Mit 21 Jahren ist Moritz Regenspurger in der CSU-Fraktion des Bad Rodacher Stadtrats das jüngste Mitglied und drückt auch im Ortsverband den Altersdurchschnitt nach unten. Bei den Parteikollegen - sowohl in der Fraktion als auch im Ortsverband - ist sein jugendliches Alter allerdings kein Thema. "Ich spüre sehr viel Vertrauen", betont Moritz Regenspurger. Sein Motto: "Jung denken heißt, in jeder Generation denken." Politik solle einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen, da dürfe das Alter kein Ausschlusskriterium sein. Im Gegenteil: Gleich nach der Wahl habe er bewusst das Gespräch mit den "alten Hasen" gesucht, wie er erzählt. "Ich glaube, da kann man von wertvollen Erfahrungen profitieren."

Etwas mehr als 100 "aufregende, turbulente Tage" ist der 21-Jährige jetzt im Amt. Und auch wenn 100 Tage keine lange Zeit seien, so hätten er und seine Fraktionskollegen schon einiges angestoßen. "Wir haben einen Antrag gestellt, den Ausschuss Bau und Umwelt um die Kompetenz der Digitalisierung zu erweitern", berichtet er. Im Hinblick auf ein weiteres Paket der Bundesregierung zur Digitalisierung der Verwaltung, "wollten wir vorausschauend schon ein Gremium haben, das auch hier Gestaltungsspielräume und Kompetenzen hat", sagt Moritz Regenspurger.

Wirtschaft ankurbeln

Ein weiteres Ziel sei es, die Wirtschaft in Bad Rodach anzukurbeln. "Wir haben wirtschaftlich unheimlich was nachzuholen und um die Potenziale auszuschöpfen, wollen wir eine Arbeitsgruppe Wirtschaft gründen." Ähnliches sei für die Bereiche Tourismus, Soziales und Digitalisierung vorstellbar. "Damit sich die Leute fraktionsübergreifend mit ihren jeweiligen Kompetenzen wiederfinden und einzelne Themen bearbeiten können."

Konkret könnte er sich ein aktiveres Ansiedlungsmanagement vorstellen. "Im Moment ist es so, dass die Unternehmen beim Wirtschaftsförderer nach freien Flächen fragen", erläutert Regenspurger. "Aber wir sagen, das reicht nicht. Man muss aktiv werden, den Ist-Zustand überprüfen und neue Potenziale gewinnen. Das haben wir jetzt angestoßen und sind auch beim Bürgermeister auf offene Ohren gestoßen. Das wird nun nach und nach installiert."

Wechsel im Studium

Bei so viel politischem Engagement liegt die Frage nahe, ob es Moritz Regenspurger auch beruflich in die Politik zieht. Der 21-Jährige lacht. "Mal schauen ...!" Aktuell studiert er Politikwissenschaft und Wirtschaft, er werde aber voraussichtlich im Master umschwenken auf Internationale Wirtschaft und Governance in Bayreuth. Die Wirtschaft sei das eigentliche Standbein, die Politik würde er eher als "Hobby" bezeichnen.

In seinem gleichaltrigen Bekanntenkreis sei dieses doch eher ungewöhnliche "Hobby" übrigens kein Thema, denn viele seiner Freunde kennt Regenspurger ohnehin über die Politik, etwa über die Junge Union oder Jugend und Parlament. "Daneben habe ich noch Freunde, die sich nicht politisch engagieren, was völlig in Ordnung ist", sagt Moritz Regenspurger. Einen guten Rat bekomme man jederzeit aus beiden Freundeskreisen.

"Von den Freunden, zu denen es keine politischen Berührungspunkte gibt, hört man einfach eine unreflektiertere Meinung, weil sie nicht so tief in der Materie drinnen sind", erklärt der 21-Jährige. "Das finde ich teilweise interessanter, als von denen zu hören, mit denen man ohnehin auf der gleichen Wellenlänge ist." Ihm sei wichtig, sich nicht nur mit Gleichgesinnten auszutauschen. "Ich habe auch viele Freunde von verschiedenen Parteien mit unterschiedlichen Meinungen. Ich glaube, das macht's erst interessant und wertvoll, wenn man unterschiedliche Gesichtspunkte verbinden kann."

Zunkunft gestalten

Was für ihn politisches Engagement ausmache, sei die Möglichkeit, eben nicht nur am Rand zu stehen und zu kritisieren, sondern aktiv eingreifen zu können, das Allgemeinwohl in den Vordergrund zu stellen und sich ein Stück weit an der Gestaltung der Zukunft zu beteiligen.

Was für den 21-Jährigen den Reiz an der Politik ausmacht, mag für Gleichaltrige schon zu viel des Guten sein. Dennoch glaube er, dass sich junge Leute wieder vermehrt für Politik interessierten, sagt Moritz Regenspurger. Auch wenn es am Ende oft beim Interesse bleibe, sei das völlig in Ordnung.

Dass junge Menschen vielleicht lieber den Weg zu Organisationen wie "Fridays for future" oder "Black lives matter" wählten, statt sich in politischen Parteien zu engagieren, könne er schon verstehen. "Vielleicht kommen Parteien ein bisschen angestaubt rüber, verkrustet in ihren Strukturen." Das gelte es, bei den Parteien aufzubrechen, "auch aus junger Sicht", sagt Regenspurger. "Ich möchte die Jüngeren motivieren, aktiver zu werden, und ich würde mich freuen, wenn wieder mehr den Weg zu den politischen Parteien fänden."

Wer wird Kanzler?

Zum Schluss noch sein persönlicher Tipp: Wer wird nächster Bundeskanzler? Der 21-Jährige lacht. "Darüber habe ich kürzlich mit meiner Mutter diskutiert. Sie sagt, Norbert Röttgen wird's, weil er unverbraucht ist, sich politisch noch nirgends verbrannt hat." Das sei ein Kandidat, den man aufbauen könne. Er selbst halte von Norbert Röttgen auch viel, sagt Moritz Regenspurger.

"Aber ich finde, wenn man die Politiker insgesamt betrachtet, hat - ausgenommen Angela Merkel - Markus Söder bewiesen, dass er sehr krisenfest agieren kann und auch für die Zukunftsthemen gute Lösungen parat hat." Aber Bayerns Ministerpräsident habe ja eben erst wieder betont, dass er in Bayern bleiben wolle. Das habe er inzwischen so oft gesagt, dass er sich daran wohl auch halten werde, sagt Moritz Regenspurger. "Ich glaube, da wird es bis zum nächsten Jahr noch ein paar Überraschungen geben, da fließt noch viel Wasser die Itz und die Rodach runter."