Ob sie einem genervt haben oder nicht: Seit über einem Jahr bestimmen die Zahlen des Berliner Robert- Koch-Instituts unseren Alltag. Die täglich registrierten Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz, der R-Wert, die Ausbreitung neuer Corona-Mutanten, die Vorschläge zur Eindämmung der Pandemie, zum Lockdown und zur Öffnung - das RKI hat das öffentliche Leben reguliert und wird es auch künftig tun.

Das Zinfigurenmuseum ist mit Recht ein bisschen stolz, den Namensgeber in ihrem Bestand zu haben: Robert Koch (1843 - 1910). Zwei berühmte Kollegen hat er an seiner Seite: den Chirurgen Ferdinand Sauerbruch und den russischen Physiologen Iwan Pawlow.

Die winzige, nicht mal drei Zentimeter große Flachfigur aus der Werkstatt von R. Grünewald zeigt Robert Koch nicht mit Arztkittel, sondern als Generalmajors à la suite. In seiner blauen preußischer Militäruniform macht er was her: an der Seite der Ehrensäbel, mehrere Orden zieren den Waffenrock, das Prachtstück aber ist sein Hahnenfederbusch, wie er zur Parade getragen wird.

Koch im Zenit seines Lebens - ein Mann, der vom Landarzt in der Mark Brandenburg zum Nobelpreisträger aufgestiegen ist. Ein Revolutionär der Medizin, der mit der Entdeckung der Erreger von Tuberkulose, Cholera und Milzbrand der modernen Bakteriologie zum Durchbruch verholfen hat und zahllose Menschenleben gerettet hat.

Licht und ein langer Schatten

Den Spitzenforscher in Paradeuniform zu zeigen, ist nicht abwegig. Früh bindet er sich ins preußische Militär ein: Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 meldet er sich freiwillig, kümmert sich als Militärarzt um Typhus- und Ruhrkranke und versucht, den verbreiteten Milzbrand-Erreger zu bekämpfen.

In der Zeit danach arbeitet er als Amtsarzt in Posen, wird jedoch an das Kaiserliche Gesundheitsamt nach Berlin geholt, dort zum Professor an der Universität berufen sowie zum ersten Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten - dem heutigen RKI - ernannt, in dem auch seine Urne in einem Mausoleum beigesetzt worden ist.

Kochs große Leidenschaft aber ist die praktische Erregerjagd: Er bricht nach Ägypten und Indien auf, um der Choleraepidemie auf die Spur zu kommen. Als das Deutsche Reich in den 1880er Jahren nach Kolonien in Afrika greift, sieht er die Chance, die grassierenden Seuchen zu erforschen und Therapien auszuprobieren.

Heute sehr kritisch gesehen wird dabei Kochs Wirken in Deutsch-Ostafrika 1906 und 1907. Selbst das RKI spricht auf seiner Homepage von einem "dunklen Kapitel" seines Namensgebers: Um die Schlafkrankheit mit Hunderttausenden Todesopfern rund um den Viktoriasee zu bekämpfen, experimentiert er mit verschiedenen Substanzen. Darunter ist das arsenhaltige Mittel Atoxyl. Dass das Präparat in hohen Dosen stark giftig war, wusste er. Koch verabreichte es trotzdem den Eingeborenen und nahm Nebenwirkungen in Kauf - starke Schmerzen, Koliken, auch Erblindung. Die Schattenseite eines großen Mediziners.

Pioniere der Medizin

Die Miniatur stammt aus der Serie "Heilberufe in Uniform" mit insgesamt 38 berühmten Ärzten, darunter auch der legendäre Chirurg Ferdinand Sauerbruch (1875 - 1951). Mit seinen Arm- und Beinprothesen, die vielen Kriegsversehrten des Ersten Weltkrieges ein nahezu normales Leben ermöglichten, seinen Brustraum-Eingriffen in der Unterdruckkammer und spektakulären OPs an der Berliner Charité erlangte er Weltruhm.

International bekannt ist auch der in St. Petersburg wirkende Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow. Ein Jahr vor Robert Koch, 1904, ist er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Zahlreiche Infektionen des Verdauungssystems hat er wirksam therapieren können - doch bis heute in Erinnerung geblieben sind nur seine Experimente mit Vierbeinern. Die "Pawlowschen Hunde" sind jedermann ein Begriff.