Kronach — Es wird wieder gesungen. Während andere Länder ihre Volkslieder seit jeher "hegen und pflegen", hatten in Deutschland musikalische Kostbarkeiten wie die am Sonntag unter anderem zu hörenden "Horch, was kommt von draußen rein", "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" oder "Im schönsten Wiesengrunde" bedauernswerterweise bis vor Kurzem noch das Image des Angestaubten. Doch seit einiger Zeit ist auch bei uns eine Art Renaissance des guten alten Liedguts zu spüren.

Originelle Arrangements deutscher Volkslieder zirkulieren in den Konzertsälen. Immer mehr Chöre entdecken die alten Lieder neu und versuchen, sie in ein positives und zeitgemäßes Licht zu rücken. Hierzu zählt auch das Vokalensemble "Klangwerk Coburg", das am Sonntag in der Synagoge dem Motto ihres Konzertdebüts "Die Gedanken sind frei - Volkslieder in neuem Gewand" alle Ehre machte.

Einen Tag nach der erfolgreichen Premiere in Coburg kredenzte der Kammerchor in Kronach ein anspruchsvolles Programm mit einem weit gespannten musikalischen Bogen. Stephan Gesell in seiner Begrüßung: "Wenn man Klangwerk Coburg abkürzt, ergibt sich KC. Vermutlich deshalb dürfen im Chor auch Kronacher mitsingen", mutmaßte er mit einem Augenzwinkern. Erika Kreuzer, die zusammen mit Sven Götz für die Einstudierung der Lieder verantwortlich zeichnet, führte durch den wunderbaren Abend, der für manche Überraschung gut war. Dargeboten wurden originale Chorsätze insbesondere aus dem 16. und 17. Jahrhundert wie auch moderne, auf Volkliedern basierende Arrangements, teilweise auch von Sven Götz selbst. Sie alle machten die Schönheit der wohlbekannten Melodien auf ganz neue Weise "hörbar", ohne sie dabei neu zu "erfinden".

Das begeisterte Publikum erfreute sich unter anderem an spannenden Wiederbegegnungen mit der Loreley ("Ich weiß nicht, was soll es bedeuten"), dem Brünnlein ("Wenn alle Brünnlein fließen") und der Jungfer Käthen ("Tanz nicht mit meiner Jungfer Käthen") - etwas anders, als man es bisher kannte, aber keinesfalls verfremdet; stattdessen mit mehr Dynamik und Spannung! Im wohlig-warmen Gesamtklang erklangen traurige Balladen unglücklicher Liebender wie "O, du schöner Rosengarten". Humorvoll-flott kam der Spott an die Schneiderzunft "Zu Regensburg auf der Kirchturmspitz" daher; demütig das Danklied an den lieben Gott "Was frag ich nach viel Geld und Gut" - wunderbare Stücke, die auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt haben.

Dass man diese neue alte Musik einfach lieben muss, war insbesondere auch dem lebendig und klangsauber auftretenden Chor zu verdanken. Die Stimmen formierten sich zu einem harmonischen, mit Akzenten gespickten Klangteppich - so schön und beglückend kann Chormusik sein!

Eine große Bereicherung erfuhr das Programm durch drei virtuose Eigenkompositionen des Gitarristen und Gitarrenbauers Thomas Schaller. In seinem von einfühlsamer Methodik, beeindruckender Fingerfertigkeit geprägten Spiel griff der Marktzeulner Volksliedthemen auf, wobei er verwandte Klangelemente einfließen lässt.

Wie gut dem Publikum diese musikalische Reise durch Raum und Zeit gefallen hatte, verdeutlichten der warme Applaus und stehende Ovationen. Zur Belohnung gab es als Zugabe ein innig-ergreifendes "Guten Abend, gut' Nacht" - ebenfalls ein Arrangement von Sven Götz, mit feinen Stimmenaufteilungen.