Eckehard Kiesewetter

Kreis Haßberge/Gemeinfeld —  "Alles Müller oder was?" - den Claim des Müller-Konzerns aus der Werbung kennt heute fast jeder. Tatsächlich gilt Müller als der häufigste Name im deutschsprachigen Raum. Nimmt man all die Mahlers oder Burgsmüllers, Neumüllers, Schönmüllers und wie die Namenszusammensetzungen alle heißen hinzu, dann tragen gewiss eine Million Deutsche die alte Berufsbezeichnung im Namen.
In fast jedem Dorf gab es im Mittelalter mindestens eine Mühle, mit Windkraft oder Zugtieren angetrieben, oder - wie zumeist hier bei uns im Landkreis Haßberge - mit Wasserkraft. Überall klapperten die Mühlen mit ihren Holzrädern am rauschenden Bach. Im Zuge der Industrialisierung im 19. und noch im 20. Jahrhundert aber ist ein großes Mühlensterben durch das Land gegangen. Die Romantik wich zeitgemäßer Turbinentechnik, in vielen alten Mühlen dreht sich nichts mehr um Mehl oder die Erzeugung von Energie, andere sind komplett von der Bildfläche verschwunden.


Ein ganzer Mühlentag

Viele aber sind noch da, haben sich nur verwandelt: in Privathäuser, Werkstätten, Restaurants, Ferienwohnungen ... Hier setzt eine Idee von Karin Meyer-Jungclaussen aus Rentweinsdorf an, ein Mühlenprojekt: ein Kultur- und Genusstag rund um die historischen Mühlen mit Musik, einem Vortrag (Kurt Markert referiert über die Geschichte der Mühlen in der Region), Ausstellungen, Vorführungen und buntem Beiprogramm samt passendem Kuchen- und Brotzeitangebot (Hofcafé Birkach), denn auch dies wäre ohne Mühle undenkbar.


Schuberts "Müllerin"

"Des Müllers Lust" heißt es am Samstag, 28. Juli, ab 13 Uhr an der Kuchenmühle bei Gemeinfeld. Stimmungsvolle Erzählungen ausgewählter Mühlenmärchen werden nicht fehlen; Meyer-Jungclaussens Musikgruppe "Intermusikalisch" spielt Mühlenlieder- und -tänze und streut dazu "freche Gschichtla" ein.
Festlicher Ausklang wird ein Konzert mit Eric Fergusson (Bariton) und Helmut Schmitt (Klavier) sein (19 Uhr). Was könnte zu solch einem Tag und in dieses Ambiente besser passen als Franz Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin", die Geschichte von der tragischen Liebe eines Müllerburschen?
Der Schauplatz "Kuchenmühle" (Bild oben) ist ein Beispiel für den Wandel. 1827 von Adam Joseph Kaim erbaut, war sie eine der ersten Mühlen mit Stromturbine in der Region, hat eine Zeit lang ganz Gemeinfeld mit Energie versorgt. Die Kinder des Dorfes nutzten den Mühlbach und den Teich im Sommer als Badeparadies. Heute erinnert nurmehr ein Holzverschlag an das Mühlrad von einst. Die jetzigen Besitzer, Heike Kuchar und Uwe Stühler aus Horhausen, pendeln seit vier Jahren hierher und investieren viel Freizeit in die Restaurierung des Anwesens. Immer wieder laden sie auch Musikfreunde zu Konzerten ein. Nun also ein Kultur- und Genusstag rund um die Kuchenmühle.
Wie es dazu kam, erzählt Karin Meyer-Jungclaussen. Die Musikpädagogin berichtet von einer "heimatkundlichen Gesprächsrunde", bei der ein Konvoi von Teilnehmern von Burg zu Burg gefahren sei. Bei dieser Gelegenheit kam ihr der Gedanke, dass die zahlreichen Mühlen doch mindestens genauso prägend für die Region in den Haßbergen sind. "Ein Blick auf eine Wanderkarte der Region Haßberge zeigt, dass hier nicht nur eine Gegend der Burgen und Schlösser ist, sondern fast mehr der Mühlen", sagt sie.
Ein Vortrag Kurt Markerts in Dörflis und Inge Grohmanns Roman "Mühlen sterben leise" ließen in ihr den Gedanken reifen, dass man diesen Stätten voller Romantik, die einst so wichtig für das täglich Brot der Menschen in der Region waren, die so sehr für Liebe und Leben, aber auch für Mystik und Märchenhaftes stehen, eine Veranstaltung widmen sollte. So reifte die Idee für den "Kultur- und Genusstag", der nach ihren Vorstellungen alljährlich an anderer Stelle stattfinden könnte.
Klar, dass sie bei ihren "intermusikalischen" Musikerkollegen sofort "des Müllers Lust" wecken konnte und dass die Gruppe sich dafür begeisterte, passende Musikstücke zu entdecken und einzustudieren. Denn Karl Friedrich Zöllners Lied, dem die Veranstaltung ihren Namen verdankt, ist nur eines von vielen. Den Text übrigens - wie könnte es passender sein - hat im 18. Jahrhundert ein Müller verfasst, Wilhelm Müller. Bevor ein Müllermeister eine Mühle übernehmen durfte, musste er, so der Hintergrund des Volkslieds, auf Wanderschaft gehen.
Der Bamberger Christian Erik Bergenkamp, der so hinreißend Geschichten erzählen kann, wird die märchenhafte Seite des Berufs aufzeigen; sagenumwogen und dennoch tatsächlich ist der Pfaffendorfer "Neumüller" Johann Gottfried Miener, dessen Ruhm als Hellseher, Heilpraktiker und Wunderheiler auch 70 Jahre nach seinem Tod unvergessen ist. Seiner Lebensgeschichte wird sich eine Schautafel widmen.


Die "Müller" von heute

Heute hat sich in der Pfaffendorfer Mühle, einer zweiten Mühle im Maroldsweisacher Gemeindeteil, die Goldschmiedin Cornelia Müller (sic!) angesiedelt, die bei einer Ausstellung zeigt, dass nicht nur im Märchen güldene Schätze in Mühlen entstehen können. Holzprodukte stellt Schreiner Andreas Remshardt aus Ebern aus. Während bei ihm in der Hetschingsmühle allenfalls Sägespäne rieseln, steht die Mühle Wunderlich (Fahresmühle) aus Sulzbach (Hofheim) mit ihrem Angebot dafür, dass es tatsächlich auch heute noch Mühlen gibt, in denen Roggen, Weizen und Dinkel verarbeitet werden.
Die Besucher dürfen sich auf einen spannenden und kurzweilige Tag voller kultureller Eindrücke und Genüsse freuen - wer den Müller im Namen trägt oder gar eine Mühle bewohnt/besitzt zudem auf eine kleine Überraschung.
Anmeldung für das Schubertkonzert am Abend wird unter der Rufnummer 0151/11217119 oder per E-Mail unter info@kuchenmuehle.de erbeten.