Als Einzelpilger oder in Kleingruppen machten sich am Wochenende immerhin 60 Wallfahrer aus Oerlenbach und Umgebung auf zur Gnadenmadonna Maria im grünen Tal nach Retzbach. Was Hitler nicht schaffte, schafft auch Corona nicht. Seit 1868 machen sich alljährlich zum Fest "Maria Schmerz", am dritten Septemberwochenende, "in aller Herrgotts frühe um zwei Uhr dreißig" - wie es in der Chronik heißt -, Wallfahrer aus Oerlenbach und Umgebung auf, um nach Retzbach zu pilgern. Ziel ist eine der ältesten Wallfahrtsziele der Diözese, die Kirche Maria im grünen Tal mit der Gnadenmadonna aus dem 14. Jahrhundert.

Die Tradition in Oerlenbach - deren Anlass nicht sicher belegt ist - wurde auch in Kriegszeiten nicht unterbrochen, und selbst als das Naziregime Wallfahrten unter Strafe stellte, fand man unauffällige Wege, das Verbot zu umgehen. "Da lassen wir uns doch von Corona nicht abhalten mit den Füßen zu beten", war innerhalb der Wallfahrtsgemeinschaft schnell Konsens, allerdings mit den gebotenen Einschränkungen, an die man sich streng hielt.

Mariensingen an der Kirche

Tatsächlich machten sich am Samstag und Sonntag 60 Gläubige zu unterschiedlichen Zeiten, einzeln oder in Kleingruppen, mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf den Weg.

Diese besondere Art der Wallfahrt hatte auch ihren ganz besonderen Reiz, berichtete Ottmar Lutz beim Mariensingen an der Oerlenbacher Kirche mit der die "Coronawallfahrt" abgeschlossen wurde. Lutz ist seit über 40 Jahren als Wallfahrer unterwegs, seit drei Jahren ist er Wallfahrtsführer und versteht die Kirche auch als Volk Gottes unterwegs. Er meint: "Wallfahren entschleunigt, da bist Du in einer anderen Welt."

Er berichtete, dass auf den knapp 100 Kilometern für Hin- und Rückweg viele Bürger der 26 Gemeinden, durch die der Weg führt, vor den Kirchen auf die Wallfahrer gewartet hätten. Dort haben einige Bläser der Blasmusik dann Marienlieder gespielt und in Maria Sondheim sogar eine Andacht mitgestaltet.

Als es dann dunkel wurde, erhellten viele Wallfahrtskerzen die Säulenarkaden am Kirchenvorplatz von St. Burkard, das Herz Mariens war mit Lichtern gestaltet und die Vortragefigur der Wallfahrt aufgestellt.

Weil die Stühle nicht ausreichten, um den nötigen Abstand zu wahren, hatten sich auch auf der Straße viele Gläubige eingefunden, um von der Blasmusik begleitet Marienlieder zu singen. Da klangen "Meerstern wir Dich grüßen", "Es blüht der Blumen eine" oder "Segne Du, Maria" innig in den Nachthimmel und grüßten die "Herzogin von Franken".