Der weltweite Fleischkonsum hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt, sagt der Fleischatlas 2021 der Heinrich-Böll-Stiftung. Wie sieht es in der Region aus, wie viel Fleisch wird im Landkreis produziert? Wie viele Nutztiere gibt es hier?

Ein Trend ist auf jeden Fall deutlich: Bei den großen Nutztierrassen (Kühe, Rinder, Schweine) sind die Zahlen im Landkreis Kulmbach in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken, wie Hans Köhl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach ermittelt hat.

So ist bei der Zahl der Kühe ein Rückgang um circa zwölf Prozent zu verzeichnen - während die Zahl der Betriebe im gleichen Zeitraum um rund 40 Prozent gesunken ist. Das wiederum bedeutet im Umkehrschluss einen Trend zu größeren Betrieben. Ein ähnliches Bild bietet sich auch bei den Zuchtschweinen (-20 Prozent bei den Tieren/-60 Prozent bei den Betrieben) sowie bei den Mastschweinen (-15/-50 Prozent). Bei den weniger populären Nutztieren (Mutterschafe, Ziegen) gibt es keine großen Veränderungen. Hauptsächlich werden diese Tiere von Nebenerwerbslandwirten und kleineren Betrieben gehalten.

Tendenz zu Bio-Eiern

Eine deutliche Veränderung gab es nach den Zahlen des Landwirtschaftsamts dagegen bei den Legehennen und den Masthähnchen. Die Zahl der Legehennen hat sich im Landkreis von 2016 bis 2021 mehr als verdoppelt. Das liegt hauptsächlich daran, dass es eine deutliche Tendenz zum Verzehr von Bio-Eiern gibt. Hier sind einige größere Biobetriebe in die Produktion eingestiegen. Dass sich auch die Zahl der Masthähnchen gegenüber 2011 wesentlich erhöht hat, liegt vor allem auch am Einstieg eines größeren Biobetriebs.

Die gesamte Entwicklung spiegelt laut dem Amt für Landwirtschaft einen gesellschaftlichen Trend wider: den zu mehr Geflügelfleisch und weniger Rind- und Schweinefleisch.

Das ist etwas, was auch BBV-Geschäftsführer Harald Köppel festgestellt hat: die Tierhaltung werde allgemein weniger, außer beim Geflügel. "Eier verkaufen sich gut." Zudem sei Oberfranken mit Blick auf die Großviehhaltung ohnehin keine starke Region. Gemessen wird das in Großvieheinheiten pro 100 Hektar: Bei uns liege diese Zahl bei etwa 0,5, in anderen Gegenden bei 2 bis 3.

Spitzenposition von Deutschland

Dem Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung zufolge nimmt Deutschland in der EU die Spitzenposition bei der Erzeugung von Schweinefleisch und Milch ein und erreicht Marktanteile von 21 beziehungsweise 20 Prozent.

Bei Rindfleisch und Eiern liegt es mit 15 beziehungsweise 12 Prozent nach Frankreich auf Platz 2, bei Geflügelfleisch mit 12 Prozent nach Polen und Frankreich auf Platz 3.

Das sagen die Praktiker

Warum gibt es eigentlich immer weniger Tierhalter? Da muss der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Wilfried Löwinger, nicht lange überlegen: "Es wird versucht, die Tierhaltung in Deutschland mit allen Mitteln kaputt zu machen."

Was er damit meint? Dass beispielsweise der vorgeschriebene Platzbedarf für die Tiere verdoppelt wird. "Dann brauche man auch doppelt so große Ställe, was doppelt so hohe Investitionen nach sich ziehe. Aber die Einnahmen bleiben die gleichen." Er kritisiert außerdem, dass im EU-Raum unterschiedliche Voraussetzungen gelten. "Aber wenn es um die Preise an der Fleischtheke geht, dann interessiert es niemand mehr, woher das Fleisch kommt", so sein Resümee.

Der Motschenbacher Landwirt Norbert Erhardt kennt die Entwicklungen der letzten 40 Jahre aus eigener Erfahrung. 1981 hatte er als Junglandwirt mit 21 Kühen, 15 Stück Jungvieh und zehn Schweinen begonnen. Inzwischen stehen bei ihm 130 Milchkühe und 120 weibliche Jungtiere im Stall. 70 000 Kilo Milch produzierte er im Jahr 1981, heute ist es die gleiche Menge in nur 25 Tagen.

"Wir wären froh, wenn wir von 50 Kühen leben könnten. Da hätten wir weniger Arbeit. Aber ohne Wachstum geht es nicht", sagt er mit Blick auf die Entwicklungen des Marktes. "Und das geht so weiter, wenn sich am System nichts ändert." Dass er sich spezialisiert hat, wie damals in der Landwirtschaftsschule empfohlen, bereut er heute etwas. "Mehrere Standbeine wären besser."

Immenser Arbeitsanfall

Der immense Arbeitsanfall in der Tierhaltung ("365 Tage im Jahr muss morgens und abends gefüttert werden") sei zusammen mit den Verdienstaussichten nicht verlockend für den Nachwuchs, die Betriebe zu übernehmen, erklärt Erhardt weiter. Anders sehe es beim Ackerbau aus, der nicht so arbeitsintensiv sei.

"Aber in der Nutztierhaltung brauchst du zwei, drei Leute, die mit anpacken." Hinzu komme die Konkurrenz aus dem Ausland, wo die Halter weniger mit Auflagen (Platzbedarf, Einsatz von Antibiotika) zu kämpfen hätten, sagt er. "Hier wird von den Grünen viel an die Wand gefahren", sagt er mit Blick auf die Politik.