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Eggolsheim
Kulturgeschichte

Wotan ist Namensgeber für viele Flurnamen in Franken

Der Namensforscher Joachim Andraschke hat in der Gegend um Eggolsheim und in ganz Franken viele Flurnamen gefunden, die auf vorchristliche Ursprünge verweisen.
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Joachim Andraschke beim Vortrag Foto: Elisabeth Görner
Joachim Andraschke beim Vortrag Foto: Elisabeth Görner
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Der Vortrag über "Sakrale Flurnamen" des promovierten Sprachwissenschaftlers Joachim Andraschke, der auch seit kurzem Kulturpreisträger des Frankenbundes ist (Vereinigung für fränkische Landeskunde und Kulturpflege), lässt heutzutage wahrscheinlich zunächst an christlichen Hintergrund denken. Aber der Bammersdorfer Namenforscher hat in der Gegend um Eggolsheim und in ganz Franken viele Flurnamen gefunden, die auf viel ältere, vorchristliche Ursprünge verweisen, zum Beispiel auf Kultstätten zu Ehren des nordisch-germanischen Gottes Wotan/Odin. Etwa 30 Zuhörer waren auf Einladung der Ortsgruppe des Fränkische-Schweiz-Vereins in die Eggolsheimer Kulturscheune gekommen. Sie hörten - sicher auch mit Staunen - von ehemaligen Opferplätzen in den ihnen zum Teil bekannten Fluren, von Gebieten, deren heute oft unverständliche Namen sich auch auf die sogenannte niedere germanische Mythologie (Walddämone, Kobolde, Hexen) beziehen und sogar noch heute in Sagen oder im Volks(aber)glauben weiterleben.

Eigentlich ein Tabuname

Weil Wotan eigentlich ein Tabuname für den obersten Gott war, wurden dessen viele Beinamen (nach der isländischen Edda schon allein 156) für die Flur- und Ortsnamen hergenommen wie etwa Bammersdorf aus "Bumannsdorf" - nach Wotan als dem Maskierten. Der Gott Wotan tauchte in Darstellungen oft mit zwei Wölfen auf, woher sich die auch in Franken häufig vorkommenden Flurnamen "Wolfsberg" und "Wolfsbühl" erklären lassen (Bühl = Berg). Die große Schlange (Drache, Wurm), von Wotan in die tiefe See geworfen, führte nach dem alten Glauben den Weltuntergang herbei - daher Namen wie "Wurmberg" und - bei Kronach - die "Schneckenlohe" (Schnecke hier = Wurm, Drache, Lohe = Niederwald, geheiligter Hain). Auch um das Walberla (Ehrenbürg), um Staffelstein, Hohenpölz und Hohenmirsberg kursieren Geschichten von der "Midgardschlange". Namen mit dem Wortteil "Watzmann", zum Beispiel der Watzmannsberg bei Kauernhofen, sprechen Wotan die Eigenschaften "schnell, mutig" zu und dass er die Herrschaft über das Treiben, die Jagd, ausübt. Bei Kirchleus (heute zu Kulmbach gehörend) gibt es den "Scham(m)elstein"; es ist die älteste Wotansdarstellung im süddeutschen Raum. Die Zuordnung, die auch vom Landesamt für Bodendenkmalpflege akzeptiert worden ist, konnte Joachim Andraschke durch seine Nachforschungen vornehmen. Die Steinbearbeitung dürfte aus dem 4./5. Jahrhundert stammen.

Wotans Sohn Thor

Auch Wotans Sohn Donar (Thor), der Donnergott, hatte einen Beinamen: Der "Bilwitzo" - aus dem Mittelhochdeutschen "bil" (Steinhaue, Spitzhacke) - und damit kombiniert das althochdeutsche "wizzo" (der Kundige, Weise) haben zu Flurnamen wie "Bilwitzstaude" bei Drügendorf geführt und zum "Pilwertsgraben" bei Eggolsheim. Die Staude ist hier keine (lebende) Pflanze, sondern der Stumpf eines Baumes, den vielleicht später ein christlicher Pfarrer hat abschlagen lassen, weil es sich um eine heidnische Donareiche gehandelt hatte. Der Begleiter Donars war ein Ziegenbock; so kommt es zum "Bocksberg". Die angrenzende Flur "Kitzigteich" hat sich ursprünglich auf (ahd. kitzi) ein Kitz/Ziegenjunges bezogen. Heute heißt die Flur "Kindlesteich", weil einer natürlich jüngeren Sage nach dort sieben Kinder erfroren sein sollen. Aber wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen alten Opferplatz zu Ehren Donars handelt.

Die Hexen

Die Truden (Hexen) der sogenannten niederen Mythologie lieferten - lautlich abgewandelt - Flurnamen wie "Trudentanz" bei Eggolsheim, (nach einer Urkunde noch von 1621) "ein Ackerlein im Druttengraben" in Unterstürmig, etwas später verzeichnet "an den Drutenleiten" in Tiefenstürmig oder das "Druttengäßlein" (1594) in Rettern. So mancher der (meist älteren) Zuhörer des hochinteressanten Abends mit Joachim Andraschke konnte abschließend noch eigene Erzählungen beisteuern und beweisen, dass uralte Sagen und Mythen noch (hoffentlich lange) im Bewusstsein der Menschen sind.

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