Coburg — Eine Einladung zur Kaffeetafel mit der letzten Coburger Herzogin Viktoria Adelheid auf Schloss Callenberg war sicher eines der angenehmeren Ereignisse im an Höhe- und Tiefpunkten nicht armen Leben von Arnold Schaller, der am Donnerstag 95 Jahre alt geworden ist.
Im Frühjahr 1938 war der am 11. Juni 1930 im Selbitzer Stadtteil Neuhaus im Landkreis Hof geborene Arnold Schaller zum Reichsarbeitsdienst eingezogen worden. Er war in Neustadt bei Coburg im Einsatz und einer seiner Kollegen war Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg und Gotha, der jüngste Sohn des letzten Coburger Herzogspaars Carl Eduard und Viktoria Adelheid. "Sie hat persönlich den Kaffee eingeschenkt", erinnerte sich der Altersjubilar an seinem Ehrentag an die Herzogin.

Auf und ab

An die Kaffeetafel schlossen sich schwere Zeiten an. "Ich konnte nicht ahnen, dass nun zwölf Jahre meines Lebens für Reichsarbeitsdienst, Kriegsdienst und russische Gefangenschaft geopfert werden mussten", sagt Schaller. Bei der Wehrmacht kam er zu dem in Coburg stationierten Maschinengewehr Bataillon Nr. 6, dort leisteten auch der spätere Coburger Oberbürgermeister Karl-Heinz Höhn und der spätere Oeslauer und Rödentaler Bürgermeister Ferdinand Fischer ihren Wehrdienst.
Schaller nahm an drei Feldzügen teil: dem Polen-, dem Frankreich- und dem Russlandfeldzug. An besonderen Herausforderungen mangelte es nicht.
In Rumänien wurde er beim Kampfeinsatz versprengt und musste sich durch unwegsame Regionen und Wälder kämpfen. Er durchschwamm die Donau nach Bulgarien.
Dort geriet er allerdings dann doch in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Dezember 1949 entlassen wurde. Er drang - salopp gesagt - während seiner Gefangenschaft bis ins Innere der Sowjetmacht vor, denn zusammen mit einigen Mitgefangenen führten sie Malerarbeiten im Kriegsministerium in Moskau durch. Wie schon vor seiner Coburger Zeit beim Reichsarbeitsdienst war er nach dem Krieg dann bei einer Schuhfabrik in Naila beschäftigt.
Eigentlich hatte er schon Jahre vorher die Aufnahmeprüfung für den Zolldienst erfolgreich absolviert. Ein amtsärztlich attestierter Herzfehler verhinderte aber die Einstellung. Na ja, inzwischen ist Arnold Schaller 95 Jahre alt.

Privates Glück gefunden

Im Februar 1950 konnte Arnold Schaller seine Verlobte Hildegard heirateten. Im Februar 2010 konnte das Paar noch seine Diamantene Hochzeit feiern; Arnolds Frau starb im selben Jahr.
2011 zog der Jubilar aus Ost-Oberfranken nach Coburg. Hier wohnen der 1951 geborene Sohn Reinhard und der Enkel Daniel. Der rüstige Jubilar nimmt rege am Gemeinschaftsleben im Alten- und Pflegeheim St. Josef im Coburger Stadtteil Hut teil.
Der Kegelsport, die Gymnastik, Würfelspiele und Spaziergänge stehen regelmäßig auf dem Programm, genauso der Besuch der Gottesdienste in der Josefskapelle. Selbstverständlich ist auch das tägliche Studium des Coburger Tageblatts.
Die Glückwünsche der Stadt Coburg überbrachte Alt-Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann. mako