Das fränkische beziehungsweise Bamberger Reinheitsgebot ist zwar noch etwas älter, es stammt aus dem Jahr 1489, aber dies feiern die Franken nicht wirklich - vermutlich weil Bier zum alltäglichen Gebrauch gehört, so wie Schäuferla oder Bratwürste. Trotz alledem werfen Franken einen Blick in die "Bierseele der Fränkischen Schweiz", schließlich hat diese Region einiges zu bieten.

Ganz oben in der Bierliste steht Aufseß, das seit 15 Jahren einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde als "Gemeinde mit der, gemessen an der Zahl der Einwohner, höchsten Brauereidichte der Welt" hält.

Draufgekommen sind die Aufseßer durch einen Bericht in der Zeitung, in dem Hallerndorf mit fünf Brauereien für 4000 Einwohner die größte Brauereidichte für sich beansprucht hatte. Die Aufseßer rechneten nach und kamen in ihrer Gemeinde auf vier Brauereien bei rund 1500 Einwohnern.
Diese Erkenntnis haben sie weiter gemeldet. Nicht minder rekordverdächtig sei überhaupt die Brauereidichte der Fränkischen Schweiz. 70 Stück gibt es auf geschätzt 110 000 Einwohner.


Tradition der Familienbrauereien

Die meisten Brauereien sind Familienbetriebe, die auf eine lange Brautradition zurückblicken können. Als älteste Brauerei gilt die Brauerei Rittmayer in Hallerndorf, die 1422 gegründet wurde, gefolgt von der Brauerei Hönig in Tiefenellerm im Jahr 1478 und, wen wundert es, die viel gerühmte Kathi-Bräu in Heckenhof. Hier wird nachweislich schon seit 1498 Bier gebraut.

Die Klosterbrauerei Weißenohe schätzt zwar in der eigenen Chronik, dass es schon im 12. Jahrhundert Klosterbier gab, der schriftliche Nachweis dazu fehlt allerdings. Apropos Klosterbier: Die Gößweinsteiner hatten früher auch eine Brauerei. Irgendwie scheint sich das nicht rentiert zu haben, denn 1886 kaufte die heutige Brauerei Rothenbach dem Franziskanerkloster in Gößweinstein die Brauereieinrichtung ab. Kurz darauf gab es den ersten Sud, Aufseßer Bier. So steht es auf der Brauerei-Homepage.

Ebermannstadt hält in Bezug auf Bier gleich mehrere Rekorde: 1950 gab es im Ort noch 13 Brauereien (heute zwei). Und es gab den berühmten "Bierkrieg" mit Pretzfeld. Er begann 1323 mit der Verleihung der Stadtrechte an Ebermannstadt und endete erst 650 Jahre später.

In der Ernennungsurkunde stand, dass im Umkreis von einer Meile nur Ebermannstädter Bier verkauft werden durfte. Daran hielten sich die Pretzfelder aber nicht. Die Begründung lieferte der Dorfvogt 1510 in einen Brief an den Ebermannstadter Kollegen. Er schrieb, dass leider die längst bestellte und bezahlte Bierlieferung immer noch nicht eingetroffen sei. Er schrieb weiter: "Das nächste Bier muss stärker eingebraut sein. Das letzte war so schwach, dass an der Kirchweih nicht ein einziges Mal gerauft wurde."
Erst 1973 kam es zur offiziellen "bier-historischen" Versöhnung beider Gemeinden.


Forchheimer Bier startet durch

Beim "Bamberger Bierkrieg" ging es 1907 um eine Preiserhöhung um einen Pfennig auf elf Pfennige. Da die letzte Bierpreiserhöhung 1797 war, traten zwei Bamberger Wirte in den Bierstreik: Anstatt das teure Bamberger Bier zu verkaufen, boten sie billiges Bier aus Forchheim an. Nach einer Woche gaben die Bamberger Brauereien nach und zogen die Preiserhöhung zurück. Die Macht der Verbraucher hatte gesiegt.
Die Gegend um Gräfenberg bietet seit Jahren den sogenannten "5-Seidla-Steig". Einen Wanderweg, der zu fünf Brauereien der Umgebung führt. Er wird von rund 25 000 Menschen alljährlich begangen.
Mittlerweile gibt es acht Wege von Brauerei zu Brauerei allein in der Fränkischen Schweiz. Eine weitere Besonderheit in Bezug auf das Bier gibt es in Pegnitz. Dort wird seit 1728 das "Flindern" betrieben. Flinderer sind brauberechtigte Bürger, die keine Gastwirtschaft haben und daher im Sommer ihr selbstgebrautes Bier eine Woche lang in der Stube ausschenken durften.

Wenn man die Urkunden zur Stadterhebung von Ebermannstadt (1323) und Waischenfeld (1315) studiert, wird klar, dass die Bierherstellung im Mittelalter den Städten vorbehalten war. Das sprach sich beim Landadel herum, der an dem Geschäft teilhaben wollte. Dies war in Pretzfeld und Hollfeld der Fall. Der Bierkrieg dort hatte allerdings tödliche Folgen. Dort begleiteten 1699 76 bewaffnete Bürger ein Fass städtisches Bier, das ein Untertan für seine bevorstehende Hochzeit bestellt hatte, nach Sachsendorf. Der örtliche Ritter widersetzte sich und wollte nicht zulassen, dass fremdes Bier in sein Territorium kam. Er verschanzte sich mit 15 Männern, und es kam zum Schusswechsel, bei dem drei Männer ihr Leben ließen, darunter der Adlige selbst, wie Bezirksheimatpfleger Günther Dippold kürzlich herausfand.
Neben privaten Brauhäusern gab es auch sogenannte Kommunalbräuhäuser, in denen jeder Stadtbürger das Recht hatte, gegen Gebühr das eigene Bier zu brauen. Erst mit der Privatisierung ab 1807 wurde die Bannmeile für das Bier aufgehoben, die Errichtung privater Braustätten forciert. 1868 ernteten die Bauern laut Hopfenzeitung 16 000 Zentner Hopfen im Bezirksamt Forchheim, plus 1800 Zentner aus dem Bezirksamt Ebermannstadt. Die Fläche war damals schon fast halb so groß (1800 Hektar), wie heute die Fläche für den gesamten Obstanbau der Region ist. Nachdem schon Ende des 18. Jahrhunderts der Anbau von Gerste als Grundstoff für das Malz staatlich gefördert worden ist, waren die laut Reinheitsgebot notwendigen Inhaltsstoffe massenhaft und damit preiswert vorhanden.