Vor zwei Jahren sei hier noch ein "Vogel-Eldorado" gewesen, sagt Gunter Brokt. Doch das Blaukehlchen komme am Höllein-Baggersee jetzt nicht mehr vor. "Und die Nachtigall singt nicht mehr und auch die Rohrsänger sind weg", sagt der Forchheimer Naturschutzwächter. "Wo sollen sie auch leben, wenn die Uferböschung abgeholzt wurde?" Brokt ist verärgert über das Vorgehen des Fischereivereins Eggolsheim: "Ich kann doch nicht hergehen und Bäume umsägen, nur damit ich meine Angel auswerfen kann."

Doch das abgeholzte Ufer ist nur ein Teil eines "mehrteiligen Dramas", sagt Eduard Zöbelein, der Bund Naturschutz-Vorsitzende im Ortsverband Hallerndorf/Eggolsheim. Der erste Akt des Dramas hat aus seiner Sicht vor über zehn Jahren begonnen. Damals kaufte der Fischereiverein von der Gemeinde Eggolshei m den östlichen Höllein-Baggersee. Seitdem wird hier geangelt. Schon diesen Verkauf hält Eduard Zöbelein für fragwürdig: "Hätte die Untere Naturschutzbehörde diese Nutzung überhaupt genehmigen dürfen?"

Schlamm vernichtet Sandböden

Nach dem Abholzen der Bäume und Hecken im Herbst baute der Fischereiverein dann auch noch einen Schotterweg zum Wasser, um einen verlandeten Teil des Sees ausbaggern zu können. "Dadurch wird nährstoffreicher Schlamm am Ufer abgelagert und die Sandböden werden zerstört", beklagt Zöbelein.

Der BN-Aktivist hat viele Fragen. Schon 2017 wollte er von der Unteren Naturschutzbehörde wissen, weshalb Bäume mit einem Stammdurchmesser von 80 Zentimetern im Schutzgebiet "umgemacht" wurden. "Keine Reaktion des Landratsamtes", bedauert Zöbelein.

Seine aktuelle Anfrage bezieht sich auf die platt gemachte Uferböschung. Ein "grobes Vergehen gegen das Naturschutzgesetz" sieht Zöbelein in den "massiven Baumfällungen". Der "Sachverhalt" sei der Unteren Naturschutzbehörde bekannt, sagte Christian Maltenberger am Dienstag unserer Zeitung. Der Fall werde "sorgfältig und umfassend geprüft". In der kommenden Woche werde die Behörde Stellung beziehen.

Eduard Zöbelein ist überzeugt, dass in diesem Vogelschutzgebiete das EU-Naturschutzrecht missachtet wird. Er fordert, dass die Gemeinde Eggolsheim den Baggersee zurückkauft, um den Schutzstatus sicherzustellen. Theoretisch sei das zwar möglich, sagt Stefan Loch, der Geschäftsführer der Gemeinde Eggolsheim. "Doch erstmal müsste eine Verkaufsbereitschaft da sein. Es sind keine dererlei Anliegen an uns herangetragen worden."

Der Fischereiverein war bislang für kein Statement gegenüber dem FT zu erreichen. Aber Eduard Zöbelein sagt, er habe schon mit vielen Anglern gesprochen; sie hielten ihr Agieren am Baggersee für erlaubt.

Naturschutzwächter Brokt dagegen betont, dass er am See immer wieder auch Camper beobachtet habe und dass dort "Feuer geschürt" würden - auch dies sei ein Verstoß gegen den Schutzstatus.

"In jedem Fall muss sich etwas ändern", sagt Eduard Zöbelein. "Der Pirol, das Blaukehlchen, die Nachtigall, der Neuntöter, die Beutelmeise und der Eisvogel sind schon verschwunden. Allesamt Arten, die auf der Roten Liste geschützter Vögel stehen." Auch wandernde Fledermäuse hätten das Areal rund um den Baggersee als Ruhezone genutzt. "In diesem Jahr kommen sie im Vogelschutzgebiet nicht mehr vor."