Das Tageslicht wird sich noch ein wenig gedulden müssen. Wohl erst am 28. Dezember soll es mitbekommen, was sich in einer Asylunterkunft in Weismain bezüglich Drogenhandel abgespielt haben könnte. Am Mittwoch wurde gegen einen 24-jährigen Mann aus Sierra Leone eine gewichtige Anklage verlesen, denn was er im vergangenen Jahr an Marihuana besessen haben soll, schlug in den Bereich des Verbrechenstatbestands.

In Fußfesseln vorgeführt

Kurz vor 9 Uhr betrat der schlaksig wirkende Angeklagte in Fußfesseln den Saal 14 des Amtsgerichts. Zwei Polizeibeamte verbrachten ihn aus einer Justizvollzugsanstalt nach Lichtenfels und sollten der Anklageverlesung beiwohnen, zu der dem Mann aber doch die Ketten abgenommen wurden.

Über 250 Gramm Marihuana von hohem Wirkungsgehalt haben sich während einer polizeilichen Durchsuchung Ende Mai 2019 in der Flüchtlingsunterkunft bei ihm gefunden. Die Untersuchung des Fundes ergab, dass sowohl die Menge samt des enthaltenen psychoaktiven Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) so hoch waren, dass alles weit jenseits eine Deliktes lag. Doch der Angeklagte gab an, dass ihm das Marihuana nicht gehört habe. Es sei vielmehr so gewesen, dass ein weiterer Mitbewohner der Unterkunft von ihm eine Tasche erbeten habe, die er ihm dann auch lieh und überließ.

Im späteren Verlauf der Schöffengerichtsitzung, die unter dem Vorsitz von Richter Matthias Huber stand, sollte von dieser Tasche auch als von einem Rucksack gesprochen werden. Kurz und gut: Weil ihm die Tasche ja gehörte, hätten sich auch seine Fingerabdrücke gefunden. Was an der Aussage dran ist, ließ sich am ersten Verhandlungstag nicht klären, denn eben jener Mann, der sich diese Tasche geliehen haben soll, würde sich gar nicht mehr im Lande aufhalten. Über die Stationen Lichtenfels und Berlin sei er nach Frankreich gegangen. Das jedenfalls meinte der Angeklagte zu erinnern. Doch das Wort, welches er für diesen Mann gebrauchte, ließ aufhorchen: "Drogenkurier".

Auch wenn das Verfahren am Mittwoch nicht zum Abschluss kommen konnte, so gelang durch die Zeugenaussage einer Coburger Kripobeamtin doch immerhin der Eintritt in die Beweisaufnahme. Die Kommissarin berichtete von den Untersuchungen an jenem Rucksack und auch an einer aufgefundenen Waage. "Wir haben Verpackungsmaterialien untersucht und fanden Spuren von DNA, die (...) zuzuordnen waren", so die Frau mit Blick auf den Angeklagten. Der allerdings führte noch eine weitere Person ins Feld, einen weiteren Asylbewerber, der ihn eventuell entlasten könnte. Das Problem dabei: Der Mann ist wegen Corona derzeit in Quarantäne. Aber es gab noch einen weiteren Umstand, der bei dem Fortsetzungstermin beleuchtet werden könnte. Er liegt in der Frage, weshalb der Angeklagte bei seiner Festnahme davon sprach, dass der Rucksack ihm nicht gehöre, er nun aber doch einräumte, der Eigentümer gewesen zu sein.