Susanne Deuerling

Was bringt einen jungen Mann dazu, nach zwölf Jahren Schulzeit freiwillig in eine Schule zurückzukehren? Freiwillig deshalb, weil es im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) geschieht. Hier können sich Frauen und Männer jedes Alters außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl engagieren, in sozialen, ökologischen und kulturellen Bereichen, im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. Tobias Fleischmann hat sich dafür entschieden, die Herausforderung als sogenannter Bufdi an der Grundschule Rodachtal in Marktrodach anzunehmen.
"Ich wusste nach meinem Fachabitur nicht so recht, was ich machen wollte. Da habe ich die Stellenanzeige der GS Rodachtal gelesen und gedacht, so ein Bufdi-Jahr macht mir die berufliche Orientierung leichter. Deshalb habe ich mich beworben", erklärt Tobias Fleischmann. Aber für den 20-Jährigen aus Großvichtach war dies nicht der einzige Grund. Er arbeitet gern mit Kindernm, unterstützt die Schüler und Lehrer und vor allem, kann er der Schule, an der er als Grundschüler die Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen erworben hat, etwas zurückgeben. Der BFD ist für ihn ein Angebot, bei dem man etwas für die Allgemeinheit leistet, für sich selbst gibt das eine gewisse Befriedigung. "Ich bin gerne an der Schule und diese Erfahrung kann mir am Ende keiner nehmen", bekräftigt der junge Mann. Und akzeptiert wurde er auch sofort, sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern und Schülerinnen. Viele waren froh, dass einmal ein "junger Mann" an der Schule war, vor allem die Jungs begeisterte er sofort. Manchmal ist so ein Arbeitstag schon stressig, wenn die Lehrer alle gleichzeitig was brauchen, viele Hausaufgaben zu erledigen sind oder Veranstaltungen den Schulalltag durcheinanderbringen. Aber für Tobias ist das "gesunder Stress", den man auch mal als Motivation braucht. Reich an Geld wird er bei seiner Tätigkeit sicher nicht, wenn man für eine 39-Stunden-Woche nur ein Taschengeld bekommt, aber reich an Erfahrungen wird er nach diesem Jahr sicher sein und vielleicht hat er ja dann seine ganz persönliche berufliche Orientierung auch gefunden.
Begonnen hatte eigentlich alles mit einer Anregung der GS Rodachtal bei der Gemeinde Marktrodach, ob es möglich wäre, an der Schule einen Bundesfreiwilligendienstler, kurz Bufdi, zu beschäftigen. Dazu musste die Schule jedoch als Einsatzstelle im BFD anerkannt werden - durch das Bundesamt für Familie und Zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFZA). Der Rechtsträger ist in diesem Fall der Markt Marktrodach. Nach vielen bürokratischen Hürden, die jedoch von Barbara Skall im Rathaus mit Bravour gemeistert wurden, schrieb man die Stelle aus. "Wir hatten drei Bewerbungen und haben uns dann für Tobias entschieden. Es war eine gute Wahl", betont Schulleiterin Annegret Hümmrich. Der 20-Jährige hat sich sofort gut eingefügt und einen guten Draht zu den Kindern entwickelt. Er lernt und spielt mit ihnen, kann sie jedoch auch mal in ihre Schranken weisen, wenn es nötig ist. "Er ist eine wertvolle Unterstützung im Unterricht und in der Organisation", sagt Annegret Hümmrich.
Vom 1. November 2016 bis zum Schuljahresende am 31. Juli 2017 ist Tobias Fleischmann nun Teil der Schulfamilie in der GS Rodachtal. Im gesamten Landkreis Kronach gibt es nur drei Schulen, die einen Bufdi aufnehmen dürfen.
Die Einsatzgebiete für den Bufdi Tobias sind vielfältig. Er hilft im Unterricht den lernschwachen Kindern oder den Schülern mit besonderem Förderbedarf. Besonders setzt er sich für die Kinder von Asylsuchenden ein und betreut sie in enger Kooperation mit den Lehrkräften besonders beim Erwerb der deutschen Sprache und bei den Hausaufgaben.