Die Hitze hat insbesondere auf ältere Menschen Auswirkungen. Dr. Wolfgang Hasselkus hat als Seniorenbeauftragter und Mediziner dazu in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Im Zuge der präventiven Seniorenarbeit des Fachbereiches Senioren am Landratsamt Coburg gibt er Tipps, wie ältere Menschen gerade jetzt an den heißen Tagen auf sich und ihre Gesundheit achten können. Er nutzt dazu einen eigenen Youtube-Kanal.

"Die Hitzewellen 2018 und 2019 haben die Gesundheit und das Leben vieler vor allem älterer Menschen schwer beeinträchtigt", sagt Dr. Wolfgang Hasselkus. Aus der Zeit der Hitzewelle im Jahr 2018 gibt es bedrohliche Zahlen in Deutschland: Über 8000 Menschen sind an Hitzefolgen gestorben, etwa 300 Hochbetagte starben pro Tag, circa 3000 Patienten mussten pro Tag ins Krankenhaus. "Das liegt unter anderem daran, dass ältere Menschen weniger Flüssigkeit im Körper haben als junge. Und das bedeutet auch, dass der Verlust von Flüssigkeit bei älteren Menschen gefährlicher ist", warnt der Seniorenbeauftragte im Interview.

Wer ist gefährdet?

Dr. Wolfgang Hasselkus: Der Kreis derer, bei denen extreme Hitzeereignisse zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können, umfasst vor allem ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen, allein lebende und pflegebedürftige Menschen, ältere Menschen mit Bewegungseinschränkung, Menschen mit Demenz oder solche, die bestimmte Medikamente, wie harntreibende und blutdrucksenkende Mittel, einnehmen. So können auch Schmerzpflaster intensiver ihre Wirkstoffe abgeben und eine Überdosierung verursachen und auch Insulin wirkt stärker durch die höhere Temperatur der Haut.

Welche Menge an Flüssigkeit sollten ältere Menschen zu sich nehmen?

Die Normalwerte können sehr unterschiedlich sein, von 800 Milliliter (ml) bis 1200 ml pro Tag. Während der Hitzewelle empfiehlt es sich, 300 bis 700 ml Flüssigkeit pro Tag zusätzlich zu trinken. Bei Infekten, Durchfällen, Erbrechen erhöht sich die Trinkmenge um zusätzliche 500 bis 700 ml.

Was sind denn körperliche Zeichen des Flüssigkeitsmangels?

Das sind zum Beispiel trockene Lippen, ein trockener Mund, eine trockene Achselhöhle, verminderter und dunklerer, intensiv riechender Urin, niedriger Blutdruck, Schwindel, Verwirrtheit oder andere kognitive Zeichen oder auch Stürze.

Und was können ältere Menschen bei Hitze tun?

Sie sollten kleinere und leichtere Mahlzeiten essen und leichte Kleidung tragen aus Baumwolle oder Leinen. Geschlossene Jalousien tragen dazu bei, dass die Räume kühler sind. Zudem sollte man schauen, wo der kühlste Raum in der Wohnung ist und sich hauptsächlich dort aufhalten. Angehörige, Freunde oder Nachbarn sollten häufiger Besuche bei älteren Senioren durchführen oder telefonischen Kontakt halten. Es gibt auch ehrenamtliche Trinkpaten, die sich darum kümmern, dass ältere Menschen regelmäßig Flüssigkeit zu sich nehmen. Zudem sollte man auf Alkohol und Cola verzichten. Aktivitäten sind besser in den Vormittag oder den Abend zu verlegen und wichtig ist auch, seinen Medikamentenplan in Abstimmung mit dem Hausarzt anzupassen. Ein Ventilator, Fußbäder, lauwarme Überschläge, zum Beispiel als Wadenwickel, schaffen Abhilfe und warme Getränke senken die Kerntemperatur.

Wichtig ist, dass man bei schlechterem Zustand, wie zu niedrigem Blutdruck, den Arzt oder Pflegedienst einbezieht.

Im Landkreis Coburg sind 6,4 Prozent der Bürger hochbetagt. Weil die Gesundheit das oberste Gut ist, will man im Landkreis Coburg für mögliche weitere Hitzeereignisse rechtzeitig Vorsorge treffen. Deshalb hat sich der Fachbereich Senioren, in Zusammenarbeit mit Seniorenbeauftragtem Dr. Wolfgang Hasselkus, in seinem Jahresthema mit den Hitzeauswirkungen auf ältere Menschen befasst. Ein Bestandteil ist der Youtube-Beitrag von Dr. Hasselkus, in dem er noch ausführlicher Tipps gibt. Den Beitrag finden Interessierte auch, wenn sie im Internet bei Youtube "Seniorenpolitik Landkreis Coburg" eingeben. Weitere Projekte im Rahmen des Jahresthemas werden noch folgen.