"Geändert hat sich hauptsächlich, dass viel weniger Termine stattfinden. Hier fehlen mir die Kontakte mit den Bürgerinnen und Bürgern ", meint Hanngörg Zimmermann (FW), Bürgermeister der Marktgemeinde Gößweinstein. So ergeht es auch Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE): "Aufgrund der Kontaktbeschränkungen habe ich das Ohr nicht mehr so nah am Bürger , wie ich es mir wünsche."

Feste, Vereinssitzungen oder Gratulationstermine, bei denen sich die Bürgermeister zwanglos mit den Bürgern austauschen konnten, entfallen aktuell. "Manches Gerücht wurde da aufgeklärt oder ich bekam Feedback zu Diskussionen im Stadtrat ", ergänzt Christiane Meyer . Für beide ist es die zweite Amtsperiode. Und die hat es in sich.

Bürgermeister weitgehend auf sich gestellt

"Mit der Entwicklung der Pandemie hat wohl zu Beginn kaum einer gerechnet. Ich gehöre zu einer Generation, für die beispielsweise eine Ausgangssperre unvorstellbar war", sagt die Bürgermeisterin. Ihr Amtskollege hatte wohl mit einem Lockdown gerechnet, ihm war jedoch vorher nicht klar, was das in der Praxis bedeutet. "Zu Beginn des vergangen Jahres kamen täglich Informationen aus dem Innenministerium, welche geholfen haben die ‚Großwetterlage‘ besser einschätzen zu können", erinnert sich Zimmermann und lobt auch die Informationen durch den Bayerischen Städtetag.

Doch sonst waren die Bürgermeister auf sich gestellt. "Die Situation musste Tag für Tag bestmöglich bewältigt werden", sagt Christiane Meyer . Sie setzt große Hoffnung auf die Impfungen und versteht, dass es die Bürger leid sind, sich jeden Tag mit Corona auseinandersetzen zu müssen: "Insgesamt bin ich mit der Art der Krisenbewältigung sehr zufrieden und schreibe Deutschland und unserer Demokratie ein gutes Zeugnis aus." Begeistert sind die Beiden allerdings von den Bürgern ihrer Gemeinde und deren Hilfsbereitschaft.

Während ihrer ersten Amtsperiode hatten die beiden Bürgermeister die Möglichkeit, sich ein Netzwerk aufzubauen, das jetzt die Kommunikation vereinfacht. "Alle Themen, die in Bearbeitung oder vorgeplant waren beziehungsweise zur Umsetzung standen, konnten so auch weiter bearbeitet und umgesetzt werden", erklärt Hanngörg Zimmermann.

Da die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie nicht absehbar sind, will die Marktgemeinde in diesem Jahr vorsichtiger agieren: "Es gilt jetzt mit Bedacht in die Zukunft zu schreiten und sich auf die wirklich wichtigen Themen zu konzentrieren." Und auch Christiane Meyer kann viele Maßnahmen aufzählen, die im vergangenen Jahr angegangen und umgesetzt wurden: "Vieles ist im Vergleich zur ersten Amtsperiode anders, allerdings ist das Pensum nicht weniger zeitintensiv. Der Alltag ist kaum planbar."

Herzensprojekt aufschieben

Ein Projekt, das ihr am Herzen liegt, ist die Halbstundentaktung der Bahnlinie. Hier fehlt die Zeit, um das Thema mit Nachdruck zu verfolgen.

Unterstützt werden die Bürgermeister von ihren Mitarbeitern. "Verwaltungen sind keine Maschinen. Durch die Corona-Pandemie kommt es auch bei uns zu Ausfällen", sagt die Bürgermeisterin und erklärt, dass hier Flexibilität und Solidarität nötig sind, denn durch Quarantäne oder häusliche Kinderbetreuung gebe es immer wieder Ausfälle.

"Die Prozesse der klassischen Verwaltung lassen ein Arbeiten von zu Hause nur bedingt zu. Wir haben aber zwischenzeitlich zusätzliche Laptops angeschafft und sind gerade in der Erprobungsphase mit Homeoffice", berichtet Zimmermann. Er selbst kaufte sich im April vergangenen Jahres privat ein Tablet, damit er im Falle einer Quarantäne jederzeit erreichbar ist.

Doch wie hat sich der Kontakt der Bürger zum Bürgermeister oder zur Bürgermeisterin in Zeiten von Corona geändert? "Grundsätzlich bin ich nach wie vor direkter Ansprechpartner für alle Bürgerinnen und Bürger ", antwortet Hanngörg Zimmermann und meint aber auch, dass Corona die Nerven der Bürgerinnen und Bürger gerade sehr strapaziert.

Er ärgert sich, dass von der Politik Pressemitteilungen abgehalten und Entscheidungen getroffen werden, aber auf konkrete Nachfragen keine Antworten gegeben werden: "Verlässlichkeit sieht anders aus. Wir müssen die Menschen abholen, informieren und dann die Entscheidungen mitteilen und nicht erst die Entscheidungen verkünden und dann informieren."

Kontaktformen haben sich geändert

Christiane Meyer sieht, dass sich der Kontakt zu den Menschen geändert hat, denn viele Bürger wenden sich derzeit eher mit ihren Sorgen und Anliegen an sie und erwarten Hilfe, Rat oder Vermittlung: "Es ist oft schwer, die Flut zu bewältigen. Mit Sorge bemerke ich gerade in den letzten Wochen eine Veränderung bei den Menschen."

Meyer hat den Eindruck gewonnen, dass sich die Stimmung verschlechtert, viele einsam und deprimiert sind. Manche Menschen kommen mit dem Unterricht zuhause nicht zurecht oder haben Existenzängste .

Doch sie sagt auch: "Ich stelle aber auch fest, dass das Vertrauen, das der Verwaltung und mir damit gegenübergebracht wird, in der Bevölkerung weiter besteht, und das macht uns im Rathaus Mut."