Die Geschichte des Frankenwaldes und seiner Bewohner war schon immer schicksalhaft mit Wald und Holz verknüpft. Von den ersten Rodungen vor über tausend Jahren über die Ausrichtung der Wirtschaft mit Hilfe von Holzkohle als Energieträger für die Metallverarbeitung oder Pottasche für die Glasindustrie bis hin zu bescheidenem Wohlstand durch die Flößerei und den Holzhandel. Forstleute und Waldbesitzer haben dafür immer mit einem leistungsfähigen Wald die Grundlagen geschaffen und erhalten. Und trotz der aktuellen massiven Waldschäden im Zuge des Klimawandels sind sie sich einig: Der Frankenwald ist bereit für die Zukunft.

Drei Hitzesommer hintereinander haben alle für den Wald Verantwortlichen in ganz Mitteleuropa vor völlig neue Herausforderungen gestellt: Die Fichte, über Jahrhunderte der "Brotbaum der Forstwirtschaft", wird über kurz oder lang ihren Stellenwert verlieren. Als wasserbedürftige Gebirgsbaumart hatte sie vom kälteren und feuchteren Klima der letzten drei Jahrhunderte profitiert. Und mit ihr die Waldbesitzer. Jetzt aber, in den Witterungsextremen des Klimawandels, hat sie ihrem Hauptfeind, dem Borkenkäfer, in vielen Regionen nichts mehr entgegenzusetzen. Nach drei Jahren ohne ausreichende Sommerniederschläge ist aktuell besonders Nordbayern betroffen und hier vor allem der Frankenwald: Hohe Fichtenanteile in den Wäldern, hängige Lagen und steinige, meist flachgründige Böden ohne ausreichende Wasserspeicherung führten zu riesigen Schadholzmengen und in der Folge zu großen Kahlflächen.

Diese deutlich sichtbaren, besonders drastischen Auswirkungen des Klimawandels werden sich in den kommenden Jahren auch in anderen Regionen zeigen, glaubt Peter Hagemann, Leiter des Forstbetriebes Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten. "Wir erleben hier gerade hautnah eine Zeitenwende in der Forstwirtschaft. Der Wald, der jetzt massiv unter dem Klimawandel leidet, muss in kurzer Zeit zu einem Klimawald werden." Als größtem Kohlenstoffspeicher komme ihm in den kommenden Jahren existenzielle gesellschaftliche Bedeutung für die Begrenzung des Temperaturanstiegs zu. "Dazu müssen Forstleute und Waldbesitzer den Zukunftswald leistungsfähig und klimatolerant aufstellen."

Mindestens vier Baumarten

Der Frankenwald sei zwar besonders früh von dieser großen Aufgabe betroffen, treffe dafür aber auf besonders gute Rahmenbedingungen: Die finanziellen Fördermöglichkeiten für Waldbesitzer, die mit gemischten, laubholzreichen Kulturen die Weichen für die Zukunft stellen wollen, seien so gut wie nie zuvor. Dabei könne man sich unmittelbar an den Vorgaben für den Staatswald in Bayern orientieren. "Die Bayerischen Staatsforsten sichern auf jeder Verjüngungsfläche mindestens vier verschiedene Baumarten", sagt Hagemann. "Es darf aber auch immer gerne noch ein bisschen mehr sein." Damit streue man bewusst das Risiko, das mit weiteren Klimaveränderungen in den nächsten Jahrzehnten verbunden sei.

Im Forstbetrieb Rothenkirchen setze man dazu nicht nur auf die Naturverjüngung von Buche, Tanne, Lärche und Edellaubhölzern, man ergänze diese auch ganz bewusst mit Baumarten, die noch wenig oder gar nicht im Frankenwald heimisch seien. So habe man hier neben Stiel- und Traubeneiche, Winterlinde und Vogelkirsche auch Elsbeeren, Speierlinge, Roteichen, Baumhasel, Robinien und Eiben eingebracht.

"Dabei hilft uns sehr die Initiative der Staatsregierung, in den kommenden fünf Jahren immer eine Million Bäume pro Jahr zusätzlich zu pflanzen", so Hagemann. Allein im Forstbetrieb Rothenkirchen habe man damit im Herbst 20 Hektar zusätzlichen "Klimawald" schaffen können. "Ergänzend zu den 60 Hektar, die wir im Herbst und Frühjahr ohnehin bepflanzen." Dazu kommen in den nächsten Monaten umfangreiche Forstkulturen im Privatwald, die mit Beratung und Förderung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten entstehen werden.

Vorbild für andere Regionen

Damit, so ist sich Peter Hagemann sicher, könne der Frankenwald ein echtes Vorbild auch für andere Regionen sein. "Wenn man zurückblickt, haben hier schließlich die Waldbesitzer immer schon die Nase vorn gehabt, wenn es um neue Baumarten für ihre Wälder ging." Die Fichte habe man vor Jahrhunderten gezielt hergebracht, als die Wälder aus Buche und Tanne durch die frühe Industrie übernutzt waren. Bereits seit 300 Jahren habe man mit ebenfalls gebietsfremden Baumarten wie Lärche und Douglasie erfolgreich Erfahrungen gesammelt. Seit 70 Jahren werde, ausgehend vom damaligen Forstamt Kronach, gezielt mit nordamerikanischen Baumarten wie Küstentanne, Riesenlebensbaum und Hemlocktanne experimentiert. "Das alles ist ein wertvoller Wissensschatz, der uns jetzt zugutekommt und auf dem wir aufbauen können", so Hagemann.

Um die Zukunft des Frankenwaldes macht sich der Forstmann keine Sorgen. "Im Jahr 2017 waren wir Deutschlands ,Waldgebiet des Jahres', nicht zuletzt wegen der "Waldgesinnung", die hier alle Verantwortlichen antreibt. Daraus nehmen wir genug Selbstvertrauen für die nächsten mutigen Schritte." Manchmal reiche es dazu schon, einen Baum zu pflanzen. red