Günther Schlembach ist stinksauer. "Wo ist da der Sinn?", fragt der 1. Vorstand der Waldkörperschaft Kleinwenkheim. Biber haben sich entlang des kleinen Baches im Edelbachtal angesiedelt. Und sie haben Dämme gebaut. "Die Stadt hat sie schon entfernt", sagt er. Denn immer wieder hat die Wiese unter Wasser gestanden, und eigentlich ist das ein Wanderweg. Beeindruckt hat das die Biber nicht. Ganz schnell war ein neuer Damm entstanden. Aber das ist nicht das eigentliche Problem.

Unmittelbar neben dem Bach steigt das Gelände an. Um den Wald, der Büttert-Wald wie er genannt wird, steht es ganz und gar nicht gut. Überall liegen gefällte Bäume herum oder es schauen nur noch Baumstämme aus dem Boden. Der Biber hat ganze Arbeit geleistet. Günther Schlembach geht sogar davon aus, dass es mehrere sind. Was der Biber da umgelegt hat, hat schon rund 60 Jahre auf dem Buckel und hätte laut Günthter Schlembach gut und gerne weitere 80 Jahre stehen können: Es sind durchweg Edelhölzer: Kirschen und Hainbuchen.

In den 1960er Jahren hatten sich die Verantwortlichen der Waldkörperschaft dazu entschlossen, in diesem Gebiet die Edelhölzer anzupflanzen. "Es ist eine sehr schwierige Fläche", sagt der Vorsitzende. Einerseits steigt das Gelände stark an, andererseits ist es ein sehr steiniger Boden. Das sei der Grund, warum die Bäume recht langsam wachsen und immer auch einmal welche abgestorben sind. Dann wurde nachgepflanzt. Das Ärgerliche für Günther Schlembach: "Jetzt, wo die Bäume über den Berg sind, kommt der Biber und macht sie kaputt." Die Edelhölzer seien ganz offensichtlich seine Leibspeise. Denn direkt am Wasser wachsen weit weniger wertvolle Gehölzer. Aber die rühre der Nager nicht an.

Natürlich bekomme die Waldkörperschaft den finanziellen Schaden ersetzt, sagt der Vorsitzende. Aber das ist für ihn kein wirklicher Ersatz. Es gehe hier schließlich um Bäume, die vor 60 Jahren weitsichtig gepflanzt wurden sind und die in vielen Jahren hätten geerntet werden sollen. "Man muss überlegen, wie lange es braucht, bis ein Baum so groß wird." Das könne man nicht einfach finanziell ersetzen. Und außerdem sei es derzeit wegen der Trockenheit nicht möglich, neue Bäume zu pflanzen. Die würden gar nicht anwachsen.

"Sie haben damals viel Geld und Arbeit investiert", sagt Günther Schlembach zu der Entscheidung der Vorfahren. "Wenn der Biber jetzt jeden Tag einen Baum wegnimmt, dann tut mir das Herz weh." Er mache die guten Bäume kaputt. Die Waldkörperschaft wird sich erst einmal mit einem Zaun zwischen dem Wasserlauf und den Wald behelfen. Wegen des felsigen Untergrundes müssen Löcher für die Pfosten gebohrt werden. Ein riesiger Aufwand, sagt der Vorsitzende. Es sei unmöglich, den ganzen Wald einzuzäunen, deshalb befürchtet Günther Schlembach, das der Biber auf Umwegen zu den Edelhölzern findet. Für ihn gibt es nur eine Lösung des Problems: "Der Biber muss weg."

Die Problematik des angesiedelten Bibers im Bereich Kleinwenkheim sei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Bad Kissingen bekannt, heißt es von dort. Biber seien aufgrund ihrer Listung in der FFH-Richtlinie und nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt. "Deshalb finden die gesetzlich geregelten Zugriffsverbote entsprechende Anwendung." Demnach sei nicht nur die Tötung von Bibern verboten, sondern auch die Entnahme, Beseitigung oder Zerstörung deren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten. "Hiervon bestehende Ausnahmemöglichkeiten, die der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Bad Kissingen als Kreisverwaltungsbehörde zur Verfügung stehen, sind in der Artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnung (AAV) geregelt", heißt es aus dem Landratsamt.

Ausschließlich zur Abwendung erheblicher finanzieller Schäden, im Interesse der Gesundheit des Menschen sowie aus Gründen der öffentlichen Sicherheit sind entsprechende Ausnahmen für den Biber zeitlich sowie maßnahmenbezogen begrenzt möglich. Das Landratsamt Bad Kissingen in seiner Funktion als Untere Naturschutzbehörde habe somit eine Vielzahl vorgegebener rechtlicher Normen, die bei Angelegenheiten des Bibers zwingend anzuwenden sind, zu beachten.

Nachdem Biber wie keine andere heimische Tierart ihren Lebensraum gestalten und die Bautätigkeit der Tiere allerdings gerade in Bereichen mit erheblicher Schadensneigung zu nicht unerheblichen Konflikten führe, hat der Freistaat Bayern vor mehr als zehn Jahren das bayerische Bibermanagement eingeführt. Das auf vier Säulen ruhende Managementkonzept habe das Ziel, schadensbedingte Konflikte möglichst zu verhindern bzw. zu minimieren und gleichzeitig den günstigen Erhaltungszustand des Bibers zu erhalten. Neben den drei Säulen der Beratung, Prävention und der Zugriffsmaßnahmen trete als viertes der finanzielle Ausgleich anerkannter Biberschäden hinzu. Das Bibermanagement wird durch die Unteren Naturschutzbehörden entsprechend umgesetzt.

Die finanzielle Entschädigung erfolgt nach Maßgabe eines entsprechenden Leitfadens der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Demgemäß werden die Schäden einmal pro Jahr festgestellt und vermessen sowie daraus entsprechend die Aufwandsentschädigung festgelegt.