Seit 1. Mai sitzen Frank Iftner (30) von den Freien Wählern, Matthias Stirnweiß (39) von der Unabhängigen Bürgerliste (UBL), Frank Müller (43) für SPD/UBL sowie Simone Seubert (41) von der Wählergemeinschaft Fetzelhofen im Lonnerstadter Gemeinderat. Wir fragten sie nach ihren Gründen, für das Amt zu kandidieren, nach ihrem politischen Engagement im Vorfeld und ob sich ihre Vorstellungen von der Arbeit im Gremium bewahrheitet haben.

"Eine Bürgerpflicht"

Frank Iftner sieht ehrenamtliches Engagement als eine Bürgerpflicht, der jeder entsprechend seinen Möglichkeiten nachkommen sollte. Und dabei spiele es keine Rolle, ob das Engagement sozial, im Verein oder politisch ist.

"Ob man im Gemeinderat unbedingt von Politik sprechen kann, sei mal dahingestellt. Bei uns geht es nicht um Parteipolitik, sondern um das Wohl der Gemeinde, im Gemeinderat ziehen (fast) alle an einem Strang", sagt Iftner. Er hat kein politisches Vorleben, allerdings ist er seit über fünf Jahren in der Vorstandschaft des TSV Lonnerstadt und seit dreieinhalb Jahren als Vorsitzender aktiv.

Durch viele Gespräche mit aktuellen oder ehemaligen Gemeinderäten hatte er schon ein ungefähres Bild von dem, was auf ihn zukommt. "Ich habe in der Vergangenheit schon die ein oder andere Sitzung besucht. Natürlich, was dieses Amt im Detail bedeutet, sieht man erst, wenn es so weit ist." Nachdem ein Jahr in der Gemeinde immer auch bestimmten Abläufen folgt, könne man mit allen Dingen wohl erst nach dem ersten Jahr vertraut sein. "Die großen Themen, die einen dauerhaft beschäftigen, sind mir sicherlich schon vertraut. Eines habe ich aber bereits nach einiger Zeit gelernt: Egal, wie man entscheidet, es wird immer Menschen geben, die damit nicht einverstanden sind. Und diese Unzufriedenheit wird heute hauptsächlich im Internet kundgetan. Das persönliche Gespräch scheint wohl so langsam aus der Mode zu kommen. Aber damit muss man lernen umzugehen."

Im Moment sei das wichtigste Thema aus seiner Sicht, das neu geschaffene und über viele Jahre hart erkämpfte Gewerbegebiet "Edelgraben" einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. "Aktuell gibt es in Lonnerstadt keinerlei Einzelhandel oder Ähnliches mehr." Hier eröffne sich eine große Chance, dem Ort in Sachen Nahversorgung wieder ein kleines Stück Selbstständigkeit zurückzugeben. "Es kann nicht im Sinne der Gemeinde sein, wenn ein solch wertvolles Stück Land nur mit großen Industrie- oder Lagerhallen zugebaut wird, von denen die Allgemeinheit nichts hat. Wir sind hier aber bereits auf einem guten Weg."

Seine Kandidatur hat er nicht bereut, denn er habe schon nach so kurzer Zeit gemerkt, dass man viel bewegen kann.

"Kein Fraktionszwang"

Für Matthias Stirnweiß ist die Kommunalpolitik der politische Bereich, in dem man sich ohne Parteiengetue engagieren und dabei direkt etwas bewirken kann. "Ich bin in Mailach aufgewachsen und lebe dort mit meiner Familie. In einer Gemeinde mit verschiedenen Ortsteilen ist es unerlässlich, dass es Vertreter aus allen Ortsteilen im Gemeinderat gibt, die sich für die spezifischen Interessen einsetzen." Er ist in der UBL, die zusammen mit der SPD angetreten ist, weil eine "richtige" Partei mit Parteibuch und Parteientscheidungen für ihn nicht infrage kam. "Es war bei unserer Liste von Anfang an klar, dass es keine Fraktionsentscheidungen gibt und jeder entsprechend seiner Meinung abstimmt." Bis auf die Kandidatur bei der Kommunalwahl 2016 auf der damaligen Listen SPD/Wählergemeinschaft hatte er kein politisches Vorleben. Mit allen Dingen ist er noch nicht vertraut, "aber ich habe kein Problem zu fragen, wenn ich etwas nicht verstehe, daher lerne ich schnell". Er hat kein Problem damit, als Frischling zu agieren. "Ich empfinde es als Vorteil, offen an Themen heranzugehen und etablierte Meinungen infrage zu stellen. Getreu dem Motto: Es gibt keine dummen Fragen. Ich habe das Gefühl, ernst genommen zu werden."

Nach seinen bisherigen Erfahrungen gibt es in der Gemeinde sehr viele wichtige Themen anzugehen, da in der letzten Periode offensichtlich vieles nicht erledigt worden sei. Als Ingenieur interessieren ihn Themen wie Wasser und Abwasser. Die Konsequenzen aus Entscheidungen zu beiden Themen erfahre jeder Bürger über die Kosten direkt, deshalb möchte er sich dafür einsetzen, dass hier sinnvolle Entscheidungen getroffen werden. Seine Kandidatur hat er nicht bereut. Er möchte einen guten Job machen. Allerdings erfordert das Amt mehr Zeit als gedacht, "aber das ist vollkommen in Ordnung". Er möchte dazu beitragen, dass seine Heimatgemeinde ein gutes Zuhause für alle Bewohner ist und bleibt, offen und traditionsbewusst.

"Das Beste rausholen"

Frank Müller nennt als Motiv für das politische Engagement positives Mitwirken im gemeindlichen Geschehen und die besten Entscheidungen für die Heimat zu treffen. Die Chancen, in den Gemeinderat zu kommen, waren gut für ihn und und er wusste zum Teil, was auf ihn zukommt. Auf die Frage, ob er schon mit allen Dingen vertraut ist, antwortete er: "Nein, die Themen und Aufgaben sind sehr vielfältig, da kommt immer etwas Neues dazu." Da sich alle bereits gut und lange kennen, empfindet er den neuen Gemeinderat als ein sehr gutes Team für Lonnerstadt und seine Ortsteile.

Seine Kandidatur hat er absolut nicht bereut. "Mein Wunsch ist es, dass der Gemeinderat zusammen das Beste für unsere Gemeinde rausholt, ohne dass die Partei dabei eine Rolle spielt!"

"Auf Ortsebene mitgestalten"

Simone Seubert hatte schon früh Interesse an der Politik, sei es auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene. Bei der Kommunalwahl 2014 war sie bereits auf der Liste der Wählergemeinschaft Fetzelhofen. "Ich möchte auf örtlicher Ebene mitgestalten." Sie hat viel Ehrenamtserfahrung im kirchlichen Bereich sowie im Elternbeirat in Kita und Schule. Da sie auf Listenplatz 1 stand, war die Wahrscheinlichkeit hoch, gewählt zu werden. "Uns ist es aber gelungen, erstmalig zwei Gemeinderäte (Hermann Popp und mich) zu stellen."

Nach der Wahl hat sie coronabedingt etliche Webinare (statt Präsenz-Seminaren) für neue Gemeinderäte sowie im Vorfeld Gemeinderatssitzungen besucht bzw. mit bisherigen Gemeinderatsmitgliedern gesprochen. So wusste sie von der Theorie her und auch aus der Praxis, was auf sie zukommt. Die Routine in den Sitzungen habe sich ziemlich schnell eingestellt. In einige bisher eher fremde Themen wie Kläranlage/Abwasserentsorgung erfordere es natürlich eine intensive Einarbeitung.

"Als neue Gemeinderätin fühle ich mich gut aufgenommen im Gemeinderat, auch wird man als Neue ernst genommen. Ich bin Mitglied des Schulverbands Lonnerstadt-Weisachgrund, das Thema Schule und auch Kinder und Familie im Allgemeinen ist mir sehr wichtig. Und natürlich die Entwicklung unseres Ortsteils Fetzelhofen!" Die Kandidatur hat sie nicht bereut.

Ihr größter Wunsch ist im Moment, dass alle gesund bleiben und "wir in baldiger Zukunft wieder in einer gewissen Normalität leben und arbeiten können, auch im Gemeinderat".