittleren Westen Deutschlands noch zahlreiche Bauwerke von ihm zu finden. Zwei Ministerpräsidenten nutzen ein Welsch-Gebäude als Staatskanzlei, ein dritter hält dort seine Staatsempfänge. Die Gebäude des Barockbaumeisters aus Kronach sind heute noch häufig Fotoobjekte für Touristen.

Militärische Karriere

Als Geburtshaus galt jahrelang das Häuslein in der Strauer Straße 9. Durch Forschungen von Christian Porzelt stellte sich aber heraus, dass dies das Haus der Großmutter war, Welschs Eltern waren zu seiner Geburt in der Lucas-Cranach-Straße 23 eingemietet.

Mit sechs zog er bereits mit seinen Eltern nach Bamberg um, wo sein Vater eine hohe Stellung beim Bischof gefunden hatte. Von Welsch besuchte dort das Ottonianum, schloss die Schule aber nur im naturwissenschaftlichen Bereich ab und startete ab 1692 eine Karriere als Soldat vorwiegend im Mietregiment des Herzogs von Sachsen-Gotha-Altenburg. Bald stellten sich seine planerischen Fähigkeiten heraus, die im Militär der damaligen Zeit enorm wichtig waren.

Festungen galten als die Lebensversicherungen für Territorialfürsten, gut, wer so eine pentagonale Anlage planen konnte. Durch Reisen, die ihn an der Seite des Erben von Sachsen-Gotha von Italien bis hin nach England führten, erweiterte er seine Kenntnisse, sodass der mächtigste Erzbischof des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Lothar Franz von Schönborn, seit 1693 Bischof von Bamberg und seit 1695 Erzbischof von Mainz, auf ihn aufmerksam wurde.

Schlösser und Schlossparks

Lothar Franz war als einer der sieben Kurfürsten wahlberechtigt, als siebte Stimme das Zünglein an der Waage und damit als Erzkanzler besonders wichtig. Er kaufte Welsch 1704 aus der Kriegsgefangenschaft in Polen frei und holte ihn nach Mainz, wo er zunächst als Festungsingenieur im weit verstreuten Mainzer Besitz arbeitete. Dies beförderte auch seine militärische Karriere, er wird als Generalmajor der höchste Kommandant der Mainzer Truppen. Für den Festungsbau weilt Welsch auch in Kronach und Forchheim, wo er aber offenbar nur Ausbesserungsarbeiten vornimmt.

Schon bald ist Welsch auch bei zivilen Bauten gefragt, wird zum kurmainzischen und Bamberger Oberbaudirektor. Ab 1707 entwirft er das Schloss Biebrich, wo heute der hessische Ministerpräsident seine Staatsempfänge hält. Er verbindet zwei Schlösschen mit prachtvollen Gängen, in deren Mitte die imposante Rotunde steht. Das Schloss präsentiert sich mit der Westseite stolz zum Rhein hin, auf der Rückseite findet sich ein fast zwei Kilometer langer Park. Den hatte von Welsch auch als barocke Anlage geplant und ausgeführt, einige Jahrzehnte später wurde das den neuen Besitzern zu teuer, er musste einem englischen Landschaftspark weichen. Heute flanieren die Wiesbadener in dem weitläufigen Gelände und erfreuen sich an der noch immer funktionierenden Wasseranlage mit Fontäne von Welschs. Noch mehr Gartenarchitekt war Welsch bei der Favorite: Sechs parallel gebaute kleine Schlösschen entfalteten sich hin zum Rhein, diesmal vor den Toren von Mainz, genau gegenüber der Mündung des Mains. Daneben setzte der Baumeister noch zwei separat wirkende Gartenabschnitte. Auftraggeber Lothar Franz schwärmte von dem idealen Ort, sich zu "divertieren". Die Favorite wurde jedoch in den Revolutionskriegen 1793 von den Preußen zerstört, weil damals die alten Mächte die junge Mainzer Republik, die sich infolge der Französischen Revolution bildete, bekämpften. Besser ging es da einigen Gebäuden, die von Welsch in Ergänzung zu Schlössern und Residenzen anderer Architekten baute. So setzte er der Residenz Fulda eine schicke Orangerie gegenüber, in der man heute im Hotel Maritim logieren kann. Den Hof von Schloss Weissenstein in Pommersfelden schließt der Marstall ab, 5000 Pferde wurden in dem Gebäude von Welschs gehalten. Bei beiden Anlagen zeichnete er auch für den Garten verantwortlich. In Fulda wurde der Garten in den 1980er Jahren rebarockisiert und kommt heute den erhaltenen Plänen von Welschs nahe.

Welsch und die Staatskanzleien

Welcher Architekt kann schon von sich behaupten, für zwei Ministerpräsidenten geplant zu haben? Zwei heutige Staatskanzleien hat Welsch errichtet: In Mainz regiert die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz im Zeughaus, das an prominenter Stelle - genau an der Brücke über den Rhein - die Besucher begrüßt.

Abteikirche barockisiert

Die heutige Thüringer Landeshauptstadt Erfurt gehörte in der Barockzeit zum Bistum Mainz. Welsch baute dort das Statthalterpalais - heute Sitz von Ministerpräsident Bodo Ramelow, der gerne Interviews vor dem Gebäude mit den Hermen gibt. Aber auch mit sakralen Bauwerken beschäftigte sich von Welsch; so barockisierte er die romanische Abteikirche von Amorbach. Auch zu Vierzehnheiligen entwarf er Pläne, sein jüngerer Konkurrent Balthasar Neumann stach ihn mit dem schlankeren und dem Maintal zugewandten Gotteshaus aus. Welsch wohnte mit seiner Familie in zentraler Lage in Mainz am Markt mit Blick auf den Dom. Ganz in der Nähe, hinter dem von ihm konzipierten Hochaltar wurde von Welsch 1745 bestattet. Das Landesmuseum in Mainz erinnert an ihn mit einer kleinen Abteilung der Dauerausstellung. Prunkstück ist der barocke Architektenkoffer, mit dem von Welsch Pläne von bestehenden Gebäuden maßstabsgetreu aufnahm und neue Pläne im Gelände in die Tat umsetzte. Zu Welsch gibt es noch viele offene Fragen: Manche Gebäude, wie das Angermuseum in Erfurt, werden ihm zugeschrieben, für andere Großanlagen wie Schloss Bruchsal zeichnete er erste Pläne, inwieweit sie das Gesamtkonzept der Anlage bestimmten, ist ebenso unklar wie sein gestalterischer Einfluss bei der Festung Rosenberg.

Noch kein Porträt entdeckt

Als sein Arbeitgeber Lothar Franz von Schönborn 1729 stirbt, tritt von Welsch als Architekt in den Folgejahren so gut wie gar nicht mehr in Erscheinung. Beschränkt er seine Tätigkeit völlig auf das Militärwesen? Lebt er als Privatier? Ein Porträt von Maximilian von Welsch oder eine bildliche Verewigung in seinen Bauwerken wurde bislang nicht aufgefunden bzw. zugeordnet. Zum 350. Geburtstag von Maximilian von Welsch beschäftigen sich Schüler der nach ihm benannten Kronacher Realschule mit dem Namenspatron und planen eine Gesamtschau auf seine Bauwerke, verriet Dirk Eilers zum Schluss seines mit viel Beifall bedachten Vortrages.