Zollfahnder sind am Mittwoch auf der Baustelle neben dem Forchheimer Bahnhof im Einsatz gewesen und haben Bauarbeiter kontrolliert. Die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Schweinfurt ermittelt auf Verdacht, ob Löhne und Sozialabgaben richtig gezahlt wurden.

Wenn es nach Hans Beer ginge, müssten derartige Kontrollen viel öfter in der Region stattfinden. "Schwarzarbeit auf Baustellen ist nach wie vor ein Riesensumpf. Auch bei uns in Franken gibt es leider das Problem", erklärt der Regionalleiter Franken der IG Bau.

Zu viert in einem Container

Zum Beispiel gebe es auch in der Region immer wieder Fälle, wo Bauarbeiter drei bis vier Stunden am Tag umsonst arbeiten, ohne für die geleistete Arbeit bezahlt zu werden. Manche Kollegen würden wie Tagelöhner behandelt, betont der Gewerkschafter. Die IG Bau ist auch Ansprechpartner für ausländische Arbeiter. Beer hat als Betonbauer gearbeitet und weiß aus eigener Hand, wie manche Arbeiter auf Montage teilweise ausgebeutet werden. "Die schlafen mit drei oder vier anderen eng in einem Containern zusammen", berichtet der Gewerkschafter.

Auch Christian Jaklin, Obermeister der Bau-Innung im Kreis Forchheim, weiß, dass es Schwarzarbeit auf Baustellen in der Region Forchheim gibt. "Aber das Problem herrscht vor allem bei größeren Bauprojekten, wo es zu langen Werkvertragsketten kommt", erklärt er.

Durch Schwarzarbeit gehen dem Fiskus jährlich Millionen an Steuern verloren. Zum Schwarzarbeit-Einsatz am Forchheimer Postquartier erklärt Pressesprecherin Tanja Manger vom Hauptzollamt Schweinfurt, dass sie dazu keine Informationen preisgibt, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Die Finanzkontrolle der Schweinfurter Zöllner deckte im vergangenen Jahr 20,7 Millionen Euro Schaden auf, der durch Schwarzarbeit oder illegale Beschäftigung entstanden war.

Zudem führten Ermittlungen im Rahmen der Schwarzarbeitsbekämpfung zu weiteren 2,3 Millionen Euro aufgedeckter Steuerschäden. 2019 haben die Zöllner 1778 Ordnungswidrigkeitsverfahren abgeschlossen und 2,2 Millionen Euro Geldbußen verhängt. 2650 Ermittlungsverfahren zur Ahndung von Straftaten konnten abgeschlossen werden. Knapp 913 000 Euro Geldstrafen aus Urteilen und Strafbefehlen wurden festgesetzt. Die Gerichte verhängten im Zuge der Ermittlungen der Schweinfurter Finanzkontrolle Schwarzarbeit 35 Jahre Freiheitsstrafen.

Bessere Strafverfolgung nötig

Um die Ausbeutung und den Sozialbetrug effektiver zu bekämpfen, bräuchte der Zoll aber mehr Personal und die Strafverfolgung müsse verbessert werden, fordert der fränkische IG Bau-Regionalleiter Hans Beer. Denn selbst wenn die Zollermittler einen möglichen Schwarzarbeit-Fall akribisch dokumentiert, würden beispielsweise die Staatsanwaltschaften diesen oft nicht bis zu Ende verfolgen, kritisiert Beer. "Aber nur wenn man die Fahndung verbessert, hätte es auch eine abschreckende Wirkung."