• Fast jeder vierte Franke pendelt täglich
  • Viele Menschen pendeln vom Land in die Stadt
  • Fränkische Großstädte sind Pendel-Hochburgen
  • "Pendel-Hauptstadt" ist jedoch ein Ort mit kaum mehr als 1000 Einwohnern.

Es sind erstaunliche Zahlen: Mehr als jeder vierte Franke pendelt jeden Tag zur Arbeit. Insgesamt 1,2 Millionen Menschen in Franken verlassen jeden Tag ihren Heimatort, um woanders Geld zu verdienen (Gesamtbevölkerung; 4,1 Millionen). Viele von ihnen fahren täglich dutzende Kilometer mit dem Auto - und stehen dann wie im Raum Nürnberg regelmäßig im Stau

Zeit und Geld: Eine halbe Million Pendler in Frankens Städte führen zu Stau

Dabei geht Pendeln in Zeiten hoher Spritpreise gehörig ins Geld. Die Regierung will Pendler eigentlich unterstützen - doch die Grünen sträuben sich noch. Unternehmen haben das Problem erkannt. Im Raum Nürnberg/Erlangen haben sich mehrere Firmen zusammengeschlossen und bieten ihren Mitarbeitern ein spezielles Mitfahrangebot an. Auch das 9-Euro-Ticket für den ÖPNV soll Pendler entlasten. Doch das hilft natürlich nicht, wenn es im Heimatort keine vernünftige Bus- oder Bahnanbindung gibt. 

Doch typische Pendlerstrecken sind jene vom Land in die Stadt - auf einen gut ausgebauten ÖPNV kann man sich da aber nur selten verlassen. So fahren täglich knapp 38.000 Menschen zum Arbeiten nach Bamberg. Gleichzeitig verlassen über 56.000 Menschen aus dem Landkreis Bamberg ihre Gemeinde, um woanders zu arbeiten, häufig mit dem Auto. Insgesamt pendeln über 520.000 Menschen täglich in die neun kreisfreien Städte Frankens. Also nach Ansbach, Aschaffenburg, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Fürth, Nürnberg, Schwabach und Würzburg

Doch was ist die wahre Pendler-Hauptstadt Frankens? Viele würde hier sicher auf Nürnberg tippen - die mit deutlichem Abstand größte Stadt Frankens. Andere vielleicht auf Erlangen - schließlich ist die mittelfränkische Stadt Sitz großer Unternehmen, vor allem Siemens. Oder gebührt Herzogenaurach die zweifelhafte Ehre? Schließlich hat der Ort nur etwas mehr als 23.000 Einwohner - mit Adidas, Puma oder Schaeffler sind hier aber bekannte Unternehmen mit zahlreichen Mitarbeitern ansässig.

Kleiner Ort, großes Unternehmen: Frankens Pendler-Hauptstadt liegt im Kreis Hof

Wenige dürften hingegen die oberfränkische Gemeinde Töpen auf dem Zettel haben. Nur knapp 1000 Menschen leben in dem Ort im Landkreis Hof - im Juni 2021 pendelten aber täglich 1475 Menschen nach Töpen - auf jeden Einwohner kommen also 1,4 Pendler von außerhalb. Damit hat sich Töpen sicherlich den Titel als "Pendler-Hauptstadt Frankens" verdient.  Hauptgrund dafür ist der Bio-Lebensmittel-Händler Dennree, der am Ortsrand riesige Lager gebaut hat. Dennree ist neben Bio-Lebensmittel und -Kosmetik auch bekannt für die Supermarktkette "Denns Biomarkt".

Ein vergleichbares Verhältnis von Einwohnern zu Pendlern kann nur noch die mittelfränkische Gemeinde Ergersheim vorweisen. Dort kamen auf die 1028 Einwohner 1420 Pendler (Verhältnis 1:1,38). In dem Ort im Landkreis Neustadt-Aisch liegt der Hauptsitz des Automobilzulieferers Mekra Lang, welcher vor allem Spiegelsystem herstellt. 

Von den fränkischen Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern hat Herzogenaurach den höchsten Pendleranteil: Auf einen Einwohner kommen im Stammsitz von Adidas, Puma und Schaeffler immerhin 0,86 Pendler. Auch Schweinfurt als wichtiger Industriestandort hat einen hohen Pendler-Anteil: Mit 0,75 Pendlern pro Einwohner liegt die unterfränkische Stadt bei den Orten mit über 50.000 Einwohnern unangefochten an der Spitze.

Bayreuther bleiben lieber daheim

Naturgemäß haben Schweinfurt und die anderen größeren Städte in Franken den niedrigsten Anteil von Auspendlern, also Menschen, die an einem anderen Ort arbeiten. Schweinfurt liegt hier mit einem Wert von 0,15 Auspendler pro Einwohner hinter Nürnberg (0,14) auf Platz drei. Glücklicher können sich die Bayreuther und Bayreutherinnen schätzen: Auf jeden Einwohner der oberfränkischen Stadt kommen nur 0,12 Personen, die woanders hin pendeln müssen.

Neben diesen größeren Städten findet sich nur eine kleinere Ortschaft im Kreis der Gemeinden, die eine niedrige Pendlerquote haben: Im oberfränkischen Tettau im Landkreis Kronach leben nur knapp 2000 Menschen. Nur 19,5 Prozent von ihnen muss die Gemeindegrenze verlassen, um zur Arbeitsstelle zu kommen. Der Rest hat vor Ort einen Job - beispielsweise in der Glasverarbeitung bei Gerresheimer oder Heinz-Glas.