Gerd Fleischmann Kumpels, Kohlen, Krisen: Diese drei Begriffe prägten an die 400 Jahre die Wirtschaftsgeschichte des Frankenwaldes. In guten Zeiten arbeiteten bis zu tausend Männer und Burschen in den zahlreichen Gruben zwischen Reitsch, Stockheim und dem thüringischen Neuhaus. Der Berg gab viel, doch er forderte seinen Preis, denn die Geschichte des Steinkohlenbergbaus ist eine Auflistung von dramatischen Unglücken, Enttäuschungen und Stilllegungen. An die einhundert Todesopfer forderte der gefährliche Einsatz unter Tage.

Mittlerweile sind fast alle Gebäude der ehemaligen Katharinazeche - die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1775 - geschleift worden. Lediglich die Lampenstube von 1920 sowie die Rentei von 1847 erinnern an bergbauliche Aktivitäten.

In den letzten Tagen haben nun die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Verwaltungsgebäude begonnen. Geplant ist eine Kultur- und Begegnungsstätte. Bürgermeister Rainer Detsch und der Gemeinderat haben dazu "grünes Licht" gegeben. Der Planer, Diplom-Ingenieur Jörg Detsch aus Kronach, rechnet mit Ausgaben in Höhe von etwa 2,7 Million Euro. Der staatliche Zuschuss beträgt 90 Prozent. Zuständig dafür sind die Regierung von Oberfranken sowie das Amt für ländliche Entwicklung im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern.

"Das ist eine einmalige Chance, die man nutzen muss", so das Stockheimer Gemeindeoberhaupt voller Tatendrang. Knappenverein, Bergmannskapelle, Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim/Neuhaus mit den Vorständen Heiko Eisenbeiß, Thomas Neubauer und Gerwin Eidloth sowie Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann begrüßen die kommunale Initiative. Die beiden Ausstellungen "Schwarzes Gold" 2004 und 2016 in der Neukenrother Zecherhalle mit rund 3000 Besuchern hätten gezeigt, so die Organisatoren, dass das Thema "Steinkohlenbergbau in der Bevölkerung noch tief verankert ist.

Letztendlich war der Abbau der 290 Millionen Jahre alten Steinkohle nicht nur für Stockheim, sondern auch für die ehemaligen Bezirksämter Kronach und Teuschnitz von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Immerhin rekrutierte sich die Belegschaft - um 1859 waren an die tausend Männer in Stockheim, Reitsch und Neuhaus beschäftigt - aus vierzig Gemeinden des Frankenwaldes. Schließlich habe man der Steinkohle - insbesondere in energiepolitisch turbulenten Zeiten - viel zu verdanken. Fakt ist: Die bergbaulichen Aktivitäten haben den Frankenwald neben der Flößerei ganz entscheidend geprägt. Im "Stockheimer Revier" wurde vor allem deutsche Sozialgeschichte geschrieben. Im Jahre 1876 und 1885 - also vor der Gründung der Bergarbeitergewerkschaft 1889 - traten 500 Bergleute in den Ausstand. Es ging um ihr nacktes Überleben, denn sie verdienten in einer Acht-Stundenschicht gerade mal 85 Pfennige! Im Ruhrgebiet bekam man für die gleiche Arbeit zwei Mark.

1930 bahnte sich ein weiteres Drama an, denn die Bergwerksanlagen sollten versteigert werden. Die leidgeprüften Knappen traten zur Selbsthilfe an und verkauften ihre letzte Ziege im Stall, um mit einer persönlichen Einlage von 100 Mark ihren Arbeitsplatz zu retten. Und das war in jener Zeit ein enormes Opfer.

Trotz aller Negativ-Schlagzeilen erwies sich die Förderung der "brennenden Steine" als außerordentlich bedeutsam für die heimische Region. Immerhin sind an die 120 Millionen Zentner des "schwarzen Goldes" in einer Tiefe von bis zu 320 Metern abgebaut worden. Vor allem in Krisenzeiten war man dankbar für dieses Energieangebot.

Dass Stockheim bereits 1863 einen Eisenbahnanschluss bekam, ist insbesondere der Steinkohle zu verdanken. Daraus ergab sich eine wirtschaftliche Kettenreaktion: Im Jahre 1877 gründeten Glasmeister aus dem Schwarzwald eine bedeutende Champagnerflaschenfabrik, die die weitere Entwicklung Stockheims entscheidend prägte.

Nachdem in den Jahren 1843 bis 1845 vorübergehend auch Carl Joseph Meyer, der Verfasser des gleichnamigen Konversationslexikons, das Schürfrecht für vier Gruben erworben hatte, wurde 1863 Joseph Freiherr von Swaine, ein aus England stammender Industrieller, alleiniger Eigentümer aller Zechen.

Von 1908 bis 1911 engagierte sich der Bayerische Staat. Der Einsatz in Stockheim entwickelte sich allerdings zum Desaster: Voreilig schloss man die Gruben und 556 Bergleute wurden arbeitslos. Ein Jahr später erfolgte ein Neustart durch heimische Firmen.

Zur endgültigen Schließung kam es dann am 31. März 1968. Die Tradition des ehrwürdigen bergmännischen Berufsstandes setzen heute Knappenverein, Bergmannskapelle und Förderverein "Bergbaugeschichte" fort.