von unserem Redaktionsmitglied 
Katja Müller

Kreis Haßberge — Ende Januar fing es an: Da flatterten in der Realschule Eltmann die Krankmeldungen ins Sekretariat. Momentaner Krankenstand: 50 Schüler und zehn Lehrer. Vor einer Woche waren noch 70 Schüler entschuldigt. "Das ist außergewöhnlich viel. So extrem hatten wir's noch nie", sagt Schulleiterin Manuela Küfner. Von 591 Schülern lag vor kurzem rund ein Achtel krank im Bett.

"Das fing ganz plötzlich an"

Auch der Leiter des Gesundheitsamtes Haßfurt, Jürgen Reimann, staunt über das Ausmaß der diesjährigen Grippewelle. "Das fing ganz plötzlich an, unglaublich", sagt er. Seit Januar sind 33 Krankmeldungen im Amt eingegangen. Das klingt nicht nach viel, bezeichnet tatsächlich aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn davon abgesehen, dass nicht jeder zum Arzt geht, entscheiden dann die Hausärzte darüber, ob sie einen Rachen- oder Nasenabstrich machen und ins Labor schicken, um den Influenza-Typus ermitteln zu lassen.
Wurde Influenza festgestellt, kommt die Meldekette, wie nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen vorgeschrieben, in Gang: Das Gesundheitsamt meldet seine Fälle an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, dieses gibt die bayerischen Werte weiter an das Robert-Koch-Institut. Und das erstellt Woche für Woche einen Influenza-Index, den man im Internet unter https://influenza.rki.de einsehen kann. Dort wird Bayern momentan eine "deutlich erhöhte Influenza-Aktivität" bescheinigt.
Die Grippe wird via Tröpfcheninfektion übertragen. "Als Familienangehöriger eines Kranken kann man sich nur schwer schützen", gibt Gesundheitsamtleiter Reimann zu. Umso wichtiger sei es, dass Erkrankte zum Arzt gingen und sich zuhause auskurierten, um nicht noch ihre Arbeitskollegen oder Mitschüler anzustecken.
Apropos Arzt: Die Gemeinschaftspraxis Schröpfer mit ihren Niederlassungen in Eltmann und Ebelsbach kann sich des Ansturms Grippekranker kaum erwehren. "Momentan behandeln wir etwa 40 grippale Infekte pro Tag", berichtet Dr. Engelbert Schröpfer junior. Das sei deutlich mehr als sonst. Influenza-Kranke hüten seiner Erfahrung nach knapp eine Woche das Bett, bevor sie wieder genesen. "Raucher oder chronisch Kranke brauchen ein bisschen länger", so Schröpfer. Er empfiehlt, viel zu trinken sowie die Einnahme von Schleimlösern, damit sich der Infekt nicht in den Bronchien oder Nebenhöhlen festsetzt.

Impfung bekämpft nicht alle Viren

Warum die Grippewelle den Landkreis so fest im Griff hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Jürgen Reimann vermutet zwei Gründe hinter dem sprunghaften Anstieg der Erkrankungen: zum einen das nasskalte Wetter der vergangenen Wochen, zum anderen die Tatsache, dass "der diesjährige Grippe-Impfstoff das Virenspektrum nicht hundertprozentig" abdecke.
Dennoch empfiehlt der Arzt, sich impfen zu lassen. "Die Impfung ist zu sechzig bis achtzig Prozent wirksam und ist sicher nicht sinnlos."