Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind bereits jetzt gewaltig: Seit Wochen können viele Arbeitnehmer nicht in die Arbeit und wurden in Kurzarbeit oder Zwangsurlaub geschickt. Auch wenn die Kontaktbeschränkungen Schritt-für-Schritt gelockert werden, sind die wirtschaftlichen Folgen bisher noch nicht absehbar. Einige Branchen haben besonders hart zu kämpfen, zeigt eine Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos. Gerade die Produktion und der Tourismus leiden stark unter der Pandemie - zwei sehr starke Branchen in Franken. Wie stark trifft es uns?

In ihrer Studie haben die Forscher die Folgen der Pandemie auf unterschiedliche Wirtschaftbereiche beurteilt. Dafür bezogen sie Punkte, wie beispielsweise Umsatz- und Nachfragerückgänge, Kurzarbeit oder Schließung, sowie die weitreichenden Verkettungen der Lieferketten, mit ein. Mit dieser Einteilung und weiteren Strukturdaten der Bundesagentur für Arbeit sind Rückschlüsse möglich, wie stark einzelne Regionen von der Corona-Krise betroffen sind.

Welche Branchen sind besonders stark getroffen?

Die Branchen wurden wie folgt nach den Auswirkungen der Corona-Krise eingeteilt:

  • Hohe Betroffenheit: Herstellung von Vorleistungen (Chemie, Kunststoffe); Metall-, Elektro- und Stahlindustrie; Kultur- und Kreativwirtschaft, Tourismus/Gastgewerbe
  • Mittlere Betroffenheit: Land- und Forstwirtschaft; Logistik; Konsumgüterproduktion
  • Niedrige Betroffenheit (bspw.): Energie- und Wasserversorgung, Baugewerbe, Information und Kommunikation, Gesundheits- und Sozialwesen

Daten des bayerischen Landesamts für Statistik zeigen, dass in Franken besonders viele Leute in der Produktion und Dienstleistungsbranche arbeiten - also eher in höher betroffenen Wirtschaftszweigen. Mit der fränkischen Schweiz und den fränkischen Städten als Tourismusziel und großen Automobilzulieferern, wie beispielsweise Schaeffler und Brose, könnten vermutlich große Teile der fränkischen Wirtschaft stark leiden. So hat beispielsweise Brose am Mittwoch, dem 10. Juni, verkündet, dass man in der Corona-Krise erhebliche Umsatzeinbrüche erleiden musste und nun bis 2022 rund 2000 der 9000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen wolle.  

In der Karte lassen sich die Anteile der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in stark betroffenen Branchen erkennen. Es zeigt sich, dass es starke regionale Unterschiede gibt: So schwanken die Anteile von 13 Prozent und weniger, in der Stadt Würzburg und dem Landkreis Schweinfurt, bis zu über 40 Prozent in den Landkreisen Kronach, Main-Spessart und der Stadt Schweinfurt. Damit gehört Schweinfurt auch zu den fünf fränkischen Regionen, in denen die am meisten Beschäftigte in stark betroffenen Branchen arbeiten: 

Mehr betroffene Arbeitnehmer als im deutschlandweitem Vergleich

Am niedrigsten sind die Folgen der Krise hingegen in diesen fränkischen Regionen zu spüren:

  1. Bad Kissingen: 52,6% der Beschäftigten in wenig betroffenen Branchen
  2. Stadt Würzburg: 49,5% der Beschäftigten in wenig betroffenen Branchen
  3. Stadt Bayreuth: 49,1% der Beschäftigten in wenig betroffenen Branchen
  4. Stadt Coburg: 44,9% der Beschäftigten in wenig betroffenen Branchen
  5. Stadt Ansbach: 41,5% der Beschäftigten in wenig betroffenen Branchen

Die Daten von Prognos liefern auch einen Überblick über die Gesamtlage in Deutschland und Bayern:

  • Deutschland: Niedrig 39% / Mittel 39% / Hoch 22%
  • Bayern: Niedrig 36% / Mittel 37% / Hoch 27%
  • Durchschnitt Franken: Niedrig 35% / Mittel 36% / Hoch 29%

Der Vergleich zeigt, dass ganz Bayern tendenziell eher stärker von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise betroffen ist. Franken jedoch liegt mit sieben Prozent über dem deutschen Durchschnitt sogar deutlich darüber. 

Die Folgen der Corona-Krise in Tourismus und Automobilität

Ein Grund dafür könnte sein, dass in Franken besonders viele Automobilzulieferer niedergelassen sind. Denn betrachtet man diese Branche genauer zeigt sich, wie enorm die Folgen der Corona-Krise sind:

Es ist demnach offensichtlich, dass die Zahl der Neuaufträge in den letzten Monaten extrem zurückging. Grund für die kritische Situation bei Kraftwagen und Zulieferern ist, laut ifo-Institut, die geringe Nachfrage nach neuen Autos, was natürlich Auswirkungen auf die Lieferketten und die fränkischen Zulieferer hat. Dass viele Leute in Schweinfurt bei Schaeffler arbeiten, könnte die dort sehr hohe Zahl, an stark betroffenen Arbeitnehmern, erklären. 

Ebenso dramatische Folgen der Corona-Krise spürt das Gastgewerbe: Neueste Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass das Gästeaufkommen im April, verglichen zum Vorjahr, um ganze 89,3 % zurückging. Dies sei der stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe 1992, heißt es in einer Pressemitteilung. Bei ausländischen Gästen ging die Zahl mit 93,1 % noch viel deutlicher zurück. Aber selbst bei den Übernachtungsgästen aus Deutschland verringerte sich die Zahl um 88,5 %.