Ein Blick auf den Altersquotienten im Landkreis Forchheim zeigt: Die Zahl der Menschen, die mindestens 65 Jahre alt sind, steigt rapide. Im Jahr 2018 lag der Altersquotient noch bei 33,2 Prozent. Das heißt: Auf je 100 Personen im Alter zwischen 20 bis 64 Jahren kamen 33 Menschen, die 65 Jahre und älter waren. Zwei Jahrzehnte später, also im Jahr 2038, wird der Altersquotient bei 55,5 liegen.

Das Thema Senioren und damit auch das Thema Pflege, nimmt demnach im Landkreis eine immer dominantere Stellung ein. Daher hat sich die Kreispolitik entschlossen, einen sogenannten Pflegestützpunkt einzurichten. Ende 2021 wird der am Landratsamt angesiedelte Stützpunkt seine Arbeit aufnehmen.

Romy Eberlein, die Seniorenplanerin des Landkreises, (zur Person, siehe Infobox) betont, dass die große Aufgabe des Pflegestützpunktes sein werde, die schwer überschaubare Vielfalt der Angebote zu koordinieren. An Hand eines aus tatsächlichen Fällen zusammengesetzten Beispiels erklärt sie die Möglichkeiten und Komplexität des Themas:

Das Ehepaar Anton und Berta Sorgsam lebt in hohem Alter selbstständig in einer Wohnung. Anton Sorgsam erleidet einen Schlaganfall. Was muss jetzt geschehen?

1. Hilfreiche Mappe

Im Idealfall hat Anton Sorgsam eine Notfallmappe bereitliegen, in der die wichtigen medizinischen Daten gesammelt sind. Noch während der Schlaganfallpatient in der Klinik liegt, beginnt sich Berta Sorgsam beraten zu lassen.

2 Die Facetten der Angebote im Notfall sind äußerst vielfältig

Der Landkreis hat einen "Wegweiser für Senioren und Menschen mit Behinderung" ausgearbeitet, der zeigt, wer für was zuständig ist. Der Pflegestützpunkt wird an digitalen Angeboten weiterarbeiten. "Wenn plötzlich der Notfall da ist, können die meisten Menschen gar nicht wissen, wie vielfältig die Facetten der Angebote sind", sagt Romy Eberlein.

Fragen über Fragen: Wie werden die Angebote finanziert? Welche personellen Kapazitäten zur Entlastung der pflegenden Angehörigen gibt es? Und welche Hilfsmittel werden bezahlt?

Vor allem übernehmen die beiden Fachstellen für pflegende Angehörige (Diakonie und Caritas, mitfinanziert durch den Landkreis) die Beratung. Die Gesamtzahl der zu beratenden Neuzugänge lag im Jahr 2013 noch bei 509. Bis zum Jahr 2018 Stieg die Zahl auf 1229. Wobei nur 17 Prozent der Angehörigen mit nur einer Beratung auskommen. 45 Prozent lassen sich "mehr als drei Mal beraten".

3. Schwer zu überbrücken

Während Anton Sorgsam in der Klinik liegt, sucht die Klinik-Verwaltung einen Reha-Platz.

Bis er tatsächlich die Reha antreten kann, muss er erfahrungsgemäß vier bis sechs Wochen auf seinen Platz warten.

Und nur in drei von zehn Fällen können zur Überbrückung Kurzzeitpflegeplätze genutzt werden. Romy Eberlein: "Hier braucht es dann schon oft das volle Potenzial der Angebote, wie ambulante Dienste und stundenweise Betreuung."

4. Helfen die Nachbarn?

Spätestens während Anton Sorgsam auf Reha ist, muss geklärt werden, ob es möglicherweise einen "Suchthintergrund" gibt und wie es um die "Grundsicherung im Alter" bestellt ist.

Weitere wichtige Fragen, die für Anton Sorgsam nach der Reha wichtig sein könnten:

Wie wird er den Arzt erreichen? Welche zusätzliche Betreuung ist möglich, wenn es Anzeichen von Demenz gibt?

5. Wie ist es um die Nachbarschaftshilfen bestellt?

In die Selbstständigkeit entlassen und auf weitere Hilfe angewiesen

Anton Sorgsam ist nach der Reha in die Selbstständigkeit entlassen. Wenn sich Berta Sorgsam länger um ihren Mann kümmern können soll, sind teilweise zusätzlich Hilfen wie Essen auf Rädern gefragt. Auch das Thema Landespflegegeld muss geklärt sein.

Romy Eberlein betont, dass vieles im Landkreis Forchheim "gut läuft": Neben der Beratungsarbeit der Fachstellen hebt sie die Arbeit des Kreisseniorenrings hervor, der die Seniorenplanung im Landkreis Forchheim koordiniere. Das Engagement "vor Ort" gelinge auch dank der gemeindlichen Seniorenbeauftragten. Hilfreich seien zudem Institutionen wie die Koordinierungsstelle "Wohnen im Alter - Bayern"; oder die Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken, die ihren Sitz in Bamberg hat, aber vom Landkreis Forchheim mitfinanziert wird.

"Bei der Anzahl der Tagespflegen sind die Institutionen im Landkreis Forchheim schon seit längerem unter den drei besten in Bayern", betont die Seniorenplanerin des Landkreises. Aber es gebe eben auch noch einige "Schwierigkeiten". Daher sei die "pflegefachlich vertiefte Netzwerkarbeit" des neuen Pflegestützpunktes so bedeutsam.

6. Lücke schließen

Wie etwa könnte geholfen werden, wenn nicht nur Anton Sorgsam, sondern wenig später auch seine Frau Berta krank werden würde? Dafür gäbe es dann die sogenannte Verhinderungspflege.

Was die Lücke zwischen Klinik und Reha betreffe, müssten Strukturen verbessert werden, weiß Romy Eberlein. Daher wird sie in den nächsten Monaten, wenn sie das Konzept für den Pflegestützpunkt schreibt, die Beratungslandschaft genauer betrachten: "Wir brauchen mehr ganzheitliches Fallmanagement. Und wir brauchen mehr Beratungskapazitäten, etwa wenn es um die psychosoziale Beratung der Angehörigen geht."

Zur Person Romy Eberlein ist seit November 2016 die Seniorenplanerin für den Landkreis Forchheim. Nach einer Ausbildung zur Handelsfachwirtin und in der Altenpflege studierte sie Gesundheits- und Sozialmanagement.

Neben ihrer Rolle als Seniorenplanerin ist Romy Eberlein beim Landkreis auch als Behindertenbeauftragte und an der Technischen Hochschule Nürnberg als Lehrbeauftragte tätig. Ehrenamtlich engagiert sich Romy Eberlein in der Suchtkrankenhilfe.

Aktuell macht sie per Fernstudium ihren Master in "Sozialraumentwicklung" und arbeitet am Konzept für den neuen Pflegestützpunkt des Landkreises. Dabei gehe es viel um "sozialrechtliche Aspekte", sagt Romy Eberlein. Ihr bereite es "Spaß, mitzugestalten".