Bernhard Panzer Wenn man ein altes, denkmalgeschütztes Haus restauriert, dann ist das oft eine sehr knifflige Angelegenheit. Und wenn das Gebäude dann noch "etwas größer" ist als ein gewöhnliches Wohnhaus, dann greifen auch schon mal viele Dinge ineinander, deren Lösung sich dann alles andere als einfach entwickelt. Restaurator Adalbert Wiech kann auf seiner jetzigen Baustelle ein Lied davon singen. Er ist verantwortlich für die Instandsetzung der Decken im Schlossgebäude. Und diese Arbeit hat es in sich.

Seit Wochen und Monaten sind die Zimmerer an der Arbeit und legen immer wieder neue Beschädigungen im Gebälk frei. Diese wirken sich dann auf viele weiteren Arbeiten aus, wie die Erhaltung und Sicherung der Stuckdecke oder auch die Entlastung der tonnenschweren Kamine, die das Schloss durchziehen. Schüröfen mit Kaminabzug waren früher die gewöhnliche Art zu heizen.

Problemfall Kamin

Bei einem Rundgang durchs Gebäude hat Wiech, gemeinsam mit Bürgermeister German Hacker, vor allem auf einen Kamin im zweiten Obergeschoss des Südflügels aufmerksam gemacht. Ein Kamin, der von seinem Fuß bis nach oben auf dem Dach 25 Tonnen schwer ist und auf inzwischen stark beschädigten bis vermorschten Balken ruht. Er wurde bei Umbauten im 18. Jahrhundert auf die Holzbalkendecke über dem ersten Obergeschoss gemauert, ohne dass er entsprechend nach unten gegründet wurde, heißt es erklärend in einer Pressemitteilung der Stadt.

Da ruht also ein Monstergewicht auf einem Gebälk aus dem Jahre 1427 - eine Zeitbombe, die dringend entschärft werden muss. Die Decke, auf der der tonnenschwere, ins Gebäude eingemauerte Kaminturm sitzt, ächzt unter dem Gewicht und hat sich schon verformt. Der Kamin drückte solange auf die Decke, bis sich buchstäblich die Balken bogen.

Teamwork ist wichtig

Mehr denn je ist bei den Sanierungsarbeiten im Herzogenauracher Schloss Teamwork und Kooperation gefragt, berichtet das Bauamt der Stadt. Denn nur so können die ineinander greifenden unterschiedlichen Arbeiten bewältigt werden. Eine besondere Herausforderung für die Zimmerer ist das Gebälk, das bis in das Jahr 1428 zurückreicht. Denn viele dieser Holzbalken sind an ihren Köpfen, also dort, wo sie auf den Mauern aufliegen, durch Fäulnis oder Pilzbefall stark beschädigt.

Barocke Stuckdecke

Und weil auf diesen Balken auch die barocke Stuckdecke ruht, waren die Arbeiten besonders knifflig. Allein diese Vorgehensweise klingt schon höchst kompliziert. Die Pressemitteilung beschreibt das so: "Die Stuckdecken sind mit umlaufenden ausgerundeten Randbereichen, so genannten Hohlkehlen, versehen. Diese sind wiederum an den Holzbalkendecken verankert. Im Zuge der Holzreparatur werden Balkenteile entfernt, so dass die Hohlkehle der Decken zeitweise ohne Halt ist. Damit diese den Reparaturprozess überstehen kann, muss sie von den Restauratoren vorübergehend fixiert werden."

Eingesetzt wird dabei eine außergewöhnliche Methode. Eine, die die Verwendung von Autoschläuchen vorsieht. Der Beschreibung zufolge "werden aufblasbare Pneus, also Luftreifen beziehungsweise Schläuche, verwendet, die auf Stützen unter der Decke angebracht werden.

Druck durch Schläuche

Die Schläuche passen sich den Stuckprofilen an und üben auf die zu sichernden Flächen einen gleichmäßigen Druck aus. Die geschädigten Balkenköpfe können daraufhin von den Zimmerleuten so zurückgeschnitten werden, dass die darunter liegende Mauerschwelle erneuert werden kann. Anschließend werden die geschädigten Balkenköpfe durch neue ersetzt und ergänzt." Und weiter: "Die Restauratoren können die Hohlkehle an der erneuerten Holzkonstruktion wieder verankern. Die Maßnahmen zur Abstützung können abgebaut werden, der Deckenstuck ist gesichert.

40 Jahre Erfahrung

Während die Erhaltung der Stuckdecken quasi bereits erfolgt ist und die Schläuche abmontiert sind, sorgt der Kamin weiter für Kopfzerbrechen. Ein exakter Lösungsweg ist noch im Entstehen, sagt Bürgermeister Hacker. Selbst ein Rückbau scheint da nicht ausgeschlossen.

Restaurator Adalbert Wiech ist seit 40 Jahren im Geschäft. Er kennt schwierige Herausforderungen. "Manchmal ist es, wie wenn man Pudding an die Wand nageln muss", sagte er.