Schwerpunkt der Stadtratssitzung in Baiersdorf war ein Antrag der Grünen-Fraktion, ein Konzept einer Zweihäusigkeit der Grundschule zu prüfen. In der ausführlichen Begründung waren Aspekte wie Flächenverbrauch, Verkehrsbelastung versus kürzere Schulwege, geringere Baukosten und intensivere Bindung an die kleineren Schulgemeinschaften aufgeführt.

Baiersdorf ringt seit etwa zwei Jahren darum, wie die fehlenden Kapazitäten der Mittagsbetreuung und eine steigende Kinderzahl in der Grundschule untergebracht werden können. Nachdem ein Aufstocken des Schulhauses in der Bodenschatzstraße teuer und sehr belastend für den Schulbetrieb würde, tendiert man Richtung Neubau, möglicherweise neben der bestehenden Mittelschule in der Hut.

"Zweihäusigkeit nur dann, wenn unsere Grundschule vierzügig wird", erläuterte der Fraktionssprecher Karl-Heinz Roll zu Beginn der ausführlichen Debatte. "Wenn nicht, brauchen wir nicht weiter zu diskutieren."

Vierzügig, das ist der Knackpunkt. Nach den jetzigen Geburtenzahlen werden 14 Klassenräume bis 2026/27 benötigt, weil zwei Jahrgänge auf vier Klassen aufzuteilen sind. Auf genau dieser Basis hat die Bezirksregierung von Mittelfranken auch ein abstraktes Raumprogramm gebilligt. Sie ist damit nicht der Argumentation von Bürgermeister Andreas Galster (CSU) gefolgt, für den es nahezu sicher war, dass infolge steigender Bautätigkeit alsbald durchgängig vier Klassen nötig sein werden.

Die Baiersdorfer Situation ist somit vergleichbar mit der in Spardorf. Die Gemeinde im Osten von Erlangen erreicht keine durchgängige Dreizügigkeit, obwohl dort bereits zwei Klassen in Containern unterrichtet werden müssen. Auch in Spardorf sah die Regierung mit ähnlichen Argumenten nur ein Raumprogramm für zehn Klassen vor. Der Gemeinderat beschloss dennoch, zwölf zu planen, auch wenn die zwei zusätzlich nicht gefördert werden. Nach jetzigem Stand muss Spardorf für die größere Schule, allein für die zwei zusätzlichen Klasszimmer, rund zwei Millionen Euro aus den eigenen Kassen zuschießen.

Trotz dieses Fakts, dass nur 14 Klassenräume als angemessen und damit zuschussfähig anerkannt sind, stieg der Stadtrat, ja sogar Roll selbst, mit Vehemenz in die Diskussion ein.

Thomas Voit (SPD) lehnte deswegen sofort den Antrag ab. Jürgen Maiß (FW) freute sich nach eigenem Bekunden über den Antrag. Denn er befürchtet: "Wenn die neue Schule fertig ist, müssen wir den vierten Zug anbauen." Wenn es bei drei Klassen je Jahrgang bleibe - die Regierung geht von einem Rauf und Runter der Schülerzahlen aus -, dann reiche der Platz in der alten Schule, nur nicht für die Mittagsbetreuung. So sieht das vor allem seine Fraktionskollegin Angelika Lösel.

Gerade wegen des Problems am Nachmittag müsse man in die Gänge kommen, forderte Barbara Baader (CSU). Zwischendurch monierten mehrere Redner, die Stadt habe nicht genügend Informationen bereitgestellt, was die Zweite Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer (SPD) ihrerseits zurückwies. Sie verwies auf diverse eingeholte Studien - bis hin zur Nachnutzung der alten Schule.

"Wir drehen uns argumentativ nur im Kreis", stellte nach mehr als einer halben Stunde Matthias Götz (SPD) fest, "wir sind es den Bürgern schuldig, zu entschieden - nach Monaten der Diskussion." Seine Mahnung verhallte ungehört. Vielmehr wurde die Rednerliste immer länger, obwohl auch CSU-Fraktionssprecherin Dorothea Neubauer sich ihrem Vorredner anschloss. "Ein Bau geht nicht ohne Zuschuss", betonte sie, wohl Spardorfs Entscheidung im Blick.

Die Ursache für die immer wieder neu beginnenden Diskussionen machte Sarah Grasser (Grüne) daran fest, dass man nur punktuell die Schülerzahlen habe: "Wenn es neue Zahlen gibt, muss die Diskussion wieder von Anfang an geführt werden." Aktuell müsse man aber auch die Auswirkungen von Corona in den Entscheidungsprozess einbringen. Der Antrag für Zweihäusigkeit fand im Stadtrat neun Befürworter, zwölf Räte lehnten ihn ab. Bis auf Angelika Lösel votierten aber alle dafür, in der nächsten Stadtratsitzung einen Grundsatzbeschluss herbeizuführen.

Thema Mittelschule

Knapp und kurz fiel dagegen die Diskussion aus, ob der Schulverband die Mittelschulgebäude sanieren solle oder auch hier ein Neubau besser wäre. Einstimmig sprach sich der Stadtrat für Sanieren aus.

Fördertechnisch gibt es bei der Mittelschule keine Probleme: Denn die Regierung hat festgestellt, dass die Sanierung mit Kosten von etwa 8,5 Millionen Euro knapp 80 Prozent von Neubaukosten ausmache. "Die Sanierungskosten sind genau geprüft; die für einen Neubau eher nur überschlägig", erläuterte dazu Geschäftsleiter Klaus Hutzler.

Für die Sanierung wurde ins Feld geführt: Der bestehende Bau hat mehr Flächen als ein Neubau; das Gebäude wurde erst kürzlich an die Nahwärmeversorgung angeschlossen und der Bauzustand sei nicht so marode, wie die Liste der Mängel es erscheinen lasse.