"Ein Demenzkranker vergisst zwar, was er gesagt hat, aber er vergisst nicht, wie er sich dabei gefühlt hat." Tiefe Einblicke in den richtigen Umgang mit Demenzkranken gab Rebecca Seemann von der Gerontopsychiatrischen Vernetzung Main-Rhön bei einem Vortrag im Bürgertreff "Sternstübla" in Trossenfurt.
Eine aufmerksame Zuhörerschaft erfuhr, dass zunächst das Kurzzeitgedächtnis bei Demenz verloren gehe. Viele Betroffene schrieben sich dann Zettel als Erinnerungsstütze. Der Umgang mit dieser Krankheit und die damit verbundene Veränderung des bisher bekannten Menschen seien für die Angehörigen eine Herausforderung, "aber wenn man versteht, warum bestimmte Dinge passieren, kann man es vielleicht etwas besser verstehen", erklärte Seemann.
Sie erläuterte, dass die Demenz in der Regel durch Ablagerungen in den Gefäßen hervorgerufen wird, die Folge ist das Absterben von Gehirnzellen. Eine sichere Diagnose sei erst nach dem Tod durch eine Gehirnuntersuchung möglich. Anzeichen seien, wenn sich jemand in gewohnter Umgebung verläuft. "Wir alle vergessen mal was, aber wenn jemand beginnt zu kochen und sich mittendrin entschließt, spazieren zu gehen, weil das Wetter schön ist", dann sei das ein Hinweis, sagte die Rednerin. Stimmungsschwankungen gehörten ebenso zu den Symptomen wie ein eingeschränktes Urteilsvermögen, etwa die passende Kleidung betreffend. Manche Demenzkranke sprächen sehr früh nicht mehr sinnvoll, manche seien sehr früh in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerate in Unordnung, der Geschmackssinn verschiebe sich in Richtung süß.
"Vieles bleibt aber auch", erklärte die Fachfrau: Wissen aus der Kindheit, Grundwissen aus der Schule "und alles, was mit Emotionen verbunden ist. Wenn Sie schlechte Laune haben, wird der Demenzkranke nicht mit Ihnen kooperieren", kündigte sie an. Trotz aller Einschränkungen könnten Demenzkranke dennoch bestimmte Dinge tun "und sie möchten auch gerne ein Stück Selbstständigkeit erhalten". Deshalb gelte es, genau abzuklären, was noch möglich ist: Wäsche zusammenlegen beispielsweise oder den Geschirrspüler ausräumen, spazieren gehen, tanzen, "Mensch ärgere Dich nicht" spielen, all das seien Beschäftigungen, die sehr zu empfehlen seien.


Ja oder nein

Auch die Kommunikation müsse umgestellt werden, weil das Filtern von Informationen nicht mehr wie gewohnt funktioniert. "Tischdecken ist zu allgemein, man muss schon sagen, dass die Teller und Gläser vom Schrank auf den Tisch gestellt werden müssen", schilderte Rebecca Seelmann. Fragen sollten mit ja oder nein zu beantworten sein. "Und vor allem: Nehmen Sie Demenzkranke ernst. Reden Sie nicht in Ihrer Gegenwart mit anderen über ihren Kopf hinweg", empfahl die Expertin.
Für den täglichen Umgang empfahl Rebecca Seemann: "Haben Sie keine Erwartungen, gehen Sie auf Gefühle und Stimmungen ein und hören Sie auf die eigenen Gefühle, tun Sie auch mal was für sich".


Unterstützung

Damit das auch gelingt, gibt es viele entlastende Dienste für Angehörige wie die Fachstellen für pflegende Angehörige oder den Pflegestützpunkt. Angehörigen-Gruppen und Schulungen werden im Landkreis Haßberge von der Caritas organisiert und verschiedene Träger bieten auch Urlaubsreisen an.
Ob es denn Möglichkeiten der Vorbeugung gäbe, wollten Zuhörer wissen. Nur im weitesten Sinne, erklärte Rebecca Seemann dazu. Hilfreich sei alles, was Gefäßverkalkungen vorbeugt, aber eben schon in jüngerem Alter. "Bewegung ist das A und O, weil sie den Neuaufbau von Gehirnzellen fördert, und gesunde Ernährung". Wenn Demenz frühzeitig erkannt wird, könnten Medikamente verzögernd wirken, "aber die meisten Diagnosen fallen spät". sw