W infried Schlee, der frühere Bürgermeister von Stettfeld, der im Sommer 2005 bei einem tragischen Bergunfall ums Leben gekommen ist, sagte einmal: "Ich lege mich doch nicht mit den Rechtlern an." Eigentlich eine untypische Aussage des ehemaligen Gemeindeoberhauptes, das keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen ist. Aber Schlee wusste um die Macht und den Einfluss der Rechtler in Stettfeld, einer so großen Gruppe, die in vielen Haushalten im Dorf präsent ist.
Man könnte die Aussage Schlees gedanklich fortsetzen. Der SPD-Politiker wollte sich mit den Rechtlern nicht anlegen, weil irgendwann einmal wieder die Bürgermeisterwahl anstehen würde. Und: Frühere Auseinandersetzungen, auch vor Gericht, haben immer die Position der Rechtler gestärkt.
Alfons Hartlieb, Nachfolger Schlees und selbst Rechtler, hat sich mit den Rechtlern angelegt. Über Bescheide, die die Gemeinde an die Rechtler herausgegeben hat und in denen die Holznutzung ausgesetzt wird. Das Verwaltungsgericht in Würzburg hat diese Bescheide als unrechtmäßig bewertet und gefordert, dass sie zurückgenommen werden. Jetzt kommt möglicherweise ein Berufungsverfahren. Der Streit im Ort, der teilweise durch Familien geht, setzt sich fort. Das öffentliche Leben leidet.
Der Streit fällt genau in eine Zeit, in der die Gemeinde Geschlossenheit bräuchte. In Stettfeld steht eine größere Kanalsanierung an. Das Projekt wird teuer und die Bürger müssen mitbezahlen.
In diesem Zusammenhang machen einige Stettfelder folgende Rechnung auf. Hätte die Gemeinde die Einnahmen aus dem eigenen Wald, hätte sie mehr Geld, das sie in die Kanalsanierung stecken könnte. Entsprechend geringer könnte der Anteil der Bürger ausfallen. Solche Rechnungen gehen davon aus, dass jeder Rechtler etwa 1000 Euro aus seinem Holznutzungsrecht erzielt. Das macht 100 000 Euro. Die Zahl 1000 Euro pro Rechtler wird bestätigt durch den Streitwert, den das Verwaltungsgericht in Würzburg auf 1088 Euro pro Rechtler festgesetzt hat.
U nabhängig davon, ob diese Zahlen auf Heller und Pfennig stimmen und ob Mehreinnahmen der Gemeinde aus dem Wald eins zu eins in die Kanalsanierung fließen könnten, sind solche Überlegungen dazu geeignet, das Misstrauen zu erhöhen und den Streit zu befeuern.
Die Rechtler kennen solche Gedankenspiele. Sie halten dagegen, dass auch die Rechtler etwas für die Dorfgemeinschaft tun, sich an Projekten beteiligen und Spenden geben.
Wie auch immer der Rechtler-Streit vor Gericht ausgehen wird, kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass juristisch die Kontroverse nicht aus der Welt zu schaffen ist. Die beiden Parteien sollten sich in konstruktiven Gesprächen darauf einigen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Vielleicht kann dabei ein Mediator helfen. Das Beispiel um die Firma Loacker in Wonfurt hat deutlich gemacht, dass selbst in einem verhärteten Streit ein vernünftiger Kompromiss möglich ist. Den Versuch wäre es wert. Auf Dauer hält Stettfeld diese Streitereien sicher nicht aus.