klaus Schmitt Wenn man Marty McFly als Klassenkameraden hätte, dann wäre der Wunsch ganz leicht zu erfüllen: Man würde zu dem Jungen gehen und ihn bitten, den DeLorean aus der Garage zu holen, um mit ihm eine Zeitreise zu starten. Der mit einem Fluxkompensator ausgerüstete Sportwagen macht es möglich, in die Zukunft zu reisen... Schöne Fantasiewelt, ausgebreitet in dem Film "Zurück in die Zukunft". Der Streifen, der ab 1985 in drei Teilen lief und das Publikum begeisterte, katapultiert die Zuschauer dank einer Zeitmaschine, die ein Auto ist, in die Zukunft. In jeder Hinsicht spannend.

Wenn man die Buben und Mädchen aus der bisherigen Klasse 4b der Grundschule in Zeil fragen würde, in welches Jahr sie einen Blick werfen wollten, dann wäre die Antwort eindeutig: ins Jahr 2040. Was wird in 20 Jahren sein? Diese Frage haben sich die Kinder mit ihrem Lehrer Tim Tropp in den vergangenen Wochen wohl häufiger gestellt, und sie hatten allen Grund dazu.

Zwei Hülsen

Am letzten Schultag haben sie auf dem Schulgelände in Zeil nahe der Stadtmauer eine Zeitkapsel vergraben - eigentlich sind es sogar zwei Metallhülsen -, die in genau 20 Jahren wieder ausgegraben und geöffnet werden sollen. In einem Loch mit den Ausmaßen 50 mal 50 mal 50 Zentimeter sollen die Kapseln die Jahre bis 2040 überdauern. Dann könnte es sein, dass Kinder der Kinder, die die beiden Behälter jetzt eingegraben haben, bei der Bergung dabei sein werden.

Ein besonderes Schuljahr

Wozu diese Aktion? Lehrer Tim Tropp wollte, dass das Schuljahr, das wegen der Coronakrise anders verlief als andere Schuljahre, nicht einfach so enden lassen. Er wollte mit seiner "tollen Klasse, die mir an Herz gewachsen ist", eine besondere Aktion lebendig werden lassen, die über das Corona-Schuljahr hinaus wirkt. Ihm kam die Idee mit der Zeitkapsel, die er in den vergangenen vier Wochen mit seiner 4b und schließlich mit allen Buben und Mädchen in den zwölf Klassen der Grundschule Zeil/Sand in Zeil umsetzte. "Die ganze Schule war dabei", freute sich der Lehrer.

Die Resonanz war so groß, dass eine Zeitkapsel nicht reichte, um alle Botschaften für das Jahr 2040 unterzubringen. Zwei Hülsen mussten her, und die waren wegen des üppigen Inhalts nicht leicht zu verschließen. Aber es klappte.

Aufsätze und Bilder

Die Grundschüler haben Aufsätze über ihre Situation im Jahr 2020 geschrieben. Sie wollen damit den Kindern 2040 ein Bild von der Lage im Jahr 2020 ermöglichen - von Schüler zu Schüler. In die Kapseln kamen außerdem Bilder, Zeitungsberichte und viele bunte Mund-Nase-Schutzmasken.

Für die Kinder seiner Klasse 4b hatte Tim Tropp zum Schuljahresende nur Lob parat. Trotz der außergewöhnlichen Situation und der Tatsache, dass die Klasse geteilt werden musste, "habt ihr super mitgemacht. Das Schuljahr hat jeder super hinbekommen", beschrieb er. Und weiter: "Ihr habt euch an die Regeln gehalten. Es war kaum jemand krank, weil jeder in die Schule wollte. Wir haben so viel erlebt", fasste der Pädagoge zusammen.

Trotz der Corona-Einschränkungen möchte Tim Tropp den Kindern in 20 Jahren, die die Zeitkapsel öffnen werden, als Botschaft mitgeben: Nicht alles war negativ in diesem Corona-Schuljahr 2020. Im Gegenteil: Der Lehrer und die Kinder haben die Erfahrung gemacht, dass "normale Sachen wieder wertgeschätzt werden". Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft für die Kinder 2040.

Ist überhaupt gewährleistet, dass in 20 Jahren noch jemand die beiden vergrabenen Hülsen auf dem Schirm hat und sie aus dem Boden holt? Tim Tropp denkt kurz nach und rechnet: Jetzt ist er 35 Jahre alt und in 20 Jahren wird er dann 55 sein. "Ich hoffe, ich werde noch da sein."