Mindestens fünf Mal pro Woche besucht Irmi Wagner das Königsbad. Für sie ist das Aqua-Jogging eine Art Lebensversicherung. Denn die 64-Jährige leidet an Multiple Sklerose, die Bewegung im Wasser ist für sie alternativlos. Seitdem das Bad wegen Corona geschlossen habe, sei sie schon drei Mal gestürzt, erzählt Irmi Wagner; das fehlende Training mache sich am schwindenden Gleichgewichtssinn bemerkbar.

"Der Oberbürgermeister hat ja schon vor drei Wochen die Badöffnung angekündigt, seitdem habe ich darauf gefiebert", sagt Irmi Wagner. Umso enttäuschter sei sie gewesen, als das Landratsamt am Mittwoch der Wiedereröffnung verhindert habe.

Wie berichtet, stoppte die Aufsichtsbehörde am Mittwoch das "Anschwimmen": OB Uwe Kirschstein (SPD) musste die Sportler des SSV, der DLRG und der Wasserwacht kurzfristig nach Hause schicken - und auch aus der Badöffnung am Donnerstag (21. Mai) wurde natürlich nichts. Das Landratsamt hatte angekündigt, das Bad notfalls von der Polizei räumen zu lassen.

Für Sigrid Wagner, die ihre Mutter regelmäßig ins Königsbad fährt, ein ärgerlicher Vorgang. Im Landratsamt sei erst gar nicht versucht worden, die Infektionsmaßnahmenverordnung großzügig auszulegen, meint Sigrid Wagner; sonst hätte die Behörde sich an anderen Bundesländern orientieren und das Königsbad öffnen können. "Meine Mama hat mit der Nichteröffnung sehr gekämpft. Wer an Multiple Sklerose leidet, für den sind die Möglichkeiten ziemlich eingeschränkt." Die Juristen der Aufsichtsbehörde hätten offenbar "ignoriert, dass das Königsbad kein reines Spaßbad ist und dass es hier Menschen gibt, die Reha-Sport machen", sagt Sigrid Wagner.

"Wir bedauern, dass das Landratsamt zu diesem Schritt gezwungen wurde", rechtfertigte am Freitag (22.Mai) die Pressestelle des Landrates. In der Mitteilung heißt es, dass die Stadt erst zwei Tage vor der geplanten Eröffnung aktiv informiert habe. Das Hygienekonzept sei erst am Mittwoch bekannt gewesen, "was aber am grundsätzlichen Verbot der Eröffnung nichts ändert".

Es gehe aber nicht nur um Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt seien, betont Irmi Wagner: "Mit mir trainieren täglich Leute, die Wirbelsäulenprobleme haben oder unter Bluthochdruck leiden". Alle seien sie auf die Öffnung des Bades angewiesen: "Wir warten und es ist dringend." Ihre Hoffnung ruhe nun auf dem gerichtlichen Vorstoß der Stadtverwaltung, sagt Irmi Wagner.

Nur fünf Infizierte im Landkreis

OB Kirschstein hatte bereits am Mittwoch juristische Konsequenzen angedeutet. Am Freitag Vormittag bereiteten er und der städtische Rechtsrat Till Zimmer die Klage vor. Dem FT erläuterte Kirschstein: "Das Landratsamt hat überhaupt nicht gewürdigt, wie wir mit dem Infektionsgeschehen umgehen". Die Aufsichtsbehörde habe lediglich von der "Öffnung für die Allgemeinheit gesprochen". Daher ist Kirschstein zuversichtlich, dass die Klage vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth "den Bescheid des Landratsamtes kippen" könnte. "Mit derzeit fünf Infizierten im Landkreis Forchheim ist das Infektionsgeschehen überschaubar", argumentiert Kirschstein. Das Interesse an einem Erfolg des Eilantrages in Bayreuth scheint groß. Nicht nur aus der Bürgerschaft hat Uwe Kirschstein "extrem viele Zuschriften" erhalten. "Auch viele Bäder in Bayern schauen auf uns. Sie haben großes Interesse an der Öffnung." Mit einem Hygienekonzept nach Forchheimer Vorbild sei das Risiko tragbar, betont Kirschstein: "Wo anders trägt es ja auch", sagt er mit Hinweis auf NRW oder Österreich.

Irmi Wagner jedenfalls geht davon aus, dass sie in wenigen Tagen wieder in ihr geliebtes Königsbad darf. "Der normale Menschenverstand sagt, dass im Chlorwasser kein Virus überleben kann. Meine Hoffnung ruht auf den Richtern, dass sei beherzt und mutig entscheiden."