Bayernweit betrachtet wohnen Coburgs Studenten am günstigsten

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Mehr als die Hälfte des Einkommens von Studierenden geht für Miete drauf – im Schnitt: Während ein WG-Zimmer in München 800 Euro kostet, ist es in Coburg nicht einmal halb so teuer: Die Vestestadt ist einer neuen Studie zufolge mit durchschnittlich 370 Euro Miete die günstigste Hochschulstadt Bayerns.

In einer Mitteilung verweist die Hochschule Coburg auf die aktuelle Analyse des Moses Mendelssohn Instituts (MMI). Demnach sind die Wohnkosten für Studierende im Wintersemester bundesweit erstmals auf über 500 Euro gestiegen – wobei Studenten in Bayern durchschnittlich sogar 603 Euro zahlen müssen. Johanna Bodmann hat Glück: Ihr möbliertes WG-Zimmer in der Coburger Innenstadt kostet nur 320 Euro . „Warm“, sagt die 18-Jährige und lächelt zufrieden.

Der Grund, warum sich die Baden-Württembergerin für die Hochschule Coburg entschieden hat, war allerdings ein anderer. Der Bachelorstudiengang Integrative Gesundheitsförderung (IGF) gefällt ihr, Soziale Arbeit kam aber ebenfalls in ihre Endauswahl: Beides gibt es in Coburg – und die Möglichkeit eines Orientierungssemesters. Mit einem ganz individuellen Stundenplan können dabei Inhalte auch mehrerer Studiengänge kennengelernt und erste Prüfungen abgelegt werden. „Da ich dieses Jahr erst Abi gemacht habe, dachte ich: Ich nutze das Semester, um rauszufinden, was ich genau machen will“, erklärt Bodmann.

Sie zusammen wohnt mit zwei anderen Studenten in der Coburger Innenstadt . Auch an der Hochschule hat sie schon viele neue Leute kennengelernt – zum Beispiel Maximiliane Göller, die sich ebenfalls für ein Orientierungssemester mit IGF als sogenanntem Ankerstudiengang entschieden hat. „Der Studiengang hört sich sehr interessant an“, sagt Göller. „Er ist so breit aufgestellt. Wenn man später im Gesundheitsbereich studiert, kann man auch in der Wirtschaft oder im sozialen Bereich arbeiten.“ Die 19-Jährige hat die günstigste Wohnvariante: Sie lebt wenige Kilometer von Coburg entfernt bei ihren Eltern in Weitramsdorf.

Aus Kalkutta nach Oberfranken

Deutlich länger, nämlich 7000 Kilometer weit, war der Weg zum Studium in Coburg für Abhishek Garg. Der 30-Jährige aus Kalkutta hatte in Indien bereits ein Studium zum „Chartered Accountancy“ abgeschlossen und suchte eine Möglichkeit, um diese Qualifikation im Bereich Finanzen weiterzuentwickeln. Nun studiert er im internationalen Masterprogramm Financial Management in Coburg . Garg freute sich sehr, als er eine Zulassung für den englischsprachigen Masterstudiengang erhielt – und einen günstigen Platz im Studierendenwohnheim in Coburg .

Am Campus Friedrich Streib betreibt das Studierendenwerk Oberfranken fünf Wohnheime mit insgesamt 506 Apartments, außerdem gibt es ein Wohnheim auf dem Campus Design mit 106 Plätzen und eines mit zwölf Plätzen in der Altstadt . Garg gefällt das Leben im Wohnheim und das Umfeld auf dem Campus: „Ich habe viele neue Freunde gefunden, und es ist wirklich toll, in einer internationalen Kultur zu leben.“

Für einen Platz im Studierendenwohnheim in Coburg oder ein WG-Zimmer reicht die Wohnkostenpauschale des BAföG von 380 Euro . Die Analyse des (MMI) zeigt allerdings: In 70 von 88 Hochschul-Städten übersteigen bereits die Durchschnittspreise diesen Wert, in 44 Städten liegen schon die günstigeren Mieten darüber. Analysiert wurden Hochschulstandorte ab etwa 5000 Studierenden .

Dr. Stefan Brauckmann vom MMI erklärt: „Problematisch wird es, wenn der Geldbeutel der Eltern darüber entscheidet, ob ein Studium am gewünschten Ort möglich ist. Bildungschancen dürfen nicht vom Wohnungsmarkt abhängen.“ Im Koalitionsvertrag ist die Anhebung der Wohnkostenpauschale auf 440 Euro angekündigt.

Deutschlandweit zahlen Studierende aktuell für ein WG-Zimmer durchschnittlich 505 Euro . Mehr als die Hälfte der Studierenden wären auch mit der Anhebung oberhalb der Pauschale. red