Zehn Menschen in wetterfester Kleidung halten fast gleichzeitig den Atem an. Sie stehen mitten in der Teuschnitzaue und blicken in gespannter Erwartung und im strömendem Regen scheinbar ziellos in die übersichtliche Landschaft.

Ferngläser werden an die Augen gehoben und dann zieht ein Strahlen über einige Gesichter. Der Grund dafür mag manchen vielleicht wenig spektakulär erscheinen, aber das Braunkehlchen, das gesichtet worden war, ist eines von relativ wenig Exemplaren, die sich in der Teuschnitzaue ihren Brutplatz gesucht haben. Ein großer Erfolg ist das auch deshalb, weil diese Tiere einen unrühmlichen Platz auf der roten Liste der bedrohten Arten einnehmen.

Alleinstellungsmerkmal

Für ein bisschen Statistik sorgte unter anderem André Maslo, der Leiter der Ökologischen Bildungsstätte in Mitwitz. "2016 waren es acht Brutpaare, 2019 schon zehn und in diesem Jahr sind es bis jetzt schon 14 geworden. Das ist ein sensationeller Erfolg, der gegen jeden Trend ankommt und ein Alleinstellungsmerkmal der Kronacher Gebiete ist."

Doch beginnt man von vorne, dann muss man mit dem Zusammenspiel anfangen zwischen Naturparkrangern, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der unteren Naturschutzbehörde. Sie nämlich arbeiten zusammen am "Braunkehlchenprojekt", und im Mittelpunkt steht natürlich auch der gerade mal dreizehn Zentimeter große Vogel, der auf den lateinischen Namen Saxicola rubetra hört und der es sich im Winter im subtropischen Afrika gemütlich macht. Im Frühjahr allerdings zieht es ihn nach Europa zurück. Was der Bodenbrüter hier besonders liebt, sind Wiesen und Gräben und kleine Brachflächen. Das Braunkehlchen behält aber auch gerne den Überblick, deswegen braucht es einzelne Bäume oder Pfähle. Bedroht ist es deshalb, weil ihm einmal sein Winterquartier keine guten Voraussetzungen mehr bietet, und zum anderen machen ihm hier die intensiven Grünlanddüngungen und die häufigen Grasschnitte zu schaffen. Auch Entwässerung, Aufforstung und Verbuschung tragen zur Dezimierung bei. Und wäre das alles nicht schon genug, kommen auch noch natürliche Verlustursachen durch Überschwemmungen und Fressfeinden dazu. Ganz zu schweigen von den Störungen durch freilaufende Hunde oder gar der Bejagung während des Zuges.

Aber weil da, wo Schatten ist, ja auch Licht sein muss, ist man schon dabei, massiv gegenzusteuern. Das Braunkehlchenprojekt, das mittlerweile in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Hof ins Leben gerufen wurde, verspricht zumindest schon einmal eine intensive Zusammenarbeit mit Landwirten, Behörden, ehrenamtlichen Naturschützern und vielen weiteren Akteuren. Den Lebensraum will man "vorbildlich optimieren," so nennt André Maslo das Vorhaben, das den Bestand, entgegen dem europaweiten Trend, wieder zum Wachsen bringen will. Sehr gute Voraussetzungen dafür bringe eben die Teuschnitzaue mit, und hier spricht Projektleiterin Janina Klug vom "besten Brutgebiet" im Landkreis.

Wie das mit der Vernetzung so läuft, erklärte der Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe Kronach, Ulrich Münch: "Je mehr Menschen wir ins Boot holen, desto höher wird der Erfolg letztlich sein." Er hatte eingeladen, um eine vorläufige Bilanz zu ziehen und um weitere Möglichkeiten zum Schutz dieses Vogels auszuloten. Schützen müssen habe man ihn früher nicht, erklärt LBV-Flächenbeauftragter Uwe Pausch.

Naturnahe Bewirtschaftung

"Das Braunkehlchen überlebt in naturnah bewirtschafteten Flächen. Viele unserer blühenden Wiesen sind das Ergebnis einer bäuerlichen Landwirtschaftsweise in vergangenen Zeiten. Sie prägen noch immer das Bild in unserer Heimat. Hier haben sich naturnahe Wiesen erhalten, die anderswo in Bayern längst verschwunden sind. Deshalb finden seltene Pflanzen und Tiere hier ein letztes Zuhause. In den meisten Fällen ist dies den Bemühungen der Eigentümer zu verdanken. Über Agrarumweltmaßnahmen wird nun die extensive Bewirtschaftung dieser unter den Aspekten des Naturschutzes wertvollen Flächen gefördert. Die naturnahen Wiesen werden so vor der intensiven agrarindustriellen Nutzung und vor Verbuschung bewahrt und der Artenreichtum erhalten."