Coburg — Die Gläubigen des evangelischen Kirchspiels Seidmannsdorf haben am Palmsonntag im Rahmen des Osterbrunnenfestes die neuen Glocken ihrer "Pfarrkirche zu unserer lieben Frau" in Empfang genommen. Sie werden die alten Stahlgussglocken, die seit den 1920er-Jahren im Kirchturm hängen, ersetzen. Die drei neuen Glocken sind am 14. November 2014 in der Werkstatt der Glocken- und Kunstgießerei Rincker im hessischen Sinn gegossen worden. Die Firma Rincker ist eine der ältesten Glockengießereien in Europa. Sie befindet sich seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz.

"Ein Kreis schließt sich"

Pfarrer Klaus Göpfert stellte die drei Glocken und ihre Widmung im Festgottesdienst vor. Die größte der drei Glocken ist die Festtagsglocke mit den Inschriften "Ehre sei Gott in der Höhe" und "Christ ist erstanden". Die Gebetsglocke trägt die Inschriften "Friede auf Erden" und "Vater unser im Himmel". Die Kleinste, die Taufglocke, trägt die Inschrift "Fürchte Dich nicht". Diese Zusage, so Pfarrer Göpfert, gelte seit den Zeiten des Alten Testamentes als Zusage Gottes. Mit den gleichen Worten habe auch der Erzengel Gabriel die Jungfrau Maria, die Seidmannsdorfer Kirchenpatronin, bei der Ankündigung der Geburt Jesu begrüßt. Damit schließe sich ein Kreis. Pfarrer Göpfert: "So mögen nun eben auch die drei neuen Glocken der Liebfrauenkirche die Erinnerung wachhalten an den Gott, der die Niedrigkeit seiner Magd angesehen hat und große Dinge an ihr getan hat, der die Gewaltigen vom Thron stößt und die Niedrigen erhebt." Der Geistliche ermutigte die Gemeindeglieder, sich die Botschaft von Jesus Christus zu Herzen zu nehmen und sich dem guten Weggeleit Gottes anzuvertrauen.
Göpfert bedauerte, dass in der Geschäftigkeit des Alltags das Gebetsläuten der Glocken häufig überhört werde. "Aber gerade hier in der Nähe des früheren Eisernen Vorhangs mag da ja auch ein besonderes Bewusstsein vorhanden sein, was ein gemeinsames Gebet auszurichten vermag", fuhr der Geistliche fort. "Es ist ja eben nicht wirkungslos geblieben, dass sich damals in den Jahren vor der Wende Menschen zu Friedensgebeten versammelt haben."
Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) dankte den Gemeindemitgliedern und den Bürgervereinen aus dem Coburger Osten für ihr Engagement zum Guss der neuen Glocken. "Sie mahnen, sie laden ein, sie erinnern an freudige und traurige Ereignisse", beschrieb das Stadtoberhaupt die Aufgaben der neuen Glocken.
Die Vorstellung der neuen Glocken war in das 14. Osterbrunnenfest des Bürgervereins Seidmannsdorf/Löbelstein eingebunden. Die musikalische Begleitung übernahmen der Posaunenchor Seidmannsdorf, die Flötengruppe sowie die Kinder des Kindergottesdienstes. mako