Bier und Pralinen aus Oudenaarde, Gin, Chutney und andere Leckereien von der Isle of Wight gehören zweifellos zu den Rennern auf dem Coburger Weihnachtsmarkt. Seit vielen Jahren teilen sich Vertreter aus den beiden Partnerstädten eine Bude. Inzwischen ist das Angebot so begehrt, dass die Gäste aus Belgien und Großbritannien regelmäßig bangen müssen, ob die mitgebrachten Vorräte auch reichen werden. Umso trauriger ist man in den beiden Partnergemeinden, dass es dieses Jahr nichts mit dem vorweihnachtlichen Besuch in Coburg wird, denn im Corona-Jahr 2020 muss Coburg auf seinen Weihnachtsmarkt verzichten. Die Buden lagern in diesem Winter ungenutzt in einer Halle des Wertstoffhofes bei Glend.

"Es tut uns sehr leid, dass Euer Weihnachtsmarkt abgesagt werden musste", schreibt zum Beispiel Peter Jackson, der Partnerschaftsbeauftragte der Isle of Wight. Für ihn sei der Coburger Weihnachtsmarkt ein "wunderbar stimmungsvoller Bestandteil des Coburger Weihnachtsfestes" und eigentlich nicht wegzudenken.

Dem kann auch seine "Amtskollegin" Anja van Acker aus Oudenaarde nur beipflichten: "Normalerweise würden wir das erste Adventswochenende wieder unsere Bude am schönen Weihnachtsmarkt bewirtschaften", schreibt sie per E-Mail ans Tageblatt. Das Treffen auf dem Weihnachtsmarkt sei immer ein Höhepunkt für die Gäste aus Flandern. "In drei Tagen Weihnachtsmarkt treffen wir so viele Freunde, dann wissen wir wieder, was Partnerschaft bedeutet." Der Freundschaft zwischen den beiden Städten könne die Pandemie aber nichts anhaben, auch wenn der Coburg-Besuch wegen Corona heuer gestrichen ist. "Die Freundschaft bleibt bestehen!" Einen Wunsch hat Anja van Acker noch: "Lasst uns hoffen, dass wir uns 2021 wieder mal treffen können - in besseren Zeiten." Und so ganz ohne Coburg ging es für sie 2020 dann doch nicht, wie sie verrät: "Wir hatten schon befürchtet, dass die Zahlen im September wieder in die Höhe gehen werden, deswegen waren wir im Sommer ganz kurz für vier Tage in Coburg."

Erinnerungen an den Queen-Tree

Mit Interesse hat Peter Jackson gesehen, dass die Stadt trotz der Absage des Weihnachtsmarktes den großen Baum vor dem Stadthaus aufgestellt hat. "Der Weihnachtsbaum wird die Dinge auf jeden Fall ein wenig besser machen", glaubt Peter Jackson. Da fällt ihm auch noch ein anderer Baum ein: "Der, den Coburg 2016 nach Windsor schickte, war unglaublich! Vor allem mit den sehr beeindruckenden mundgeblasenen Glaskugeln." Peter Jackson war seinerzeit bei der Präsentation des Coburger Weihnachtsbaums für Queen Elizabeth II. und beim anschließenden Empfang dabei. "Ich habe das sehr genossen", erinnert er sich. Und dann sei da ja auch noch "der schöne Coburger Friedensbaum" gewesen, der im vergangenen Jahr das große Eingangsfoyer des Victoria&Albert-Museums in London schmücken durfte.

Vage Weihnachtspläne

Für das Weihnachtsfest 2020 haben sowohl Anja van Acker als auch Peter Jackson eher vage Pläne gemacht. Schließlich sei ungewiss, wie es in den nächsten Wochen bis zum Fest weitergehe. Regelungen könnten jederzeit verschärft und damit sämtliche Planungen fürs Fest über den Haufen geworfen werden.

Anja van Acker wird mit ihrer Familie zuhause feiern. "Mein Papa wohnt nebenan und ist schon von Anfang an in unserer ,Blase‘", sagt die Belgierin. Der Rest der Familie, der sonst immer mit dabei ist, könne bei den momentan geltenden Maßnahmen leider nicht kommen.

Wegen der dramatisch gestiegenen Infektionszahlen sollen die Belgier derzeit am besten nur zu einer Person Kontakt haben - Knuffelcontact heißt das auf Flämisch und das kommt von knuffelen (mit ü gesprochen), was kuscheln oder schmusen bedeutet - klingt putziger als es tatsächlich ist.

Sofern alle Sicherheitsmaßnahmen wie Abstand, Mundschutz und Handhygiene eingehalten werden, dürfen sich maximal vier Personen treffen, erklärt Anja van Acker. Vielleicht könnte man sich an den Festtagen, sofern das Wetter mitspielt, auch kurz zu Viert im Garten treffen. Sollten die Maßnahmen bis Weihnachten gelockert werden, könnte sie sich sogar eine kleine Feier vorstellen - "aber maximal mit sechs Personen".

Auch Peter Jackson ist zurückhaltend, was die Weihnachtsplanung betrifft. Abwarten ist seine Devise. "Im Moment sieht es so aus, als müssten wir uns per Zoom oder Skype treffen." Bis man wieder ans Reisen denken könne oder daran, sich mit Freunden zusammenzusetzen, müsste schon eine ganz deutliche Verbesserung eintreten, findet Peter Jackson. "Zumal wir im Laufe des Jahres doch viel mehr über die Auswirkungen und möglichen dauerhaften Folgen einer Covid19-Infektion gelernt haben."

Auf der Isle of Wight (rund 140 000 Einwohner) liegt der Inzidenzwert aktuell bei 62,41, in den letzten sieben Tagen wurden 88 Menschen positiv auf Corona getestet.

In Oudenaarde seien bisher sechs Corona Patienten auf der Intensivstation behandelt worden, sagt Anja van Acker. "Wir hatten Glück, dass unser OB und der Stadtrat schnell gute Maßnahmen ergriffen haben."