Wundern Sie sich nicht, wenn Sie demnächst Männern, Frauen und Kindern über den Weg laufen, die in der freien Natur bewaffnet mit einem Stock samt Haken daran in verstrüppten Gebüschen fuhrwerken. Es kann sein, dass diese Leute das neue Buch "Unsere essbaren Bäume und Sträucher" des Sulzthaler Autors Otmar Diez gelesen haben.

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Ein Jahr lang viel ausprobiert

Ein Jahr war er unterwegs, im Frühjahr, Sommer und Herbst draußen in Feld, Wald und Flur auf der Suche nach den Objekten der Begierde: Blätter, Blüten, Früchte, Knospen, Nadelspitzen und Samen. Sie standen aber nicht nur Modell für die Bilder im Buch, sie standen auch auf dem Speiseplan von Otmar Diez. "Wir haben viel ausprobiert", erklärt er zu den Rezepten im Buch, wir, das sind seine Frau Karin, seine Tochter und er. Ein Praktikant von ihm, so Diez, habe sich sofort in die Energiekugeln und Müsliriegel verliebt. "Holunder und Holzapfel" nennt er als Favoriten auf seiner Leckerbissenliste. "Vor allem die Gesundheit, die in den Beeren steckt, hat mich fasziniert", sagt Diez und spricht von Antioxidantien, Vitaminbomben und Mineralien, die in der wilden Natur zu finden sind. Während der Holunder hier beinahe an jeder Ecke zu finden ist, gestaltete sich die Suche nach dem echten Wild- oder Holzapfel, nach der Kirschpflaume und der Kratzbeere gar nicht so einfach. Die Esskastanie, die den Umschlag des Buches ziert, gibt es in Deutschland nur in sehr warmen Gebieten an Rhein, Mosel, sehr schöne Bäume stehen in der Pfalz. Wie ein Detektiv machte sich Diez ans Werk, fragte bei Fachmännern nach oder forschte in alten Büchern.

Beim echten Wildapfel wurde er erst in Bayreuth fündig, Sanddorn wächst an der See in Mecklenburg-Vorpommern oder im Schwarzwald. Aber, keine Angst, die meisten Bäume und Sträucher kommen hier in der Region vor. "Wenn man seinen Blick für Bäume und Sträucher geschärft hat", erklärt der Experte, "nimmt man sie auch viel schneller wahr." Bei der Suche nach Bucheckern, Brombeeren, Fliederbüschen, Kornel-Kirschen, Robinien, Zitter-Pappeln und weiteren mehr wurde Diez oft von seinem Hunde Kalle begleitet. Beim Fotografieren gab es für den vierbeinigen Freund dann aber Ausgangsverbot, denn da muss Herrchen sich konzentrieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Blüten, Bäume, Beeren, Sträucher in zahlreichen Variationen, jede Art wird genau nach ihren typischen Merkmalen, Vorkommen und Verwendungsmöglichkeit beschrieben, ein Rezept ist beigefügt und, als welches Heilmittel die Pflanze ihren Einsatz findet oder mit welchen giftigen Artgenossen sie verwechselt werden kann. Knospen und Rinden essbarer Bäume finden Interessierte ebenso wie einen Jahresüberblick zum erfolgreichen Sammeln. Als er alles mit der Kamera eingefangen hatte, die Rezepte ausprobiert und für gut befunden waren, ging es schon streng auf den Winter zu. Zeit zu schreiben. Das Ergebnis ist ein Naturführer, mit dem man 81 Arten bestimmen, sammeln und zubereiten kann.

Kosmos Verlag, Naturführer, "Unsere essbaren Bäume und Sträucher", Otmar Diez, ISBN 978-3-440-15916.3, 16,99 Euro.