Deutschland ist eine Wohlstandsgesellschaft. Eine absolute Armut, die unmittelbar das Leben der Betroffenen bedroht, gibt es hierzulande laut Tafel Bayern nicht. In Deutschland wird eher von der relativen Armut gesprochen. Relativ bedeutet dabei im Verhältnis zum Wohlstand der Bevölkerung des Landes. Mit der Armutsgefährdungsquote kann relative Einkommensarmut gemessen werden. 

Armutsgefährdet ist, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung über die Runden kommen muss. Welcher Anteil der Bevölkerung zu dieser Gruppe gehört, wird mit der Armutsgefährdungsquote beschrieben. Im Jahr 2019 lag die Armutsgefährdungsgrenze für allein lebende Personen laut Statistischem Bundesamt bei 1.176 Euro netto im Monat und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.469 Euro pro Monat.

Mehr als jeder fünfte erwerbstätige Alleinerziehende armutsgefährdet

Regional ist die Armutsgefährdung in Deutschland sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wie die obenstehende Grafik zeigt, war das Armutsrisiko im Jahr 2018 in Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern am geringsten ausgeprägt. 11,7 Prozent der Bevölkerung waren dort von Armut bedroht. Das höchste Armutsrisiko gab es in diesem Jahr in Bremen. Dort ist jede*r vierte armutsgefährdet (22,7 Prozent). Bundesweit lag die Armutsgefährdungsquote 2018 bei 15,5 Prozent.

Unter den Erwerbstätigen waren im Jahr 2019 insgesamt 8,0 Prozent und damit 3,1 Millionen Menschen bundesweit armutsgefährdet. Am stärksten waren die Alleinerziehenden von dem Risiko bedroht. Jeder beziehungsweise jede fünfte von ihnen (22,3 Prozent) war 2019 betroffen. Auch junge Berufstätige zwischen 18 und 24 Jahren sowie die älteren ab 65 Jahren stechen hervor und sind deutlich mehr von Armutsgefährdung betroffen als der Rest der Erwerbstätigen.

Wie die Grafik zeigt, waren vor allem auch Menschen mit atypischen Beschäftigungen einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt. Zu atypischen Beschäftigungen zählen zum Beispiel Beschäftigungsverhältnisse mit befristeten Arbeitsverträgen oder Teilzeitbeschäftigungen. Bei letzteren lag das Armutsrisiko mit 12,8 Prozent deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 8,0 Prozent.

Ebenso geht aus dem Diagramm hervor, dass der Bildungsabschluss einen großen Einfluss darauf hat, ob Menschen von ihrer Arbeit später gut leben können oder nicht. Je geringer der Abschluss, desto schlechter stehen die Chancen.

Im bayernweiten Vergleich zeigt sich, dass im Jahr 2018 der Regierungsbezirk Oberbayern am geringsten von der Armutsgefährdung betroffen war. Die Quote lag dort bei 9,1 Prozent. In den beiden fränkischen Regierungsbezirken Oberfranken und Mittelfranken ist das Armutsrisiko am größten. Dort betrug die Armutsgefährdungsquote jeweils 13,9 Prozent.

Welchen Einfluss genau die Covid-19-Pandemie auf die Einkommen, Vermögen und deren Verteilung hat, kann in Zahlen bisher noch nicht wiedergegeben werden. Laut dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung haben die Maßnahmen zur Stützung der Einkommen, wie zum Beispiel das Kurzarbeitergeld oder der Kinderbonus, negative Auswirkungen der Krise erst einmal gemildert. Dennoch besteht das Risiko, dass sich die bereits bestehende Ungleichheit über kurz oder lang durch die Pandemie verstärken könnte.