Bernhard Panzer Es ist der 11. August, gegen halb sechs Uhr abends. Der Himmel öffnet seine Schleuse, innerhalb einer halben Stunde schüttet es 50 bis 60 Liter Wasser auf den Quadratmeter herab. 150 Feuerwehrleute haben 134 Einsätze, betroffen von der Wassermassen, die zur Erde fallen, sind vor allem die Stadtmitte und der Bereich zum Wiwaweiher hin.

Diese gemessene Menge entspricht einem hundertjährigen Starkregenereignis, fasst es die Stadtverwaltung zusammen, die einen Abschlussbericht verfasst hat und die Ergebnisse nun dem Stadtrat vorlegte. Fazit: Oftmals fehlen in Privathäusern geeignete Rückstau-Einrichtungen zum Abwasserkanal, an den das Gebäude angeschlossen ist.

Daher appellierte Tiefbauamtsleiter Christian Bendler in der Sitzung am Donnerstagabend an alle Eigentümer, ihre Häuser überprüfen und gegebenenfalls nachrüsten zulassen. Denn: Kein öffentlicher Kanal kann so einen Starkregen aufnehmen.

Die überwiegende Zahl an Einsätzen betraf das Auspumpen von Kellerräumen, berichtet Bendler. Diese standen zwischen fünf und 20 Zentimetern unter Wasser. Besonders hart hatte es ein Anwesen am Rahmberg getroffen, in dem ein Heizöltank überschwemmt und beschädigt wurde. Ein Öl-Wasser-Gemisch verschmutzte den Keller, der durch eine Spezialfirma gereinigt werden musste.

Wie Bendler den Einsatzberichten entnahm, waren oftmals fehlende Rückstauventile für das Wasser im Keller verantwortlich. Oder es drang durch geöffnete Kellerfenster oder tief liegende Kellertüren ein. Aber auch ebenerdig drang das Wasser ein, vor allem wenn Autos wie in der Schütt durch die überfluteten Straßen fuhren und das Nass wellenartig gegen die Häuser schwappen ließen.

In seinem Fazit verweist er noch einmal gezielt darauf, "wie wichtig es ist, das eigene Anwesen ordnungsgemäß gegen Rückstau und auch gegen oberflächige Überflutung zu sichern". Er rät vor allem dazu, Rückstauventile und gegebenfalls auch Hebeanlagen einzubauen Diese könnten "sicherstellen, dass das Abwasser auf die Höhe der Straßenoberfläche vor dem Gebäude gebracht werden kann."

"Normaler" Regen kein Problem

Bei einem hundertjährigen Ereignis, wie es jetzt für eine halbe Stunde in Herzogenaurach gemessen wurde oder auch 2007, damals noch viel stärker und länger, in Baiersdorf eintrat, wären diese aber auch überfordert. Ebenso wie die städtischen Kanäle generell: "Das Entwässerungssystem kann für solche seltenen Starkregenereignisse nicht ausgelegt werden", heißt es in der Zusammenfassung.

In der Sitzung formulierte es Christian Bendler so: "Wenn der Kanal das Wasser nicht mehr fasst, dann kann man nicht mehr viel machen. Irgendwann sind die Grenzen erreicht." Einen "normalen" Regen, bis hin zum so genannten dreijährigen Ereignis, könnten vom Kanal problemlos verkraftet werden, berichtet Bendler weiter. Grundsätzlich habe das Kanalnetz insgesamt auch am 11. August gut funktioniert. Gegen die extreme Wassermenge in kurzer Zeit hatte es schlicht keine Chance.

In der Stadtratssitzung trug Bernhard Schwab (CSU) Fragen von Bürgern vor, die seine Fraktion erreicht hatten. Er verwies auch darauf, dass es in Herzogenaurach viele Altbauten gebe, die kaum eine Chance hätten, Rückstauventile nachträglich einbauen zu lassen. Walter Drebinger schickte eine Frage hinterher: Wäre es nicht einfacher, bereits am öffentlichen Übergabepunkt ein solches Ventil einzubauen? Technisch möglich wäre alles, entgegnete Bendler. Doch die Gesetzeslage sei eindeutig, Um alles, was hinter dem öffentlichen Kanal ist, "muss sich der Grundstückseigentümer kümmern - Leider."

Auch der Tiefbauamtschef kennt die, oftmals sich wiederholenden Fragen und Bedenken der Bürger. Kürzlich sei eine massive Beschwerde ans Rathaus herangetragen worden, dass die Kanalrohre zu gering dimensioniert seien. Die Stadt habe sorgfältig nachgerechnet, "alles war ok." Der Bürger habe das trotzdem nicht geglaubt.