Eigentlich sollte man annehmen, dass es umso wärmer wird, je weiter südlich man sich befindet. Doch Bayerns Hitzezentrum liegt im Norden des Freistaates. So wurden beispielsweise in Kitzingen gleich in zwei Jahren in Folge Rekordtemperaturen gemessen. Doch nicht nur "Schwitzingen", auch andere unterfränkische Städte sind oft deutlich wärmer, als andere Regionen in Bayern und ganz Deutschland. Warum ist dies so?

Auch in der aktuellen Hitzeperiode steigen die Temperaturen in Franken höher, als im Süden Bayerns. Während laut Deutschem Wetterdienst (DWD) am Mittwoch in Augsburg, Regensburg und München Höchsttemperaturen zwischen 33 und 35 Grad erreicht werden sollen, sind es in Nürnberg, Bamberg und Würzburg 37 Grad.  Gerade Unterfranken sticht bei den Temperaturen immer wieder heraus. Warum - das erklärt unter anderem der Klimaforscher Heiko Paeth, Professor für Geografie an der Universität Würzburg.

Heißes Unterfranken: Was sind die Gründe für die hohen Temperaturen in der Main-Region?

Paeth beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Klima - und hält auch in Franken regelmäßig Vorträge zu den Folgen des Klimawandels in der Region. Laut Paeth ist Unterfranken nicht nur die heißeste Region in Bayern, sondern auch besonders trocken. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk betonte er zuletzt noch einmal, welche Gründe es dafür gibt.

Franken und insbesondere Unterfranken wird fast komplett von Mittelgebirgen umschlossen

Betrachtet man eine topografische Karte Deutschlands, wird schnell klar: Unterfranken liegt fast komplett in einem Kessel. Gerade im Westen - also in jener Himmelsrichtung, aus der niederschlagsreiche Atlantikluft nach Bayern strömt, blockieren Spessart und Rhön die Luftmassen. Im Norden steht der Thüringer Wald der Luft im Weg und auch im Osten sind mit Erzgebirge, Fichtelgebirge, Fränkischer Schweiz und Bayerischem Wald hügelige Landschaften rund um Franken. 

Trockenheit verstärkt Hitze

BR-Wetterexperte Michael Sachweh stellt zudem klar, dass Trockenheit wiederum zu höheren Temperaturen führt: Trockener Boden erhitzt sich deutlich schneller, als nasser Boden. Zudem entstehen aufgrund der fehlenden Feuchtigkeit weniger Wolken - die Sonneneinstrahlung ist demnach noch intensiver.

Fluch und Segen: Hanglagen in Unterfranken

Mainfranken ist bekannt für Wein - Weinberge prägen das Bild in Unterfranken. Dass Wein hier so gut wächst, liegt an den hügeligen Hängen, auf die die Sonne intensiv scheint. Doch zwischen den Hängen staut sich die Luft, die Temperaturen steigen weiter. Das freut den Wein, Mensch und Tier an heißen Tagen jedoch weniger. Besonders schlimm wirken sich Hanglagen dann in Städten aus - wie beispielsweise in Würzburg.

Denn in Städten liegen die Temperaturen sowieso um einige Grad höher, als auf dem Land. Denn die enge Bebauung verhindert die Luftzirkulation und Beton absorbiert mehr Wärme, als bepflanzte Erde. Verhindern umringende Hügel dann noch zusätzlich die Luftbewegung, bildet sich ein regelrechter Hitzekessel.

Der tiefste Punkt Bayerns

Wenn in Würzburg am Mittwoch 37 Grad erreicht werden, dann werden es auf der Zugspitze laut DWD maximal 12 Grad: Je höher ein Ort gelegen ist, desto kälter ist es. Unterfranken liegt jedoch vergleichsweise niedrig. Kahl am Main liegt beispielsweise nur auf einer Höhe von 102 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit Bayerns "Tiefpunkt".

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