Bernhard Panzer Es ist eine teure Angelegenheit: Seit gesetzlich geregelt ist, dass Klärschlamm nicht mehr auf die Felder ausgebracht werden darf, sondern thermisch verwertet, also verbrannt werden muss, explodieren die Preise für die Entsorgung. Für die nächsten beiden Jahre wird für die Stadt Herzogenaurach mehr als eine halbe Million Euro fällig. Der Stadtrat vergab in seiner letzten Sitzung den Auftrag in Höhe von 553 000 Euro an die Firma Reko aus Sachsenheim.

Fest steht für die Stadtverwaltung jedoch, dass es so nicht weitergehen kann. "Die Klärschlammentsorgung sollte mittelfristig, in zwei bis drei Jahren, von der derzeitigen Methode wegkommen", stellte Bürgermeister German Hacker fest. Deshalb hat man sich auch bereits mit einem Ingenieurbüro in Verbindung gesetzt, das Alternativen aufzeigen soll, wie man die hohen Kosten verringern kann. Noch in der Oktobersitzung des Haupt- und Finanzausschusses soll den Stadträten Bericht erstattet werden.

Der Tiefbauchef im Rathaus, Christian Bendler, sieht diese Möglichkeiten, die Entsorgung wirtschaftlicher zu machen, unter anderem darin, dem Klärschlamm die Nässe zu entziehen. Das sagte auch Bürgermeister Hacker, der darauf verwies, dass das Material mit einem Wassergehalt von bis zu 70 Prozent "heute noch sehr feucht ist" und damit auch viel wiegt. Auch für JU-Stadtrat Konrad Körner war es in der Sitzung wichtig, erst einmal das Gewicht zu reduzieren, bevor noch weitere Aufgaben ins Haus stehen.

Damoklesschwert Phosphat

Denn wie ein Damoklesschwert schwebt eine neue Verordnung im Raum. Ab 2030 soll nämlich eine Phosphatrückgewinnung aus dem Klärschlamm verbindlich werden. Das allerdings ist eine Herausforderung, deren technische Machbarkeit noch in den Sternen steht, wie Bendler in der Sitzung ausführte. Im FT-Gespräch verdeutlicht er das anhand eines anderen Bildes. Es ist, als würde man jetzt sämtliche Verbrennungsmotoren verbieten, und dieses Verbot soll schon in den nächsten Jahren eintreten. Mit der Phosphat-Verordnung sei es ähnlich. Noch gebe es hier absolut nichts Greifbares, sondern lediglich Überlegungen. "Wir warten auf ein System", sagte Bendler. Und: "2030 ist nicht haltbar". Gerade eine kleine Stadt wie Herzogenaurach wäre nicht in der Lage, das zu gewährleisten.

In der Sitzung mahnte Curd Blank (SPD), hier aber nicht zu spät aufzuspringen und sich gegen ein Pilotprojekt gemeinsam mit anderen Kommunen nicht zu wehren. Und auch Manfred Welker (FW) meinte, dass man an dem Thema dranbleiben sollte.

1800 Tonnen jährlich

Dennoch sei eine Umsetzung nicht absehbar, erklärte Bendler. Und man müsse außerdem an die Kosten denken, denn diese belasten ja den Gebührenzahler. Was aktuell möglich sei, ist eine Antwort auf die Frage: "Wie können wir den Klärschlamm reduzieren?" Damit die Entsorgung, deren Marktpreise sich in den letzten Jahren um 50 Prozent erhöht haben, für die Stadt billiger wird.

In der Kläranlage fallen jährlich etwa 1800 Tonnen entwässerter Klärschlamm an. Dieser wird bereits seit Jahren der thermischen Verwertung zugeführt, informiert die Stadtverwaltung. Seit Inkrafttreten der neuen Düngemittelverordnung habe sich die Lage am Markt aber drastisch verschärft. Die Kosten seien explodiert, weil faktisch fast kein Klärschlamm mehr in der Landwirtschaft ausgebracht werden darf.

Und weil die Tendenz anhält, dass die Marktpreise weiter steigen, hat sich die Stadt nun für diese Studie entschlossen. Eine kostengünstigere Methode könnte, wie Bürgermeister Hacker ausführte, auch vor Ort den Einsatz neuer Techniken am Ende der Entsorgungskette des Klärschlamms bedeuten.