Josef Hofbauer In der Kaiserpfalz hat die Stadt Forchheim Herbert Burkholz, der gestern seinen 95. Geburtstag feierte, ein Denkmal gesetzt. Zusammen mit seinem Freund Ernst Mayr, der 1944 in Russland gefallen ist, dokumentiert ein Foto des Soldaten Burkholz den Zweiten Weltkrieg.

Seit ein paar Jahren lebt der Jubilar im Wohnstift Erlangen. Seine Heimatzeitung, den Fränkischen Tag, lässt er sich zuschicken. Mit großem Interesse verfolgt er alles, was in und um Forchheim geschieht, vom Vereinsleben bis zur Kommunalpolitik. Bis vor fünf Jahren war Herbert Burkholz noch Vorsitzender des Behinderten- und Versehrtensportvereins Forchheim.

Schuhgröße als Lebensretter

Der in Kunreuth geborene Herbert Burkholz gehört zu den wenigen Zeitzeugen, der sich noch genau an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erinnern kann. Er war 14 und hatte fünf Monate vorher Nürnberg seine Ausbildung als Postjungbote begonnen. "Ich wohnte damals bei meiner Cousine. Bei einem Spaziergang hörten wir, dass der Krieg ausgebrochen sei. Erschrocken bin ich dabei nicht. In der, von den Nazis geschürten Euphorie habe ich mir gedacht, Deutschland kann doch nichts passieren", erinnert sich der Jubilar.

1943 absolvierte er in Würzburg seine Ausbildung als Infanterist, ehe er nach Oberschlesien abkommandiert wurde. Kämpfen musste Burkholz in den Karpaten und in Lettland, wo er im Dezember 1944 verwundet wurde. Ein Oberschenkel-Steckschuss, so Burkholz. Das Kriegsende erlebte der Jubilar, der wegen seiner Schuhgröße 47/48 nicht an die vorderste Front musste - "die hatten keine passenden Stiefel" - in Magdeburg. "Ich war auf der russischen Seite, wollte über die Elbe, aber die Amerikaner ließen niemanden rüber. So geriet ich in russische Gefangenschaft. Vielleicht war es ein Glück, dass ich den Arm wegen einer Verletzung einer Schlinge trug. Als wir an einem Lazarett vorbeimarschierten, sprang ich über den Zaun, obwohl ich fürchten musste, dass die Russen auf mich schießen würden. Aber es ist gut gegangen", erzählt Burkholz.

"Doppelter Herbert"

Im Lazarett wurde der Jubilar zum Hilfssanitäter von Professor Wedekind. "Damals wussten meine Eltern nicht einmal, dass ich noch am Leben bin. Deshalb habe ich einem Soldaten aus Nürnberg einen Brief an meine Eltern mitgegeben." Der "Landser" hieß Herbert Hisel. Erst viel später habe sich Burkholz daran erinnert und einen Brief an Hisels Nürnberger Adresse in der Masurenstraße geschickt. Hisel lud Burkholz zu seinen Auftritten ein, die zu Medienereignissen wurden. Ein DIN-A4-Heft mit den fein säuberlich eingeklebten Zeitungsausschnitten dieser Begegnungen hütet der Jubilar wie einen Schatz. "Jou wergli!"

Allein die Liste der ehrenamtlichen Tätigkeiten des Gewerkschafters Herbert Burkholz, der 36 Jahre im Kirchenvorstand von St. Johannis aktiv war, ist Seiten füllend. Auf Grund des kirchlichen Engagement zählte Regionalbischof Klaus Stiegler zu den persönlichen Gratulanten. 44 Jahre lang war Burkholz, der den Sportverein Kunreuth mit gegründet hatte, Vorsitzender des Versehrtensportvereins Forchheim und Mitglied des Bundesdisziplinargerichts.

Hoch dekoriert

Der sportliche Jubilar, der sich beruflich bei der Post bis zu Führungsposten empor gearbeitet hatte , absolvierte 15 mal das Deutsche Sportabzeichen in Gold. Bereits 1974 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein enormes ehrenamtliches Engagement. Im Jahr 2000 wurde ihm die Ehrennadel der Stadt Forchheim verliehen und 2007 erhielt er den Bürgerpreis der Stadt.

Das Lebensmotto von Herbert Burkholz ist ein Ausspruch von Ex-Bundespräsident Gustav Heinemann, der 1950 gesagt hat. "Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen - unser Herr aber kommt." "Ich bin ein religiöser Mensch", fügt Burkholz erklärend an. Er ist überzeugt: "Gott hat stets seine schützende Hand über mich gehalten."

Langweilig wird es dem 95-Jährigen nicht. Er spielt Mundharmonika, singt im Chor des Wohnstiftes und zweimal in der Woche spielt er Skat. Außerdem sind da noch seine beiden Kinder und die Enkel, die ihn regelmäßig besuchen. Und an den Wochentagen versäumt er keine Folge der Serie "Dahoam is dahoam".