Die Absage kam noch vor Kontaktbeschränkungen und Ladenschließungen: Der Coburger Convent (CC) hält dieses Jahr keinen Pfingstkongress in Coburg ab. Seit 1951 treffen sich die im CC zusammengeschlossenen studentischen Landsmannschaften und Turnerschaften zu Pfingsten in Coburg und setzten damit eine Tradition fort, die der Landsmannschafter-Verband 1872 gegründet hatte. Damals war Coburg noch Herzogtum, und es regierte Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha.

Eine Tradition, die indes nicht alle lieben: Viele Coburger flüchten Pfingsten aus der Stadt; fast jedes Jahr kommt es zu Protesten. Vor allem der Fackelzug und die Feierstunde auf dem Marktplatz zum Abschluss des Kongresses stehen in der Kritik. Andererseits bringt der CC viel Geld in die Kassen der Gasthäuser, Hotels und Einzelhändler der Stadt. Viele Verbindungsmitglieder reisen mit Partnerin an, und während er sein Pflichtprogramm mit Kongressbesuch, Verbindungskommers und anderen Veranstaltungen absolviert, bummelt sie durch die Stadt oder lässt sich für den Festball von einem Coburger Coiffeur die Frisur auffrischen.

Heuer nicht. Nicht nur Hotelmanagerin Sandra Tober ("Goldene Traube") und Kongresshaus-Chefin Karin Schlecht vermissen den Trubel. "Es ist seit 30 Jahren mein erstes freies Pfingstwochenende", sagt Karin Schlecht. Normalerweise beginnen die Vorbereitungen für den Pfingstkongress schon im Januar, und das Kongresshaus ist auf vielfältige Weise eingebunden. Karin Schlecht organisiert die Musikkapellen für den Ball und die Jahres-Bierkrüge, die als Souvenir verkauft werden. Deshalb weiß sie auch, warum die Absage so bald erfolgen musste: "Es waren Entscheidungen zu treffen, die dann auch Geld gekostet hätten." Zum Beispiel die Bestellung der Souvenir-Bierkrüge.

Die Entscheidung, den Kongress abzusagen, sei "mit großem Bedauern" getroffen worden, versichern nicht nur der Pressesprecher des CC, Martin Vaupel, sondern auch der Kongressbeauftragte Hans-Georg Schollmeyer und der Vorsitzer des Altherrenverbandes AHCC, Ali-Ottmar Mahdi. Aus "seuchenpolitischer und gesellschaftlicher Verantwortung" sei diese Absage allerdings richtig gewesen, betont Mahdi. "Mir geht der Abbau der Maßnahmen deutlich zu schnell und ich hätte es lieber gesehen, wir wären noch ein bis zwei Monate bei den strengeren Regeln verweilt", sagt Mahdi, der selbst Arzt ist und zwei Wochen in Corona-Quarantäne verbrachte.

Zum Pfingstkongress gehört alljährlich die Vergabe von Stipendien an je einen Abiturienten der vier Coburger Gymnasien. Diese Stipendienvergabe werde stattfinden, genauso wie die Auszeichnungen mit dem Studien- und Wissenschaftspreis an CC-angehörige Studenten, sagt Martin Vaupell. Unklar sei nur, wann und wie.

Was in diesem Jahr ebenfalls nicht stattfinden wird, sind die Demonstrationen gegen den CC. Drei waren es im vorigen Jahr, sagt Kai Holland, der Leiter des städtischen Ordnungsamts. Eine am Freitagnachmittag, eine mit Umzug am Samstag und dann noch eine am Montagabend während des Fackelzugs. Die fallen heuer alle aus. Demonstrationen werde es am Samstag aber trotzdem geben, sagt Holland: nicht wegen des CC, sondern wegen Corona. Ein AfD-Mitglied hat wieder eine Kundgebung als Privatperson angemeldet. Gleichzeitig soll eine Gegendemo stattfinden.

Der CC orientiert sich nur auf nächstes Jahr: Die Präsidierende Landsmannschaft Brandenburg bleibt ein Jahr länger im Amt und hofft, dass sie nächstes Jahr den Pfingstkongress eröffnen kann. Am Ablauf solle sich nichts ändern, sagt deren Sprecher Viktor Kolck.

Zum Ablauf gehört auch der Fackelzug am Montagabend. Den zumindest sieht der neue Coburger Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) skeptisch: "Der Fackelzug ist für mich ein Ritual, das aus der Zeit gefallen ist." Er wolle im nächsten Jahr auf den CC zugehen und in diesem Sinne "gerne Lösungen herbeiführen". Den Fackelzug und das Marktfest am Dienstag muss die Stadt als Veranstaltungen gestatten.