Eichen zu säen anstatt sie zu pflanzen, kam ein wenig aus der Mode. Förster Justus Humpert probierte es in seinem Revier im vergangenen Jahr aus - und der Erfolg gibt ihm Recht. Zusammen mit Albert Schrenker, Leiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), schaute er sich jetzt auf der Fläche um, auf der die jungen Bäume in dichten Pflanzreihen aufgegangen sind.

Es ist einer von mehreren Schlägen, auf denen die Eiche als Hoffnungsträger in Zeiten des Klimawandels gesät wurde. Auf rund drei Hektar hat Justus Humpert säen lassen. Maschinell. "Das heute von Hand machen zu lassen, wäre möglich, aber nicht bezahlbar", sagt er. Die Voraussetzungen waren gut im Seßlacher Raum, wo Humperts Revier im Forstbetrieb der BaySF liegt. Es hat Sandboden. Den mag die Eiche, weil sie gut ihre Wurzeln in die Tiefe treiben kann. Hier liegt einer der Vorteile der Saat. "Wenn Eichen im Pflanzgarten gezogen wurden, müssen sie wieder aus dem Boden geholt und im Wald gepflanzt werden. Dazu wird die Wurzel abgeschnitten." Den Pflanzschock, den die jungen Bäume so erleiden, gibt es hier nicht. Sie wachsen so auf, wie in der Natur, wo Tausende Eicheln auf den Boden fallen und unter dem Schirm der alten Bäume einen regelrechten Teppich aus Naturverjüngung bilden können. Alte Eichen gibt es auf der Fläche bei Merlach nicht. Aber alte Kiefern, die stehen bleiben konnten, als der Borkenkäfer alle Fichten auf dem Areal vernichtet hat. Die Kiefern bieten zumindest ein Schirm und Schatten.

Trotz des Maschineneinsatzes (oder deswegen) ist die Saat etwas kostengünstiger als das Pflanzen. Es wurde aber auch gepflanzt auf der Fläche. Mit Hainbuchen und Linden sorgte Justus Humpert für die Vielfalt, auf die der Forstbetrieb setzt, um für kommende Klimaveränderungen gerüstet zu sein. Junge Fichten werden auch wieder kommen und junge Kiefern, die teils schon ein paar Zentimeter aus dem Boden sprießen. Birken werden kommen, die Eberesche, die Esche und Weiden. Es kann auch zu viel werden. "Wenn Brombeeren dazukommen und alles zu dicht wird für die Eichen, dann muss man eingreifen", sagt Justus Humpert. Aber vorerst wird nichts passieren auf der Fläche. Vorerst wird er ab und an schauen und sich über die gut aufgegangene Eichensaat freuen.

Bayernweite Strategie

Der Forstbetrieb Coburg, sagt Albert Schrenker, betreibt einen aktiven Waldumbau. Vielfalt mit vier oder besser mehr Baumarten in der Fläche soll für Klimastabilität sorgen. Dabei wird vor allem auf heimische Baumarten gesetzt, die sich bekanntermaßen als klimaresistent gezeigt haben. Wie in unserer Region eben die Eiche. Diese Strategie fahren die Betriebe der BaySF bayernweit - immer mit Blick auf die jeweiligen Standortbedingungen. "Versuche mit Atlas- oder Libanonzeder müssen erst noch zeigen, ob solche Baumarten für uns geeignet sind. Wir haben halt immer noch Spätfröste", sagt Albert Schrenker.

Der Forstbetrieb Coburg der BaySF bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten. "Wir haben vom Muschelkalk über Keuper bis zum Bundsandstein ganz unterschiedliche Standorte", sagt Albert Schrenker. Entsprechend viel lässt sich ausprobieren - wie eben die Eichensaat auf dem Sandboden bei Merlach. Und die hat hervorragend funktioniert. In ungefähr 50 Jahren wird dort übrigens ein Nachfolger von Justus Humpert schon die ersten schwachen Eichen nutzbringend entnehmen können. Forstwirtschaft ist nichts für Ungeduldige.