Simone Bastian und FAjsz Deáky Die Idee kam aus der Ehrenamtsbörse heraus, erstmals umgesetzt wurde sie Weihnachten 2006: Ein "besonderer Heiligabend für Alleinstehende" wurde von 19 bis 23 Uhr im Haus Contakt angeboten. Was mit 18 Gästen begann, fand immer mehr Zulauf - voriges Jahr an Weihnachten waren es 80, erinnert sich Hildegard Mogalle. Sie war die unermüdliche Treiberin hinter der Feier "für Menschen, die Weihnachten nicht alleine feiern wollen". Natürlich war dabei an Alleinstehende gedacht, aber von Anfang an kamen auch Paare. Lucie und Manfred Müller zum Beispiel.

Doch dieses Jahr wird es nichts mit der Feier. Ein Grund: Corona. Der zweite: Hildegard Mogalle macht's nicht mehr. Während der erste Grund nicht vorhersehbar war, hatte sie den zweiten schon im vorigen Jahr angekündigt. Sie hatte sogar schon nach Nachfolgern gesucht, die die Organisation der Feier übernehmen wollten.

Zu wenig Platz für 80

Doch organisieren lässt sich da heuer nicht viel, wie Mogalle weiß: "Im Haus Contakt können nur 20 Leute sitzend essen", sagt sie. "Ganz im Ernst - ich weiß nicht, wie man das handhaben soll." Denn wenn die Abstandsregeln und die Begrenzung auf Personen aus maximal zwei Hausständen am Tisch weiter gelten, kommt eben keine gesellige große Runde zusammen.

Das bedauert nicht nur Hildegard Mogalle: "Es ist wirklich, wirklich schade und traurig", sagt Lucie Müller. Gemeinsam mit ihrem Mann Manfred hat sie sich jahrelang bei "Weihnachten nicht alleine feiern" ehrenamtlich eingebracht und jedes Mal gesehen, was die Veranstaltung für die Menschen dort bedeutete. "Dort saß der Studierte neben dem Arbeitslosen, der frisch Geschiedene neben dem Hartz IV-Empfänger - und jeder ist mit dem anderen respektvoll umgegangen! Es war immer wirklich eine Einheit im Sinne Christi - es war wirklich Weihnachten!"

So mancher habe sich am Anfang des Abends umgesehen als denke er: Bin ich hier vielleicht fehl am Platze? Müller: "Aber hinausgegangen sind die Menschen dann alle mit leuchtenden Augen." Menschen, denen man auch angesehen habe, dass sie sonst alleine sind. "Wenn es da kleine Präsente gegeben hat, hat man bei einigen wirklich gemerkt: Das ist das erste Geschenk, dass sie seit Jahren bekommen haben. Die haben dann das Päckchen richtig liebevoll an sich gedrückt." Es werde viele traurige Gesichter geben, weil es diesen Abend in diesem Jahr nicht so geben kann wie in der Vergangenheit, sagt Lucie Müller.

Geben und bekommen

Auch Ina Sinterhauf bedauert, dass die Weihnachtsfeier ausfallen muss. Sie war 2016 dazu gestoßen, als sie - wegen privater Umstände - überlegen musste, wie sie Weihnachten verbringen wollte. Hilde Mogalles Tochter Mira, wie die übrige Familie mit eingespannt bei der Weihnachtsfeier, studierte damals an der Hochschule, wo Sinterhauf arbeitet, und erzählte von dem Angebot im Contakt. "Mir war klar: Wenn, engagiere ich mich", sagt Ina Sinterhauf und meldete sich als Helferin an. Und blieb dabei, obwohl sie im Jahr darauf auch andere Möglichkeiten gehabt hätte, Weihnachten zu feiern. "Ich engagiere mich ohnehin gern ehrenamtlich. Da tue ich dann auch etwas für mich. Und mir hat das damals, 2016, auch sehr geholfen, dort zu sein."

Ohne Helfer wie die Müllers oder Ina Sinterhauf wäre die Feier nicht möglich gewesen, betont Hildegard Mogalle. Schon ab August begann sie mit den Vorbereitungen. Unter anderem sammelte sie Spenden, damit jeder der Gäste auch ein kleines Geschenk erhalten konnte. Es gab Helfer, die Musik machten, andere gaben das Essen aus (geliefert von der Coburger Kloßküche), und hinterher wurde gespült. Und manchmal blieben die Helfer danach noch auf ein Glas Wein zusammen sitzen, erzählt Hildegard Mogalle. "Es war so eine Erfüllung: Jemandem etwas geben zu können, und die freuen sich, umarmen dich. Ein schöneres Weihnachten kann man nicht geben und auch nicht zurück bekommen."