Denn Betriebsrat und IG Metall hätten demnach bereits Vorschläge und Alternativkonzepte erarbeitet, die das Unternehmen kaum verfolgte. "Es wurde nicht entschieden genug gegengesteuert. Ernst gemeinte Chancen für den Standort waren die letzten Jahre kaum erkennbar", bedauert Andrea Sicker, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg. "Jetzt zu sagen, es muss weiter abgebaut werden, denn der Standort ist seit Jahren verlustbringend, ist ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten", betont sie. Aktuell seien von einst 1.650 Beschäftigten im Jahr 2016 knapp zehn Jahre später nur noch 763 Mitarbeiter bei Valeo in Ebern beschäftigt. "Das ist bitter", betont Sicker.
Valeo schließt Werk in Bad Neustadt - Landratsamt Rhön-Grabfeld in Sorge
Ähnlich sieht es in Bad Neustadt aus: Die Nachricht der Werksschließung schockiert Reiner Gehring, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt und zuständiger Betriebsbetreuer: "Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen", betont er in einer Mitteilung der IG Metall.
Damit trete das ein, was die IG Metall schon 2023 vermutet habe: "Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben", ordnet Gehring ein. Der Arbeitgeber habe dieses Szenario damals vehement bestritten. Für die Gewerkschaft ist klar: "Die IG Metall Schweinfurt hält die Entscheidung für den absolut falschen Weg." Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert ergänzt: "Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen."
Man sei daher bereits in Abstimmung mit dem Landratsamt Rhön-Grabfeld und suche nach möglichen Lösungen. Dieses äußerte sich gegenüber der dpa zu der Nachricht und kommentierte die Entscheidung als schweren Schlag für den Industriestandort und den ländlichen Raum in Bayern. Der "schleichende Abbau von Industriearbeitsplätzen im Bereich Automotive und Maschinenbau" erfordere "gewaltige Gegenanstrengungen bundesweit, von der Bayerischen Staatsregierung, den Verantwortlichen vor Ort und den Beschäftigten". Landrat Thomas Habermann kündigte demnach an, "mit aller Kraft nach zeitnahen Zukunftsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten" zu suchen.
Dieser Artikel wurde mit Material der dpa erstellt.
Vorschaubild: © Simon Kadula / Unsplash (Symbolbild)