Mit eindringlichen Worten schildert eine 57-jährige Mutter aus Schwabach, wie ihre Tochter unter den Folgen der versuchten Vergewaltigung durch den Tunesier Rami F. leidet. "Das ist alles sehr drastisch, meine Tochter war damals im September 2015 in der Ausbildung als Erzieherin. Sie leidet seit der Tat unter Schlaflosigkeit, ist depressiv, braucht immer Coaching."

Die junge Frau habe zudem Angst, sich alleine in der Öffentlichkeit zu bewegen, erklärt die Mutter vor dem Landgericht Bamberg, wo Rami F. der Prozess wegen versuchter Vergewaltigung in zwei Fällen und einer Vergewaltigung gemacht wird. "Sie bekommt zudem auch Panikattacken. Sie wird das nie vergessen. Vor allem auch die Aussage heute fiel ihr schwer. Wir als Außenstehende können diese Folgen nur erahnen. Sie war früher immer selbstsicher und selbstbewusst, das ist sie heute nicht mehr", fügt die Schwabacherin an.

Zuvor hatte ihre Tochter unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Unter Tränen war sie in den Zeugenstand getreten, nur wenige Meter von dem Mann entfernt, der sie am 11. September 2015 missbrauchen wollte. Durch den Überfall erlitt die damals 20-Jährige eine Gehirnerschütterung, hatte Würgemale am Hals und war überall am Körper verkratzt.


Mit Faust zugeschlagen

Laut ihrer Mutter habe sie der Täter mit der Faust in den Mund geschlagen. "Ihr Peiniger würgte sie, meine Tochter bekam keine Luft, sie biss sich dabei ein Stück von der Zunge ab."
Nur weil sich die junge Frau auch unter Schmerzen weiter gegen Rami F. wehrte, ließ er von ihr ab und flüchtete, wurde nicht von der Polizei gefasst.

Alle Verletzungen bestätigte gegenüber dem Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt auch ein Arzt vom Stadtkrankenhaus in Schwabach, der das Opfer einen Tag nach dem Überfall untersucht hatte.

Erst, als der Angeklagte wenige Monate später im Mai 2016 ein weiteres Opfer, eine 17-jährige Schülerin nahe Kersbach vergewaltigen wollte, konnte er von der Polizei gefasst und verhaftet werden. Bereits am ersten Verhandlungstag räumte der Tunesier, der sich gegenüber den Behörden in Deutschland als Syrer ausgegeben hatte, die Taten ein. Darunter eine vollendete Vergewaltigung eines Mädchens am Bahnhaltepunkt St. Afra (Landkreis Aichach-Friedberg) am 12. September 2015.

Auch dieses Opfer kann die Geschehnisse nur schwer verdrängen. Es leide unter depressiven Stimmungen, schrecke schreiend aus dem Schlaf hoch - bis heute, sagt dessen Mutter aus Mering aus und fügt an: "Vor diesem Ereignis war das nicht der Fall."


Junger Mann half Opfer

Nach der Vergewaltigung hatte sie sich in den Wagen eines jungen Mannes gerettet. Sie konnte zunächst nicht sprechen, atmete schnell und fing erst später an, sich dem Autofahrer anzuvertrauen, dass sie vergewaltigt worden sei. Der Mann rief schließlich die Polizei und wurde von den Beamten laut eigenen Angaben verdächtigt, die Schülerin missbraucht zu haben.

Das Urteil gegen Rami F. soll bereits schon kommende Woche fallen, deutete der Vorsitzende Richter am Rande der Verhandlung an. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Gefängnis sowie eine zusätzliche angeordnete Sicherungsverwahrung.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens werden die Opfer wohl noch lange unter den Taten des Angeklagten leiden und auch für den Steuerzahler kommen dessen Verbrechen teuer.
Allein die Verhandlung dürfte laut Schätzung einer erfahrenen Juristin fast 10 000 Euro kosten. Zudem schlägt ein Hafttag mit 120 Euro für die Staatskasse zu Buche, seit seiner Inhaftierung kamen so bereits 36 000 Euro zusammen.