In diesen "Corona - Tagen" erinnerte sich Eugen Albert, Altbürgermeister von Münnerstadt, an seine Kindheit in dem Rhöndorf Waldfenster. Viele Bewohner kamen damals wenig herum. Doch es gab auch Ausnahmen. Junge Männer oder auch Frauen hatten die Möglichkeit, in einen Orden einzutreten. Besonders nach einer Volksmission im Jahre 1920 entschlossen sich zwei Onkel von Eugen Albert, die bisher daheim in der Landwirtschaft tätig waren, in den Orden der Benediktiner in Münsterschwarzach einzutreten, um Missionare zu werden. Ein Bruder von ihnen war bei den Augustinern als Priester tätig. Es war dies Pater Fidelis Albert, der auch viele Jahre in der Klosterschule in Münnerstadt als Präfekt wirkte. Die beiden jungen Benediktiner erhielten die Klosternamen Bruder Bertram und Bruder Januarius. 1927 wurden sie nach Tokwon in Korea, dem heutigen Nordkorea, entsandt. Während des 2. Weltkrieges gerieten sie in kommunistische Gefangenschaft. Bruder Bertram wurde 1950 entlassen. Von Bruder Januarius fehlte jede Spur. Umso größer war die Überraschung und Freude, als 1954 in der Zeitung acht Spätheimkehrer genannt wurden. Bruder Januarius wurde zunächst von seinen Angehörigen auf dem Foto nicht erkannt. Erst als die Nachricht aus Münsterschwarzach kam, war man sich sicher. An einem kalten Wintertag im Februar 1954 wurde der Spätheimkehrer Bruder Januarius Albert auf dem Dorfplatz von einer großen Menschenmenge willkommen geheißen. Sogar der damalige Landrat Engelbert Hofmann war gekommen. Daran schloss sich ein Dankgottesdienst an. Ihn gestalteten vier leibliche Brüder. Pater Fidelis Albert zelebrierte als Priester die hl. Messe, seine Ministranten waren in Mönchsgewändern Bruder Bertram und Bruder Januarius Albert. Mesner war Eugen Alberts Vater Martin Albert. Bruder Januarius besuchte anschließend Schulen der Umgebung, um aus seinem Leben zu erzählen. Nach einer Erholungszeit im Kloster Münsterschwarzach wurden 1957 die beiden Brüder wieder in die Mission entsandt, diesmal nach Waegwan in Südkorea. 1960 verunglückte Bruder Januarius in der Hauptstadt Seoul so schwer mit dem Motorrad, dass er wieder heim nach Münsterschwarzach musste. Hier half er im Versand bis zu seinem Tod im Jahre 1972. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof der Abtei Münsterschwarzach.

Bruder Bertram blieb bis zu seinem Lebensende im Kloster in Waegwan. Ab und zu machte er Heimaturlaub in Münsterschwarzach und Waldfenster. Er reiste dabei in ganz Deutschland herum zu Wohltätern, die die Mission in Korea unterstützten. Sein Neffe Eugen Albert erinnert sich daran, dass er einmal seinen Onkel auf einer Motorradtour nach Fulda begleiten durfte. Nach jahrzehntelanger Missionstätigkeit verstarb Bruder Bertram 1988 in Waegwan, wo er auch beigesetzt wurde.

Rückblickend stellte Eugen Albert fest, dass aus seinem Heimatort Waldfenster auffällig viele geistliche Berufe hervorgegangen sind. Bei damals weniger als 600 Einwohnern wurden immerhin neun Männer Priester, vier Ordensbrüder und drei Frauen Nonnen. Davon leben heute noch drei Priester. Waldfenster wurde deswegen von Spöttern ein "geistliches Mistbeet" genannt. maa