15 Jahre lang war André Heller als Cheftrainer verantwortlich für die Lateinformationen im TV Ketschendorf - bis Mai 2019. Fast unbemerkt hat Heller seinen Posten aufgegeben. Das habe berufliche, aber auch private Gründe, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Dennoch kommt dieser Schritt für ihn zur richtigen Zeit und er sieht gute Chancen, dass es mit der TVK-Lateinformation weiter geht.

Tageblatt: Ihr Rückzug ging fast unbemerkt vonstatten. War das eine spontane Entscheidung, aufzuhören, oder tragen Sie sich schon länger mit dem Gedanken?

André Heller: Nach meinem 40. Geburtstag und einem Leistenbruch war es relativ klar. Ich habe das jetzt 15 Jahre lang gemacht und für mich war es die letzten Jahre schon immer die Frage. Man möchte ja zu dem Zeitpunkt aufhören, wo noch alles läuft und nicht vor einem Haufen Scherben stehen. Ich habe aber auch immer gesagt, so lange ich noch Motivation habe, so lange ich ein Ziel vor Augen habe und Spaß an der Sache, mache ich das auf alle Fälle weiter.

So ein Cheftrainer-Posten kostet sicher auch Kraft.

Ja, wir hatten jetzt drei Saisons, die an die Substanz gingen, mit zwei knapp verpassten Aufstiegen und im vergangenen Jahr immer wieder einen großen Rückschritt. Zum Ende hatte der sich noch in das Kuriosum gedreht, dass wir fast doch noch aufgestiegen wären. Wir waren noch auf der Relegation und lagen in der Vorrunde eigentlich auch noch ganz vorne. Das Finale war dann ein bisschen eine Verkettung unglücklicher Umstände. Mit einer Wertung Unterschied sind wir nicht aufgestiegen.

Daneben hat sicherlich auch Ihr Beruf eine Rolle gespielt?

Ich bin in Vollzeit berufstätig und habe da im letzten Jahr auch noch eine Veränderung vollzogen. Dort wollte und will ich meine Energie reinstecken.

Können Sie abschätzen, wie viel Zeit Sie für die Arbeit als Cheftrainer aufgewendet haben?

Schwer zu sagen. In der Saison von Jahresanfang bis Ende März ist das Wochenende von Samstag bis Sonntag immer komplett draufgegangen. Entweder hatte man Turnier oder Training. Unter der Woche kam noch Zeit für Planung und Absprachen dazu. Und ich habe mich immer komplett um die Kleider gekümmert, mich mit den Schneidern abgesprochen, Termine vereinbart. Daneben war ich noch in der Organisation für das Coburger Turnier, da ist schon einiges draufgegangen, so 20 Stunden pro Woche zusätzlich. Dazu noch die Vorbereitung, wo wir auch mit einigen Trainingslagern unterwegs waren. Und sechs Wochen im Jahr, nach der Saison, wo man sich mal nicht damit beschäftigt hat, das war auf Dauer ein bisschen zu wenig.

Da bleibt vermutlich auch das Privatleben auf der Strecke?

Ja, wobei das für mich auch immer ein privater Ausgleich war. Das Training habe ich gern gemacht. Natürlich bleiben irgendwo familiäre Verpflichtungen auf der Strecke, aber da hatte ich Glück. Meine Familie stand immer hinter mir, weil sie gesehen haben, dass es viel Zeit abverlangt, dass aber trotzdem etwas rauskommt und dass es mir dabei gut geht.

Wie ist Ihre Entscheidung im Verein aufgenommen worden?

Ich habe persönlich keine Ahnung, wie es im Hauptverein aufgenommen wurde beziehungsweise wie es dort kommuniziert wurde. Ich hatte lediglich mit Robert Autsch, dem Abteilungsleiter Kontakt. Für ihn kam die Entscheidung nicht plötzlich, denn er ist mein engster Freund und eine der wichtigsten Bezugspersonen für mich.

Wir redeten ab und an über die Zeit nach "unserem Rücktritt" - für ihn als Formationstänzer, für mich als Formationstrainer. Ich danke ihm auch für die 15 Jahre, da er der einzige ist, der mich den kompletten Zeitraum als Tänzer begleitete. Das ist überaus selten im Formationssport und für uns entwickelte sich daraus eine tiefe Verbundenheit. Nach meinem Rücktritt steht nun die nächste Generation auf der Fläche und das muss nun in der Abteilung organisiert werden.

Haben Sie den TVK komplett verlassen oder nur die Cheftrainer-Position aufgegeben?

Wir sind ja nicht im Streit auseinandergegangen, ganz im Gegenteil. Ich unterstütze auch den neuen Trainer des A-Teams, Michael Siebers. Ich versuche, ihm Ratschläge und Erfahrung weiterzugeben, wenn er sich darauf einlässt. Im aktiven Training habe ich mich stark rausgenommen. Ich hatte mittwochs immer eine Gruppe mit Einzelpaaren, die ich aber seit Herbst stillgelegt habe, weil für mich auch eine berufliche Veränderung anstand. Da habe ich viel Verantwortung übernommen. Ich schließe aber nicht aus, dass ich die Einzelgruppe in diesem oder im kommenden Jahr wieder aufleben lasse.

Der Start in die neue Saison ist nicht ganz optimal bei den Formationstänzern gelaufen.

Ja, aber das war zu erwarten. Vom letztjährigen A-Team sind, glaube ich, noch drei Tänzer drin. Das Team startet jetzt in der Regionalliga. Es wäre angenehmer gewesen, wenn sie in der Landesliga hätten starten können. Ich bin sicher, da wären sie erfolgreich gewesen.

Wie geht es mit der Anwerbung neuer Tänzer voran?

Da bin ich nicht mehr involviert. Ich bin noch bei der Organisation des Heimturniers am 14. März dabei und ich weiß, es stehen wieder neue Trainings an, auch Schnuppertrainings. Es wäre schade, wenn es nicht mehr weiterginge. Die Vorteile in Coburg und beim Verein sind, dass man nicht in einem so festen Korsett steckt. Man hat Freiheiten und man kann sich das auch selbst aufbauen. Das ist ein großer Vorteil. Wir haben auch ein sehr gutes Management im Hintergrund. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Das Interview führte unser Redaktionsmitglied Ulrike Nauer