Wenn Bürgermeisterin Ute Hopf appelliert, "gemeinsam für ein einig Vaterland" zu arbeiten, kommt es von Herzen. Es ist die Gedenkveranstaltung, mit der die Kreise Sonneberg und Coburg an den Fall der Grenze erinnern. Ute Hopf ist die Gastgeberin. Wer hört, wie sie das Leben im Sperrgebiet der DDR schildert und wie es sich zum Leben mitten in einem ungeteilten Deutschland verändert hat, der versteht, wie viel ihr diese Einheit bedeutet, deren 30-jähriges Bestehen an diesem Abend gefeiert wird.

Ute Hopf strahlt. Ihre Freude über den Besuch von Bernhard Vogel, der von 1992 bis 2003 Thüringens Ministerpräsident gewesen ist, spürt jeder im Saal deutlich. Sie erinnert an seinen Besuch in Schalkau während seiner Amtszeit und verrät, dass damals extra ein Weinkeller eingerichtet wurde, der nun zu besonderen Anlässen wieder geöffnet wird. Nicht ohne stets daran zu erinnern, dass dort einmal der Landesvater zu Besuch war.

Doppelte Freude

Und dann noch Beckstein. "Als Sebastian Straubel ankündigte, er versuche, Günther Beckstein zur Gedenkfeier einzuladen, habe ich gesagt, das wäre ja toll." Geglaubt habe sie es nicht so recht. Doch Coburgs Landrat hatte ihr nicht zu viel versprochen. "Als dann der Anruf kam, Günther Beckstein hat zugesagt, konnte ich erst gar nichts sagen und dann nur ,wow‘". Am Donnerstagabend saß Ute Hopf nicht nur in der ersten Reihe zwischen den beiden ehemaligen Landesvätern. Sie durfte als Gastgeberin die Erste sein, die an diesem Abend vor den beiden Festrednern auf der Bühne steht.

Ihre Rede lässt dann die Erinnerung an eine dunkle Zeit wach werden. Eine Zeit der Trennung. Die Grenze zerstörte Kontakte zu Freunden und Verwandten wenige Kilometer weiter im bayerischen Franken. Und schlimmer noch: "Wir waren eingesperrt im eigenen Land", sagt Ute Hopf und erinnert damit an das Sperrgebiet in Grenznähe. Erwachsene Kinder durften ihre Eltern wenige Dörfer weiter nur mit einem Passierschein besuchen, den zu bekommen nicht selbstverständlich war.

Dann der 9. November 1989. Die Grenze fällt. Das Sperrgebiet nicht gleich, aber wenig später auch. Die neue Freiheit wird als großes Glück empfunden - das aber seinen Preis hat. "Das Gespenst der Arbeitslosigkeit geht um, das es früher nicht gab", erinnert Ute Hopf. Und doch hat Schalkau Glück. Große Betriebe schaffen es, sich auch über die Wende hinaus zu behaupten - bis heute.

Wenn sie in diesem Heute beobachten muss, wie der Umgang der Menschen untereinander rücksichtsloser und respektloser wird, ist nur zu verständlich, dass sie nach allem was sie erlebt hat, aufruft: "Wir müssen zusammenstehen, um die Probleme der Zukunft zu meistern!"

Landesvater des Aufbaus

Bernhard Vogel stand an der Spitze des Freistaates Thüringen, als es galt, die Probleme anzupacken, die ein derartiger Strukturwandel mit sich bringt, wie er in den damals neuen Bundesländern nötig war. "Es gab ein Ministerium in Bonn für gesamtdeutsche Fragen. Eins für gesamtdeutsche Antworten hat es nicht gegeben", schildert er die Schwierigkeit, damals die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Gegen das Jammern

Mögen nicht alle richtig gewesen sein, so führten sie doch zu einem Ergebnis, das sich nach Bernhard Vogels Meinung durchaus sehen lassen kann. Wenngleich er zu dem Schluss kommt: "Es muss einem wohl so gut gehen, wie es uns heute geht, damit man jammern kann, dass es uns morgen nicht noch besser gehen kann." Er ist sich mit allen Rednern darin einig, dass es uns in Deutschland heute so gut geht wie nie zuvor. Auch Bernhard Vogel verkennt nicht, dass es trotzdem Probleme gibt. Auch er mahnt dazu, sie gemeinsam anzugehen.

Als Staatssekretär im bayerischen Innenministerium erlebte Günther Beckstein den Fall der Grenze, den er noch am Tag zuvor kaum für möglich gehalten hatte, wie er sagte. Bis heute ist er begeistert von der Tatkraft der Franken in den Wochen danach. "Ohne Anordnung aus Berlin oder Bonn wurden immer weitere Wege über die Grenze geöffnet, ich weiß bis heute nicht, wo die Haushaltsmittel dafür herkamen, es wurde einfach gemacht." Dass auf beiden Seiten der Grenze Franken leben, musste für Günther Beckstein nicht erst durch den Beitritt des Landkreises Sonneberg zur Metropolregion Nürnberg untermauert werden.

Coburgs Landrat Sebastian Straubel war sechs Jahre alt, als die Grenze fiel. Doch an die Schlangen von Trabis durch Lautertal erinnert er sich noch gut. Mit Blick auf die Zusammenarbeit der Kommunen Schalkau, Rödental und Lautertal über die heutige Landesgrenze hinweg ist er überzeugt: "Wir dürfen als Modellregion der deutschen Einheit gelten."

An Opfer erinnert

Seinem Amtskollegen Hans-Peter Schmitz aus Sonneberg oblag das Schlusswort. Der Landrat erinnerte an die Menschen, die an der innerdeutschen Grenze ihr Leben verloren haben. Aber auch daran, dass die Itz von Schalkau aus ins Coburger Land fließt und dem Dialekt der gesamten Region den Namen gibt: das itzgründische Fränkisch.